Seelen- und Hirnexhibitionismus

Freitag, November 10, 2006

Wiedersehen mit der Kopierfee

(Soundtrack: Madsen – Die Perfektion)

…Nass, durchgefroren, die Haare vom Wind zerzaust, gestresst (weil verspätet) fand ich letztendlich den Seminarraum. Das heißt, ich versuchte es. Denn scheinbar gab es mehr lernwillige Studenten als ich dachte, was durch die Menschentraube vor der Tür erfolgreich dokumentiert wurde. „Selbst Schuld, wenn man ein Seminar für alle Fakultäten öffnet!“, dachte ich mir. „Weitergehen! Gehen sie weiter! Hier gibt es nichts zu sehen!“, rief ich und bahnte mir mühsam einen Weg ins innere des Raumes. Ich hatte ja in den ersten Semestertagen schon öfter mal nur in der zweiten Reihe ohne Tisch oder auch auf der Fensterbank des Hörsaales gesessen, aber diese effiziente Raumausnutzung machte selbst den Legebatterien Konkurrenz. Selbst der letzte „Fensterplatz“ war bereits belegt, so dass ich mich kurzerhand auf den kalten Boden niederließ und lasziv bis lässig meinen Schreibblock auf meinem hochgestellten rechten Bein balancierte. Etwas kalt, etwas unbequem, etwas dreckig, aber Akustik und Sicht waren ausreichend…. – Wäre da nicht das weibliche Geschöpf neben mir gewesen….

Schon seit gut einem Jahr spukte sie in meinem Kopf herum:

  • Die Kopierfee.
  • Ich kannte ihren Namen nicht, aber sie besaß eines der heißesten Fahrgestelle des Campus und das wusste sie auch. Als gäbe es einen Aufschluss über unser beider Hierarchie, saß sie zwar keine 30 cm neben mir, aber in erhöhter Position. Frauen wie sie würden niemals auf dem Boden sitzen müssen, da sie a) niemals zu spät zum Unterricht kommen würden, weil zu diszipliniert, b) weil sie sich dann ihr aufwendiges Kostümchen schmutzig machen würden (mmmh schmutzig *räusper*) und so ihre „Perfektion“ einbüßen würden und c) weil immer irgendein Kerl für sie den Platz räumen würde. So saß ich also eher auf Augenhöhe mit ihren kniehohen, schwarzen Stiefeln, die sie in scheinbar eingeübter Pose überkreuzt hatte, hätte ich mich denn umgedreht. Das Seminar begann. Während die Dozentin sich redlich bemühte uns in die Geheimnisse der Fremdsprachenvermittlung einzuweihen, war mein Verstand bereits mit einem Gedanken ausgefüllt:

    „Nicht umsehen…, nicht umsehen!“, sprach ich mir in Gedanken immer wieder vor. Wie in Trance sah ich stur nach vorne Richtung Tafel bzw. Tageslichtprojektor. Meine Hand führte wie mechanisch den Kugelschreiber über den Schreibblock. Ich hörte ein leises Quietschen von meiner Rechten, was vom leicht nervösen Fußscharren der Kunstlederstiefel herrühren musste. „Nein, ich schaue nicht hin!“, redete ich mir weiter, diesmal noch bestimmter, ein. Verzweifelt bekämpfte ich die aufkommenden „Ab 18 – Filme“ in meinem Kopf und betete, dass ich nicht drangenommen werden würde.

    „Jay, würden sie uns bitte erklären wie…“ – „Ich habe nicht hingesehen!! Nein, ich habe nicht hingesehen!!!“, wären die Worte gewesen, die meinen gesellschaftlichen Tod an der Uni besiegelt hätten.

    2 Comments:

    Anonymous Steffen said...

    Endlich neues von der Kopierfee! Würd ich ja gern mal treffen. Hätte Montags noch etwas Zeit über.

    13 November, 2006 16:35

     
    Anonymous Steffen said...

    Endlich neues von der Kopierfee! Würd ich ja gern mal treffen. Hätte Montags noch etwas Zeit über.

    13 November, 2006 16:35

     

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