Seelen- und Hirnexhibitionismus

Montag, November 27, 2006

Unplugged

(iTunes bleibt stumm)

Der Albtraum eines jeden Bloggers: Nichts böses ahnend saß ich letzte Woche vor dem Recher, der Instant Messeger, ein Word Dokument und ei Download war offen auf meinem Desktop. Plötzlich zeigte das Display nur noch so viel, wie eine Gute Zeiten - schlechte Zeiten - Best- Of: Nichts. Dem folgte ein permanentes, leises Klacken, das bei mir Kindheitserinnungen an meinen Goldhamster im Laufrad zurückbrachte und ein Geruch, der dem von Chio Chips mit Bacon Geschmack (gibts die eigentlich noch?) recht nahe kam. Totentanz. Jays mediale Verwaltungsstelle, Unterhaltungszetrum und Produktionsstätte liegt röcheld danieder.

Seitdem fühle ich mich nackt, abhängig, unzufrieden und unwohl. Als mein TV-Empfänger vor ca: 2 Monate den Dienst verweigerte, war das gut zu verkraften. Läuft ja eh nur Mist und die wenigen guten Sendungen kann man sich bequem im Internet aufehmen lassen. Aber jetzt? Plötzlich sitze ich abends in meinem Zimmer und weiss nur schwer was mit mir anzufangen. Plötzlich werden Bücher wieder herausgekramt anstelle des täglichen Blogschmökers. Plötzlich mach ich was für die Uni, was allerdings auch mitunter wieder die Nutzung eines PCs nötig macht. Meine Date sind Vagabunde, die auf meinem USB-Stick umhervagabundieren, um sich mal auf den einen, mal den anderen Rechner aufwärmen dürfen.

Plötzlich telefoniere ich wieder. Jaaaa, telefonieren!!! So richtig mit Höhrer und so. Nicht mit Kopfsatz ähm Headset. Der CD-Ständer wird wieder entstaubt und die alten, von Jay's hart ersparten Teenagertaschengeld gekauften Originalalben finden wieder de Weg in die Steroanlage. Alben, an denen man noch bestimmte Momente oder Lebensepochen festmachen kann. Trotz all dieser Dinge, die man anfassen kann und Herz haben, fühle ich mich nackt. - Und vor allem krank....

Samstag, November 18, 2006

Wo das Geld hingeht…

(Soundtrack: Dire Straits – Money for nothing)

Die Studiengebühren kommen! So sicher, dass sich die Deutsche Bundesbahn sich gut mal ne Scheibe von deren Zuverlässigkeit abschneiden könnte. Aber wo gehen sie hin? Wie heißt es so schön im Schlager? „Es fährt ein Zug ins Nirgendwo. Mit mir alleeeeiiin als Passajier!“, würde wieder im direkten Kontext auf die Bahn, im metaphorischen Sinne aber auch auf die Gebühren zutreffen. „Wo gehen sie hin? Wo kommen sie her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Gibst da nen Tunnel? Gibt’s da n Licht? – Warum fragst du mich? Ich weiß es nicht!“, würden es wohl die Fantstischen 4 beschreiben. Und wo ging das Geld bis jetzt hin?

So nahm ich vor kurzem gefährliches Halbwissen wahr, das den Verdacht nahe bringen könnte, es gäbe je zwei Fachbibliotheken für Jura und VWL an den Uni-Kiel. Sofort drängten sich mir Bilder der Skandal-Schlagzeilen in Gedanken auf. „Uni-Schläfer protestieren zu Unrecht. Die CAU Kiel schwimmt im Geld!“ Weiterhin malte ich mir aus, wie die Jurastudenten sich wild mit Champagner bespritzend, mit BGBs bewerfend und Geld verbrennend fröhlich in der überflüssigen Fachbibliothek tummeln.

Wahrscheinlich ist die Erklärung für dieses Mysterium viel Bodenständiger. Das mein Kommilitone und ich die jeweiligen Bibliotheken an verschiedenen Orten lokalisierten wird eher durch einen Umzug bedingt sein oder dass es sich um jeweils verschieden Lehrstühle handelt, dem die Bibliotheken angehören. Nichts desto trotz prophezeie ich an dieser Stelle dass die Studiengebühren den bestehenden Sozialneid nicht gerade hemmen werden (auch unter den Studenten).

Freitag, November 17, 2006

Nicht das Ende verraten…

(Soundtrack: Sportsfreunde Stiller – Ans Ende denken wir erst zuletzt)

Spoiler sind etwas nerviges. Nein, nicht die am Auto. Da ist meistens nur der zugehörige Schmock hinterm Steuer der Grund des Ärgernisses. Nein, ich spreche von jenen Spoilern, die einen das Ende des Filmes oder der Lieblingsserie voraussagen. Manche wollen es ja auch nicht anders und fragen schon beim Vorspann des Filmes worum es denn ginge. Solche Menschen würden wahrscheinlich entspannter einen Film gucken, wenn sie wie im Theater, einen Szenenplan hätten, der ihnen eine Grobe Auskunft darüber gibt, was sie wann erwartet. Keine Überraschungen bitte!

Anders die Serienjünger. Fans von Serien wie Lost oder Alias würden sich lieber über Wochen quälen, immer wieder Tage lang asketisch auf die Fortsetzung warten und sich lieber zu Hause einschließen, bevor irgendein dummer Arbeitskollege, der sich schon die aktuelle Season komplett aus den Internet gezogen hat oder sich die DVD-Box aus den Staaten mitbringen lassen hat, sich verplappert. Wie schön, dass es im TV auch genug Sendungen gibt, deren Ausgang mit größter Wahrscheinlichkeit abzusehen ist: Wie bei den Popstars.

Ich denke ich werde keinen ans Bein pinkeln, wenn euch das Ende verrate, denn die Geschichte ist immer die Gleiche, nur die Akteure werden teilweise ausgetauscht:

Achtung! Achtung! Spoiler!! Nicht weiter lesen!!!

Egal, wer der 6 übrig gebliebenen Grazien am Ende in der Band steht, es wird eine Zickenband, die sich nach den ersten beiden wahrscheinlich noch erfolgreichen Singles wieder verkatert auf dem Friedhof der gescheiterten Möchtegern Stars aufwachen wird, sich niemand mehr wirklich für sie interessiert, sich trennen und nur noch mit Aktphotos auf sich aufmerksam machen. „Aber…, aber…, ich kann doch nichts anderes als Popstars sein!“, spricht es den tränenüberströmten Gesichtern der raus gewählten Damen aus dem Gesicht. - Ja, genau deshalb seit ihr manipulierbar, Mädels! Den Blick in die Zukunft bietet Ex-No Angel Sandy, die scheinbar weiterhin nur Medienpräsens durch das Popstarsformat bekommen kann und wohl in Zukunft nur noch wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manege geführt wird bzw. Pro 7-Jingles singen darf.

Dabei kann man keinen von Ihnen das Talent absprechen. Im Gegenteil: Das Niveau der Showteilnehmer war selten höher. Nur sah man jetzt am Donnerstag bei den ersten „New Angels Songs“, dass man lieber versucht den erfolgreichen Girlgroupvorbildern musikalisch nachzueifern anstatt eine kreative Eigenständigkeit im Stil zu entwickeln. Schon nach dem dritten Refrain hingen mir die Songs zum Halse raus. Schade um das Talent, aber der Produzent heißt einfach nicht Wyclef Jean!

Samstag, November 11, 2006

Retter Der Nation

Übel, übel, übel. Da schau ich mal ne knappe Woche nicht bei Whudat rein und hätte fast verpasst wie MC-Winkel mit der Kieler Hip-Hop Formation "Büro am Strand" und Nils Bokelberg diese Bombe baut und die WEltherrschaft anstrebt. Wenn das so weitergeht mit dem MC, dann wird bald das Videomaterial seines frühen musikalischen Schaffens, dass ich noch habe, bald eine Menge wert sein.

Freitag, November 10, 2006

Wiedersehen mit der Kopierfee

(Soundtrack: Madsen – Die Perfektion)

…Nass, durchgefroren, die Haare vom Wind zerzaust, gestresst (weil verspätet) fand ich letztendlich den Seminarraum. Das heißt, ich versuchte es. Denn scheinbar gab es mehr lernwillige Studenten als ich dachte, was durch die Menschentraube vor der Tür erfolgreich dokumentiert wurde. „Selbst Schuld, wenn man ein Seminar für alle Fakultäten öffnet!“, dachte ich mir. „Weitergehen! Gehen sie weiter! Hier gibt es nichts zu sehen!“, rief ich und bahnte mir mühsam einen Weg ins innere des Raumes. Ich hatte ja in den ersten Semestertagen schon öfter mal nur in der zweiten Reihe ohne Tisch oder auch auf der Fensterbank des Hörsaales gesessen, aber diese effiziente Raumausnutzung machte selbst den Legebatterien Konkurrenz. Selbst der letzte „Fensterplatz“ war bereits belegt, so dass ich mich kurzerhand auf den kalten Boden niederließ und lasziv bis lässig meinen Schreibblock auf meinem hochgestellten rechten Bein balancierte. Etwas kalt, etwas unbequem, etwas dreckig, aber Akustik und Sicht waren ausreichend…. – Wäre da nicht das weibliche Geschöpf neben mir gewesen….

Schon seit gut einem Jahr spukte sie in meinem Kopf herum:

  • Die Kopierfee.
  • Ich kannte ihren Namen nicht, aber sie besaß eines der heißesten Fahrgestelle des Campus und das wusste sie auch. Als gäbe es einen Aufschluss über unser beider Hierarchie, saß sie zwar keine 30 cm neben mir, aber in erhöhter Position. Frauen wie sie würden niemals auf dem Boden sitzen müssen, da sie a) niemals zu spät zum Unterricht kommen würden, weil zu diszipliniert, b) weil sie sich dann ihr aufwendiges Kostümchen schmutzig machen würden (mmmh schmutzig *räusper*) und so ihre „Perfektion“ einbüßen würden und c) weil immer irgendein Kerl für sie den Platz räumen würde. So saß ich also eher auf Augenhöhe mit ihren kniehohen, schwarzen Stiefeln, die sie in scheinbar eingeübter Pose überkreuzt hatte, hätte ich mich denn umgedreht. Das Seminar begann. Während die Dozentin sich redlich bemühte uns in die Geheimnisse der Fremdsprachenvermittlung einzuweihen, war mein Verstand bereits mit einem Gedanken ausgefüllt:

    „Nicht umsehen…, nicht umsehen!“, sprach ich mir in Gedanken immer wieder vor. Wie in Trance sah ich stur nach vorne Richtung Tafel bzw. Tageslichtprojektor. Meine Hand führte wie mechanisch den Kugelschreiber über den Schreibblock. Ich hörte ein leises Quietschen von meiner Rechten, was vom leicht nervösen Fußscharren der Kunstlederstiefel herrühren musste. „Nein, ich schaue nicht hin!“, redete ich mir weiter, diesmal noch bestimmter, ein. Verzweifelt bekämpfte ich die aufkommenden „Ab 18 – Filme“ in meinem Kopf und betete, dass ich nicht drangenommen werden würde.

    „Jay, würden sie uns bitte erklären wie…“ – „Ich habe nicht hingesehen!! Nein, ich habe nicht hingesehen!!!“, wären die Worte gewesen, die meinen gesellschaftlichen Tod an der Uni besiegelt hätten.

    Dienstag, November 07, 2006

    …nur Kacken und Sterben!

    (Soundtrack: Die Fantastischen 4 – Die Stadt die es nicht gibt)

    Thomas D. wird im Interview bei „Rockpalast Mobil“ (WDR) gefragt, ob er von Grund auf ein glücklicher Mensch wäre. Nach dem typischen Carpe Diem Gequatsche zitiert Thomas den Apple-Gründer Steve Jobs, der sich angeblich jeden Morgen vor dem Spiegel stehend fragt, ob er das was er diesen Tag tun wird gerne machen würde. Wenn man 3mal hintereinander diese Frage mit „Nein“ beantwortet, sollte man was ändern.

    Weiterhin regt er sich über Leute auf, die ständig stöhnen und Sätze mit „Ich muss noch…“ beginnen. Schon seine Oma hätte gesagt: „Man muss nur Kacken und Sterben. Sonst nichts!“ – Recht haben sie die Dürrs! Viel zu oft erwische ich mich selbst bei diesem wehleidigen Gejammer. All die Termine, die man sich selbst aufbürgt. Golfspiel, Geschäftsessen, die Welt retten, perfekter Liebhaber sein, Gangster umlegen und was man nicht sonst so alles macht. Und zwischendurch ruhig mal wieder Atmen, das kann ganz erquickend sein hab ich gehört.

    Ich werde mich in Zukunft bemühen, meine Termine nicht mehr mit einem „Ich muss noch…“, sondern mit einem „Ich will nachher noch…“ zu nennen. Wer mich beim „müssen“ erwischt, darf mir eine langen!!! Hab mir mein Leben schließlich so ausgesucht und die Art wie wir sprechen bestimmt, wie wir die Welt sehen. Ja, ich will!

    Montag, November 06, 2006

    Währe ich am Samstag mal lieber auch bei den Möhrchen geblieben....

    Sonntag, November 05, 2006

    New Kids on the Block

    (Soundtrack: Feeder – Yesterday went too soon)

    Semesteranfang: Hunderte neuer Erstis rennen verwirrt durch die Flure der Seminargebäude. Jung sehen sie aus. All die Jungs, mit Flaum im Gesicht. Die Mädels, auf deren Zähnen man beim genauen hingucken wahrscheinlich noch die Abdrücke ihrer festen Zahnspangen sehen könnte. All das junge Gemüse, alle die denken Nena würde erfolgreich deutsch Singen, weil es Wir Sind Helden auch schon getan haben und nicht umgekehrt. Sie geben mir das Gefühl eher das Alter von Walter Matthau als das von Ashton Kutcher zu haben bzw. lassen mich fragen, ob ich nicht doch noch mitten in meinem letzten Schulpraktikum bin. Da vor der Mensa keiner Fußball mit nem verfilzten Tennisball spielt und auch niemand hier „Magic – The Gathering“- Karten tauscht, verwerfe ich diesen Gedanken schnell wieder.

    Verwirrt sehen sie aus die Armen und irgendwie orientierungslos. Wie kleine Entenküken hängen sie am „Rockzipfel“ der Fachschaftlern und Astaberatungen, kaufen mehr Literatur als sie tragen können und lassen sich mit großen Augen durch die Seminarbibliotheken führen, dessen Ruhe und Mangel an Abwechslung sonst immer der perfekte Ort zum lernen für mich war. Plötzlich steht eine Traube Erstis um den Handapparat der nur einen halben Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt steht. Einige luschern zuerst interessiert auf meinen Schreibblock, was der Jay so drauf kritzelt, können es aber scheinbar nicht entziffern. Wenige Minuten später trampelt die Herde wieder raus durch die Glastür, hinterlassen eine Duftwolke aus billigem Axe-Deo und ich könnte schwören einige „Orsay 9,50 €“ – Preisschilder auf den Boden liegen gesehen zu haben. Ich hätte ihnen gerne Trost gegeben aber es ist besser für sie, wenn sie die harte Wahrheit gleich erfahren: „Ihr glaubt es ist nur am Anfang so chaotisch und unübersichtlich. Ihr glaubt, nur die Erstsemester- veranstaltungen sind überlaufen! – Nein, es bleibt so schlimm! Seht mich an! Die Uni hat mich zudem gemacht, was ich heute bin: Ich bin ein gebrochener Mann!“, möchte ich ihnen hinterher rufen. Doch ein zischendes „Pssst, leise!“, der Bibliothekarin unterbricht mich.

    Denn während z.B. im Nachbarland Niedersachsen schon Studiengebühren gezahlt werden, belegen die um 30% höheren Studentenzahlen in Kiel, dass die Schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt kurzzeitig als gebührenfreies Paradies gesehen wird. („Während in Villariba noch gefeiert wird, wird in Villabajo noch geschrubbt.“) Mittlerweile bricht auch der Widerstand der Dozenten weg, die sich noch vor einem halben Jahr weigerten mehr als 10 Leute über die angegebene Teilnehmerzahl in die Seminare zu nehmen, um einen Protest von Seiten der Studenten gegenüber der Unipolitik und so eine Verbesserung der Situation zu provozieren. Womöglich werden die höheren Studentenzahlen auch noch als Argument für die Notwendigkeit der Studiengebühren herangezogen, die ja schon längst beschlossene Sache sind…. – Geht doch alles den Bachrunter!