Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Oktober 21, 2006

Manchmal haben Heten…

(Soundtrack: Die Ärzte - Manchmal haben Frauen)

Heten“ ist ein Wort, das einen schnell in den Wortschatz rutscht, wenn man homosexuelle Bekannte hat. Ein umgangssprachliches Wort, das Homosexuelle mindestens genauso gerne benutzten, wie Heteros das Wort „Schwule“. Neulich auf einer Party spielte ich diese Rolle: „Die Hete“ und fühlte mich selbst, zum ersten Mal in meinem Leben genötigt meinen Lebensstil bzw. meine sexuelle Richtung rechtfertigen zu müssen. Erwartet hat dies keiner von mir. Und doch fühlte ich mich ein bisschen so. Bisher hatte ich bei meinen Schwulen Kumpel und mir nur wenige Unterschiede gesehen. Er Stand auf Männer, ich auf Frauen und wir besuchten selten dieselben Clubs… - Das war es auch schon für mich. – Bis zu diesen Abend. Denn an diesem Tag war ich die Minderheit. Das Arme Würstchen, das sich immer mit diesen Frauen rumschlagen muss, die ja ganz anders ticken als wir Männer.

Wir standen mit mehreren Leuten auf dem Balkon, nippten am Bier bzw. Prosecco und tratschten in kleiner Runde über Gott und die Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie kamen wir über Politik auf islamistische Selbstmordattentäter und auf die 70 Jungfrauen, die diesen dann als Belohnung für den Dschihad im Jenseits zustünden. In meiner Bierlaune dachte ich laut darüber nach, dass die Zahl der Jungfrauen ja in Relation zur Ewigkeit gar nicht so hoch sei. Eine leichtsinnige Aussage, wie ich kurz darauf bemerkte, denn einer der schwulen Partygäste nahm selbige zum Anlass sich nach der Anzahl meiner bisherigen Beischlafspartnerinnen zu erkundigen. Ich musste zugeben, dass ich diese bisher an einer Hand abzählen konnte. Er hingegen meinte, dass er die 70 wohl schnell voll kriegen würde und dass der gewiefte Anmachspruch „Ficken?“ in Schwulenkreisen prima funktionierte. Er sprach mir sein bedauern aus, wir Heten hätten es echt nicht leicht mit den Frauen. Dann legte er noch einen drauf und zitierte ein Freundin von ihm, die meinte dass evolutionsmäßig die Frauen ganz vorne wären, dicht gefolgt von den homosexuellen Männern und weit abgeschlagen die Heteromänner kämen, die sich ja nur den Frauen unterordnen/anpassen.

Was das mit Evolution zu tun hätte, wusste ich allerdings nicht. Heißt Evolution nicht anpassen? Hat Evolution nicht was mit Fortpflanzen zu tun und wie viele der Kinder, die ich beim wild durch die Gegend Vögeln zeugen würde, würden „überleben“ wenn ich es ihm nachmachen würde mit der Promiscuität? Als ich ihm diese Fragen stellte, sah er mich nur ein wenig mitleidsvoll an und verließ den Balkon kopfschüttelnd mit den Worten „Du lebst in einer Frauenwelt!“ Etwas sprachlos blieb ich stehen und fühlte mich an die Songzeile des oben genannten Stückes erinnert: „Die Emanzipation ist der gerechte Lohn für die verweichlichte Männerschaft!“. Auch wenn seine Argumentation etwas hinkte und auch seine Motivation für diese Ansprache mir fragwürdig erschien – soziologisch gesehen, hatte er ja schon ein wenig Recht. Ist Sex doch für Frauen mit einer Menge Stress und Verantwortung verbunden (All das Generve wie Kinderkriegen und so…), weshalb dem geneigten Mann in den meisten Fällen wochenlanges Vorspiel mit „Nett sein“, „Händchenhalten“, „Verabredung“ über die Zielgerade „Das Petting“ bevorsteht. Aber ein Geschenk auf das man lange warten muss, schätzt man ja auch mehr. Es war ein lehrreicher und amüsanter Abend der gezeigt hat, dass Schwule und Heteros eine Menge voneinander lernen können.

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