Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Oktober 28, 2006

Der Mann ohne Identität

(Soundtrack: Ben Folds Five – Give me back my money)

Sie werden nichts über mich herausfinden. Für welche Regierung oder für welchen Auftraggeber ich gearbeitet habe. An dieser Frage werden sie sich die Zähne ausbeißen, wenn sie meine Leiche auflesen und vermuten, dass ich von irgendeinem in Kiel Mettenhof ansässigen Gansterboss umgelegt wurde, weil ich eines seiner Bunnys verführt habe. Tja, James Bond wäre das nicht passiert! Sie werden mich vermutlich für den „International Man of Mystery“ halten. Aber merkt Euch: „Danger“ ist nur mein zweiter Vorname.

Doch leider ist meine momentane Identitätslosigkeit weder mit einem Job beim Geheimdienst noch mit einem Zeugenschutzprogramm zu erklären. Die Erklärung ist viel einfacher, nimmt mir aber auch einen erheblichen Teil meines Sexappeal-Bonus: Meine Geldbörse ist weg!! Wahrscheinlich weggelaufen zu einem Herrchen, dass es öfter füttert. Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich denke ein Mann mit leeren Taschen strahlt beinahe so wenig Sex aus, wie ein Mann mit gänzlich leeren Hosen. Zumindest fühl ich mich irgendwie Nackt. Und einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche. „Runter mit den Spendierhosen Unsichtbarer!“, betitelten schon die Ärzte einen Longplayer.

Ist ja halb so wild. Perso wäre eh bald abgelaufen und hätte neu beantragt werden müssen. Den Studentenausweis gibst auf einem 10er-Bogen. Die EC-Karte ist versichert, schneller gesperrt als Natalie Portman in Star Wars Episode III ihre Frisuren wechselt und ich kann trotzdem einfach mit meinem guten Namen bei der Bankfiliale meines Vertrauens von meinem Konto abheben. Kein Stress also, Puls down low und Körper auf Zimmertemperatur halten (nee quatsch, bin ja kein Dinosaurier und mein Zimmer hat auch keine Saunatemperaturen). Nur dumm, wenn einem dann die gute Banktrulla mit einem Wurstfinger auf dem Display einen Kontostand von minus 400 € (bei einem Disposatz von 100 €) attestiert. Da hat man schon die Pest und dann wird man auch noch angefahren!!! Gott sei Dank, hab ich mein Flaschenpfand noch gehortet! Und überhaupt: Habt ihr schonmal gesehen, wie James Bond seinen Martini on the Rocks bezahlt? - Nee, eben...

Donnerstag, Oktober 26, 2006

StudiVZ saves the world

(Soundtrack: Mighty Mighty Bosstones – I know more)

3 Gründe warum das Studiverzeichnis (http://www.studivz.net) das Leben nachhaltig verbessern kann:

1. Endlich! Wenn ich mich nicht mehr entscheiden kann, in welchen Kurs ich will, klick ich doch einfach diesen Link und schau wie viele hübsche Singlemädels drin sind.

2. Es wird bald nie wieder ein Krieg ausbrechen, weil Bush’s Töchter in ihrem Profil sehen, dass sie über 15 Ecken mit den Husseins bekannt sind.

3. Stephen King veröffentlicht demnächst seinen next Bestseller mit dem Titel „Friedhof der Gruscheltiere“, dessen erlös er Amnesty International spenden will, munkelt man.

Montag, Oktober 23, 2006

Jan Delay – Mercedes Dance

Im Sterninterview ließ der selbst ernannte„Delay Lama“ verlauten, dass er „Wir sind Helden“ nicht möge, da sie Musik machen, mit der jeder was anfangen könne. Nach seinem neuesten Soloalbum kann sich der Ex-Beginner diesen Vorwurf wohl auch machen. Vorbei sind die Zeiten wo er seine sozialkritischen Parolen auf melancholisch schweren Reggaebläsern (wie z.B. bei „Vergiftet“ oder „Ich will nicht, dass ihr meine Lieder singt!“) in die Welt hinaus krakelte. Tanzbar soll der neue Jan Delay-Sound sein ohne die vor Wortwitz nur so strotzenden, subtil einfließende Sozialkritik einzubüßen. Denn Medizin muss süß sein, damit auch die Kiddies sie schlucken. Erstaunlicherweise büßt er trotz erhöhter Bravo-Präsens, Designersakko und mehr Mainstreamtauglichkeit nichts an seiner Hip-Hop- Credibility ein.

Der funkige Tanzflächenfüller „Klar“ dürfte bereits jedem im Ohr rumspuken. Wer aber gedacht hat, das wäre das einzige „Ausnahmestück“ auf dem Album, der irrt. Denn Jan’s „Wäschklammer auf der Nase“- Stimme lässt sich unverhofft vielseitig einsetzen. „Feuer“ zum Beispiel kommt ungewohnt rockig mit E-Gitarren und Trompeten daher. Mit „Gasthaus zum lachenden Stalin“ findet sich sogar eine waschechte Jazz- Instrumentalnummer auf der LP und „Für immer und dich“ (wohl die nächste Single) punktet als soulige Ballade. Bei dem grandiosen Arrangement in letzterem verschmerzt man fast, dass dem Herren Eißfeldt eigentlich die Stimme für Lovesongs fehlt und ihm ironische Texte besser stehen. Wahrscheinlich wollte die Plattenfirma gerne eine Quotenballade.

Ansonsten geht textlich einiges. So rechnet er in „Kartoffeln“ mit den deutschen Tugenden ab (Textauszug: „…Über dieses öde Gemüse und seine Eigenschaft: Stärke zu besitzen aber leider keinen Geschmack.“) oder philosophiert in „Plastik“ auf 80ies Discosound über Oberflächlichkeiten.

Jan Delay schafft es die guten Tugenden der früheren Beginner- und Soloproduktionen zu konservieren und sie gleichzeitig schöner zu verpacken. Ein erwachsenes Album das die alten Fans mehr als befriedigen wird aber auch neue, junge Fans erreichen wird.

Samstag, Oktober 21, 2006

Manchmal haben Heten…

(Soundtrack: Die Ärzte - Manchmal haben Frauen)

Heten“ ist ein Wort, das einen schnell in den Wortschatz rutscht, wenn man homosexuelle Bekannte hat. Ein umgangssprachliches Wort, das Homosexuelle mindestens genauso gerne benutzten, wie Heteros das Wort „Schwule“. Neulich auf einer Party spielte ich diese Rolle: „Die Hete“ und fühlte mich selbst, zum ersten Mal in meinem Leben genötigt meinen Lebensstil bzw. meine sexuelle Richtung rechtfertigen zu müssen. Erwartet hat dies keiner von mir. Und doch fühlte ich mich ein bisschen so. Bisher hatte ich bei meinen Schwulen Kumpel und mir nur wenige Unterschiede gesehen. Er Stand auf Männer, ich auf Frauen und wir besuchten selten dieselben Clubs… - Das war es auch schon für mich. – Bis zu diesen Abend. Denn an diesem Tag war ich die Minderheit. Das Arme Würstchen, das sich immer mit diesen Frauen rumschlagen muss, die ja ganz anders ticken als wir Männer.

Wir standen mit mehreren Leuten auf dem Balkon, nippten am Bier bzw. Prosecco und tratschten in kleiner Runde über Gott und die Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie kamen wir über Politik auf islamistische Selbstmordattentäter und auf die 70 Jungfrauen, die diesen dann als Belohnung für den Dschihad im Jenseits zustünden. In meiner Bierlaune dachte ich laut darüber nach, dass die Zahl der Jungfrauen ja in Relation zur Ewigkeit gar nicht so hoch sei. Eine leichtsinnige Aussage, wie ich kurz darauf bemerkte, denn einer der schwulen Partygäste nahm selbige zum Anlass sich nach der Anzahl meiner bisherigen Beischlafspartnerinnen zu erkundigen. Ich musste zugeben, dass ich diese bisher an einer Hand abzählen konnte. Er hingegen meinte, dass er die 70 wohl schnell voll kriegen würde und dass der gewiefte Anmachspruch „Ficken?“ in Schwulenkreisen prima funktionierte. Er sprach mir sein bedauern aus, wir Heten hätten es echt nicht leicht mit den Frauen. Dann legte er noch einen drauf und zitierte ein Freundin von ihm, die meinte dass evolutionsmäßig die Frauen ganz vorne wären, dicht gefolgt von den homosexuellen Männern und weit abgeschlagen die Heteromänner kämen, die sich ja nur den Frauen unterordnen/anpassen.

Was das mit Evolution zu tun hätte, wusste ich allerdings nicht. Heißt Evolution nicht anpassen? Hat Evolution nicht was mit Fortpflanzen zu tun und wie viele der Kinder, die ich beim wild durch die Gegend Vögeln zeugen würde, würden „überleben“ wenn ich es ihm nachmachen würde mit der Promiscuität? Als ich ihm diese Fragen stellte, sah er mich nur ein wenig mitleidsvoll an und verließ den Balkon kopfschüttelnd mit den Worten „Du lebst in einer Frauenwelt!“ Etwas sprachlos blieb ich stehen und fühlte mich an die Songzeile des oben genannten Stückes erinnert: „Die Emanzipation ist der gerechte Lohn für die verweichlichte Männerschaft!“. Auch wenn seine Argumentation etwas hinkte und auch seine Motivation für diese Ansprache mir fragwürdig erschien – soziologisch gesehen, hatte er ja schon ein wenig Recht. Ist Sex doch für Frauen mit einer Menge Stress und Verantwortung verbunden (All das Generve wie Kinderkriegen und so…), weshalb dem geneigten Mann in den meisten Fällen wochenlanges Vorspiel mit „Nett sein“, „Händchenhalten“, „Verabredung“ über die Zielgerade „Das Petting“ bevorsteht. Aber ein Geschenk auf das man lange warten muss, schätzt man ja auch mehr. Es war ein lehrreicher und amüsanter Abend der gezeigt hat, dass Schwule und Heteros eine Menge voneinander lernen können.

Dienstag, Oktober 10, 2006

Früher war alles besser…

(Soundtrack: Wise Guys – Früher)

…denken sich anscheinend die Fernsehproduzenten immer wieder, wenn sie uns mit „Abend füllenden“ Chartshows, 70er, 80er und 90er Shows quälen. Gerade am vergangenen Samstag hab ich beim abendlichen TV anschalten eine Weile dafür gebraucht zu merken, dass die „50 Jahre Bravo Show“ eben nicht den ganzen Tag überläuft, sondern dass es sich schon um die zweite (oder gar dritte) Revivalshow des Tages handelte. Der finanzielle Vorteil für die TV-Produzenten dieser Shows: Die „Stars“ die auftreten hatten schon zu ihren besten Zeiten ein Verfallsdatum, dass mit dem eines Sahnejoghurts nur schwer mithalten konnte, haben weniger Geschmack und kosten auch weniger, als der Frühstücks Starfrucht von Zott. Und das war vor mindestens 10 Jahren! Das „Früher war alles Besser“- Konzept wird dann bei den ein oder anderen Playbackauftritt doch ab absurdum geführt. Z.B. wenn Captain Hollywood, der in Wirklichkeit gar nicht Captain mit Vornamen heißt und auch nicht in Hollywood sondern in Nürnberg seine Tanzkoreographien, die stark nach Schülerlotse auf Koks aussehen, einstudiert, auftritt, dann freut man sich heute schon wieder über jede neue Tokio Hotel–Single!

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Schon mal mit nem Bären gekämpft?

Dienstag, Oktober 03, 2006

Jay vs. Treppenhäuser

(Soundtrack: Beatsteaks – Hand in Hand)

Die Treppenhäuser und ich – wir werden wohl nie unseren Frieden untereinander finden. Seitdem ich studiere habe ich schon so viele Treppenhäuser gesehen und nicht selten konnte man von ihnen auf die neuen Nutzer/ Bewohner schließen. Da Studenten meist noch nicht sooo festgelegt auf ihre ersten Butzen sind, ziehen sie doch noch des Öfteren um, bringen zwar meist noch keinen ganzen Haushalt mit, da sie zumeist nur ein Zimmer bewohnen, aber tragen doch eine Menge Gepäck mit sich rum. So war das Jaychen doch schon bei dem einen oder anderen Umzug dabei und hat den Rücken krumm gemacht. Die Gründe für die bisherigen Umzüge sind dabei mannigfaltig: Mit dem Partner Zusammenziehen/ Auseinanderziehen, Studiumsbeginn, Studiumswechsel, Streit mit dem Mitbewohner, etc. PP.

Nicht nur, dass man sich als waschechter Kumpel die mitmenschlichen Probleme sowohl anhören, als auch mit ertragen muss – Nein, man muss auch noch seine Bandscheibe beanspruchen…. So hab ich schon alle Treppenformen gesehen: Steile Treppen, hohe Treppen, tiefe Treppen, morsche Treppen, Linoleumtreppen mit kleinen Warnschildchen „Rutschgefahr, frisch gebohnert!“ (die allerdings bestimmt seit Jahrzehnten kein Wachs mehr zu Gesicht bekommen haben) und Treppen auf die man nichts abstellen darf, weil das ja den Boden zerkratzt. Mal trägt man für Jungs einen einzigen Karton Klamotten, mit zwei Lieblingsjeans, 3 Paar Socken, 5 Shirts und 4 Boxershorts hoch, ein anderes Mal für ein Mädel alleine einen Karton mit „Scharzen Pumps, die man für Bälle anziehen kann“ (alle anderen Schuhsorten exklusive). Manchmal denkt man im Schweiße des Angesichts nicht mehr drüber nach, während man ein anderes Mal fast erschrocken den Karton fallen lassen will, weil man gerade die Eddingaufschrift „Lebende Tiere“ gelesen hat.

Aber man lernt doch eine Menge über Menschen. Sag mir, was du in deinen Umzugswagen packst und ich sag dir, wer du bist!