Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, September 05, 2006

Von Autos, Filmen und Friseusen

(Soundtrack: Deichkind - Rauf und wieder runter)

Wie ihr wisst, gehe ich meistens nicht gerne zum Frisör. Über die Gründe könnte ich jetzt zeilenlang schwafeln oder ich verlinke hier einfach ältere Beiträge:


Le Frisur
Weisheiten einer Friseurin
Sie nannte es "Stylistin"

Kurz: Ich bin nicht gerade der einfachste Friseurkunde, wobei ich keine ausgefallenen Wünsche habe. Vor allem bin ich aber, trotz
Stern-Abo, kein Meister des Klatsch- und Tratsch, was mich zu einem schwierigen Gesprächspartner macht. Das merkte die Friseurin gestern auch schnell und dachte sich wohl, dass das Thema Kino selbst bei Mundmuffeln wie mir eine sichere Wahl wäre. So fing sie nach kurzen plausch an, in den höchsten Tönen von den beiden Vin Diesel-Filmen "xXx" sowie "Extreme Rage" zu schwärmen. "Ich habe jetzt am Wochenende zum x-ten Mal "xXx" gesehen. Ich kenn jede Szene Auswendig, aber immer wieder geil der Film.", meinte sie. Und überhaupt sei sie absoluter Vin Diesel- und Autofilm-Fan. Sie hätte gerade die beiden ersten "The fast and the furious"- Episoden auf DVD bekommen (Der zweite war bei mir dir erste Film, den ich auch für Umsonst einfach nicht zuende gucken konnte). Aber der Dritte wäre der beste gewesen, weils da ja um "Driftraces" geht und in Tokio spielt. - Ah ja, Ok, dachte ich. Da spiele ich lieber 90 min "Need for Speed Underground" und muss mir nicht dieses Posergehabe auf der Leinwand angucken. Wenn ich Poser haben will, fahre ich nach Hause nach Fishtown auf den Parkplatz der Grimmershörnbucht und schaue mir da ständig im Kreis fahrende Proleten an. "The Fast and the furious - Grimmershörnbucht-Drift"

Da sie aber die Schere in der Hand hält, ich sie für psychisch labil halte und ich im Notfall meine Hände wahrscheinlich nicht schnell genug unter den Kittel heraus bekommen würde, pflichte ich ihr bei und lass sie weiter schwärmen: Den Dritten hätte sie im Kino gesehen. Der Saal wäre voll mit Bekannten von ihr gewesen, die entweder bei Markant, Real oder an Tankstellen arbeiten und selber Autos tunen. "Am Ende haben alle geklatscht.", schwärmte sie mit glänzenden Augen, während sie mir meine Koteletten stutzte. Als sie das Fragezeichen in meinem Gesicht bemerkte, fügte sie geheimnisvoll hinzu: "Hat etwas mit den ersten Teilen zu tun." - Ah, verstehe.

Überhaupt gäbe es viel zu wenige Autofilme. "
Nur noch 60 Sekunden" wäre noch toll, denn da klauen die Autos. - Porsches und so... - Gut, den Film hab ich noch nicht gesehen, aber mit Nicolas Cage konnte ich was Anfangen und unterbrach an dieser Stelle ihren Monolog. "Lord of War" soll gut sein, meinte ich. "Worum gehts da?", wollte sie wissen. "Cage spielt einen zynischen Waffenhändler. Der Film hat also eine gewisse politische Brisanz..." Spätestens als an diesen Punkt nicht das Wort "Autos" sondern "politische" fiel und auch kein glatzköpfiges Testosteronmonster mitspielte, schaltete sie sichtbar auf durchzug. Das nächste Mal nehm ich meinen iPod mit!

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