Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, September 30, 2006

Schlechter Trip

(Soundtrack: Jamiroquai – Travellin Without movin)

Zug fahren und Restalkohol passen irgendwie nicht zusammen, stelle ich gerade wieder fest. Gerade an solchen Tagen, habe ich das Talent, mir Zielsicher den lautesten, vollsten und miefigsten Wagon auszusuchen, der zu 80%iger Wahrscheinlichkeit mit lärmenden, ADS- geplagten bis grenzdebilen Schülern auf Red Bull gefüllt ist. Auch heute ist so ein Tag. Auf dem Platz an der Tür parkt ein ganz besonders nerviges, spät pubertierendes Exemplar seinen Baggypantsarsch. D.h. sehen kann ich eigentlich meistens nur seinen Vakuumschoner, den er wohl eher als Cap definieren würde, wild hin- und herzappeln, dass ich mich leicht an Kasperletheater erinnert fühle. Was sich optischer Weise meiner Aufmerksamkeit entzieht, gleicht er gekonnt durch akustische Präsens wieder aus. Denn an jeden Bahnhof lässt er es sich nicht nehmen lautstark, unter lauten Gekicher seiner minder geistig geforderten Mitreisenden, die Leute mit verbalen Höchstleistungen wie „Deine Mudder kriegt beim Kacken ne Ladde!!“, zu beglücken. Meine Kopfschmerzen werden dadurch nicht geringer und auch meine bereits latent vorhandene Übelkeit wächst.

Ich fühle mich, wie im Safaribus des Serengeti Parks, nur das hier die Affen nicht draußen am Busspiegel hängen, sondern bei mir drin sitzen. So bin ich schon darüber dankbar, dass er es bis zum Umsteigen in Hamburg mit der Schimpansenimitation nicht 100%ig ernst nimmt und weder mit seiner Kacka wirft, noch an seinen Genitalien spielt. Endlich umgestiegen, kommt in mir eine leichte Erleichterung auf. Doch als die Übelkeit gerade nachlassen will, enthüllt sich vor mir ein weiteres Schreckensszenario. Aus dem Zugfenster blickend erspähe ich eine Gestalt mit weißen, langen Haaren, die mit mechanisch wirkenden Schritten ihren Gehwagens über den Bahnsteig schiebt. Als ich von diesen „Duracell-Hasen“- Laufstil verwirrt nach ihren Aufziehschlüssel am Rücken suche, fällt mir auf, dass ihre Hose ein bisschen ausgewaschen wirkt… - Mit einem Schlag war meine Übelkeit wieder präsenter denn ja, denn gute schien gefallen an den Klamottenstil ihrer Enkelin gefunden zu haben und hat sich für einen Minirock entscheiden, der zwar farblich prima zum karogemusterten Gehwagenbezug bzw. ihren Flip-Flops passt, aber nicht gerade zum Kaschieren ihrer dicken, bleichen, aufgequollenen Beine , die jede Wasserleiche neidisch machen würden, geeignet ist. „Gott, mach dass sich der Boden unter mir auftut und mich verschluckt!“, denk ich mir als ich profilaktisch schon mal das Klo aufsuche.

1 Comments:

Anonymous Robby said...

Du liebst das Zug fahren genau so sehr wie ich! Nein ehrlich. Gerade mit ein wenig Restalk im Kopf hätten mir all diese Szenerien einen wahnsinnigen Spaß gemacht. Wie schade, dass ich nicht dabei war, lach!

01 Oktober, 2006 20:37

 

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