Seelen- und Hirnexhibitionismus

Montag, August 28, 2006

Miami Vice im Kino oder: Undercover Cop sein ist ein Knochenjob

(Soundtrack: Propellerheads feat. Shirley Bassey – History Repeating)

Die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt werden immer höher. Beim Arbeitseinstieg bitte nicht über 25 Jahre alt sein, aber auch mindestens 3 Jahre Berufserfahrung mitbringen und ein Studium soll auch schon abgeschlossen sein. So muss es auch den beiden Detectives in Michael Manns Neuverfilmung der 80er Kultserie Miami Vice bei der Bewerbung beim Miami Police Department gegangen sein. Denn Rico Tubbs und Sonny Crocket können nicht nur cool aus der Wäsche gucken, sondern steuern Powerboote, Rennwagen und Containerfrachter, fliegen Flugzeuge so genial, dass sie auf dem Radar unsichtbar werden (würde Detective Tubbs Pilotenausbilder werden, könnte Lockheed die Produktion ihrer Stealthfighter einstellen), haben spezielle Nahkampf- sowie Sondereinsatz- Kommando- Erfahrungen sprechen mindestens 3 Sprachen in ca. 5 Dialekten, können die Gedanken von Verbrechern Lesen wie Schulkinder Lustige Taschenbücher, sind nebenbei Dressmen und Werbeikonen für Sündhaftteure Rolex- und Armaniuhren sowie Nokiahandys (die sich übrigens hervorragend zur Spionage von Zuhältern eignen), die bei jeder Gelegenheit in die Kamera gehalten werden und haben mindestens 3 Jahre das Kamasutra und das Tantra auswendig gelernt um ihren nymphomanischen Babes multiple Orgasmen zu bescheren.

Als währe das nicht genug verfügen sie über weitere Potenzsteigerungsobjekte wie Designersakkos (im Gegensatz zum 80er Original immerhin nicht mehr die eklig cremefarbenen Sakkos in Kombination mit Hawaiihemden), Dicke Wummen zum Bösewichter blutreich ins Jenseits zu perforieren und drogenfinanzierte Luxusvillen eine rote Tapete zu bescheren. Doch die Gangster einfach umzunieten wäre nicht genug. Nein, Sonny muss noch den Drogenbaron die Alte ausspannen. Was für Kerle!! Dass auf Crocket’s Powerboot dann auch noch „Mojo“ steht, fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht. Zwei Superstecher, deren Polizeiabteilung scheinbar das Etat hat um Locker mit dem des Antiterrorprogramm der Bushregierung gleichziehen kann. Gut, das war ja bei der Serie auch schon so. Zur Authenzität des Remakes gehört dann auch die richtige Schauspielerwahl. Die Original Schauspieler Don „Drei- Tage Bart“ Johnson und Phillip Michael Thomas konnte man in den 80igern wohl schon als coole Säue und Sexsymbole bezeichnen. Aber so oberflächlich die beiden Seriencharakter auch wahren, reicht es dann eigentlich schon, dass beide Charakter gut aussehen, Sonny muss weiß und blond sein und eben den Drei-Tage Bart haben, während der Rico Darsteller eigentlich nur schwarz sein muss. Beides erfüllen Colin Ferrel (wurde schon als Alexander der Große- Darsteller mehr oder weniger erfolgreich blond gefärbt) und Jamie Foxx (spielte schon im wesentlich besseren Michael Mann Thriller „Collateral“ mit) mit bravur.

Sehr viel mehr braucht man zum Film eigentlich nicht sagen. Die beiden Potenzprotze gucken, ermitteln, fahren, vögeln, ballern, zugegebenermaßen audiovisuell sehr gut von Mann in Szene gesetzt, in der Gegend herum, wobei die Frisuren und das Styling einfach immer gut sitzen. Trotz des unglaubwürdigen Storysettings will der neue „Miami Vice“ im Gegensatz zu anderen Remakes wie „Starsky und Hutch“ ein ernsthafter Thriller wie „Heat“ (ebenfalls Regie Michael Mann) zu sein. Der Film lebt dabei von dem variierenden Erzähltempo, schönen Bildern, schönen Darstellern, klaren Feindbildern (die Gegner sind natürlich Nazis sowie arabische Pusher) und einer gehörigen Portion Brutalität und Testosteron. Ich glaub ich werde auch Undercover Cop. – In ca. 20 Jahren nach der Piloten- und Kaptitäns- sowie Astronautenausbildung, Fremdsprachendiplom etc. Dann mach ich auch die Frauen klar! Bis dahin bleib ich beim Bloggen und gucke vorerst keine Remakes mehr.

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