Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, Juli 25, 2006

Urlaubslektüre

(Soundtrack: Bush – Letting the cables sleep)

Falls sich jemand wundern sollte über fehlenden Content oder meine Abwesenheit in den Kommentaren auf den Blogs meiner Blogroll… - Ich habe Urlaub, bin jetzt noch zu Hause und poste mit Mamas lächerlichen 56 K – Modem. Ab morgen gehe ich segeln, was heißt, dass ich dann eine Woche völlig PC- abstinent bin. Ist aber halb so wild, denn das gibt unter anderem mal wieder die Gelegenheit, die wohlgenährte Plauze mal wieder in die Sonne zu legen und das ein oder andere Buch zu schmökern. Welche das sind, werde ich hier mal kurz vorstellen:

Den Anfang macht Tommy Jaud, seines Zeichens Ex-Gagschreiber für Anke Engelke und Konsorten. Mit „Vollidiot“ legt er ein angenehm leicht zu konsumierendes Büchlein hin, dass sich wie schon Benjamin von Stuckrad BarresSoloalbum“ locker ohne geistigen Anspruch aber mit vielen Lachern durchschmökern lässt. Der Vergleich kommt nicht von Ungefähr, denn Joad’s Held, der Endzwanziger Dauersingle und T-Punkt-Angestellte Simon, erzählt ebenfalls aus der Ich-Perspektive. Erzählt werden lustige, fiktive Lebensepisoden, die viel Wiedererkennungswert besitzen. Dabei ist eine Handlung und eine Charakterentwicklung kaum erkennbar (bis auf, dass der Held am Ende merkt, dass er ein Vollidiot ist). Viel amüsanter ist, was in seinem Kopf vorgeht (ein bisschen wie ein Weblog also): Warum gibt es bei Ikea für die gefrusteten Singles neben den einkaufenden Pärchen nicht den Strick Häängän und warum müssen Dokumentationen über Brasilien auf Teufel komm raus immer Samba Hintern beinhalten? Was kann es aussagen, wenn man in einem Schwulenfitnessclub ein Benjamin Blümchen Handtuch trägt oder wie viel Bonusmeilen muss man fliegen um die Stewardess zu Vögeln?

Ein guter Urlaubseinstieg zum Gehirn ab- und Lachmuskeln anschalten also. Etwas anspruchsvoller geht’s bei Nick Hornby’sA long way down“ zu. Wie schon in Hornby’s „About a boy“ verbindet er tragisches mit komischen. Es geht um eine Zufallsbegegnung von 4 Menschen: Martin ein ehemaliger Fernsehmoderator, der durch einen Sexskandal Karriere, Ehefrau und Ansehen verlor, Maureen, Mutter eines schwer behinderten und pflegebedürftigen Kindes (Hornby selbst hat ein behindertes Kind), die den Druck nicht mehr standhält, Jess, eine 18 Jährige, die scheinbar erklärungslos von ihrem Freund verlassen wird und JJ, ein amerikanischer Rockstar, dessen Karriere schon nach 2 Alben am Ende ist und sich all Pizzalieferant über Wasser halten muss. Wenn dann noch der zufällige Treffpunkt das Dach eines Hochhauses und das Ziel der Sprung in den Tod ist, können wir bei dieser Personenkonstellation abstruse bis tragikomische Situationen erwarten. Die Wahl der Protagonisten bringt nicht nur Dynamik in die Handlung, sondern auch in die Sprache (so man es denn im englischen Original liest). Denn Hornby erzählt die Geschichte abwechselnd aus den Blickwinkeln der einzelnen Charaktere, die jeweils die Selbstmordmotive der Anderen hinterfragen und somit eine morbid komische Gemeinschaft bilden. Eine Verfilmung des Stoffes, scheint nur eine Frage der Zeit.

Als letzten Schmöker habe ich mir dann etwas Nichtfiktionales Ausgesucht. Als selbsternannter Hobbypsychologe, Frauenversteher und Psychosenträger hab ich mir „Deutschland auf der Coach“ von Stephan Grünewald ausgeguckt. Aus etwa 2000 Tiefengesprächen versucht der Psychologe Erklärungen für den psychisch desolaten Zustand vieler Deutscher zu finden. Scheinbar spielend werden Begriffe wie „coole Gleichgültigkeit“ zur Beschreibung des Gemütszustandes der heutigen Jugend herangezogen und die sich gehetzt fühlende aber auf der scheinbar auf der Stelle tretende Nation mit einem Hamster im Laufrad verglichen. Erschreckender Weise, fühle ich mich (wie wahrscheinlich viele andere) bereits jetzt an vielen Stellen des Buches ertappt. Wie heißt es so schön: „You have to know your enemy, before you kill him!“

2 Comments:

Anonymous Lu said...

die plautze nehm ich dir nicht an.
aber ansonsten: feine entspannung, jens-marco :)

30 Juli, 2006 21:06

 
Anonymous tino said...

jens marco? ist das der zweitname?

und ich wette bei all dem segeln und feiern schaffste keines der drei bücher

wann biste denn wieder in der stadt?

31 Juli, 2006 23:04

 

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