Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Juli 15, 2006

MP3-Player- Genozid

(Soundtrack: Die Ärzte – Meine (Ex-) plodierte Freundin)

Ich liebe ja Musik und muss sie auch überall und zu jeder Zeit hören. Deshalb habe ich in den letzten zwei Jahren auch schon den einen oder anderen Mp3-Player probiert. Aber alt geworden sind sie unter meiner Obhut nicht. Gut, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne, aber irgendwie hab ich kein Händchen für die Dinger. Bei Pflanzen spricht man vom Grünen Daumen (den ich auch nicht besitze), aber wie sagt man bei den kleinen Dudelkisten?

Egal. Der erste war ein noch so ein kleiner Flash-Player, dessen lächerlicher 128 MB- Speicher. in Anbetracht dessen wie lange man brauchte um den Speicher voll zu kriegen, wieder verdammt groß wirkte. Er bot mir fast ein ganzes Jahr tapfer den Dienst, bis er mir runter fiel und seit dem ein deutliches Knacken beim Spielen abgab und einen Wackelkontakt vorwies.

Als nächstes trat ein I-Pod Mini seinen Dienst bei mir an, womit sein baldiger Untergang schon fast besiegelt war. Wie stolz war ich auf diesen kleinen Silberling! Er begleitete mich überall hin, auf der Strasse war ich fortan nicht mehr ansprechbar, stellte somit eine Gefahr für den Verkehr dar und nervte auf jeder anstehenden Party die anwesenden Gäste mit meinen abgespeicherten Playlists. Meist suchten die vom Gitarrengeschrammel generften Gäste solange die Quelle des Lärms auf dem als Jukebox fungierenden Schlepptop, bis sie sich in ihr Schicksal ergaben.

Doch irgendwann ging es dem kleinen Mini nicht mehr gut. Er wirkte irgendwie blass, ihm ging schnell die Luft aus und er schleif nicht mehr so gut wie früher. D.h. der Akku ließ sich scheinbar nur noch bis zu einem Zehntel aufladen und war dementsprechend selbst nach ein paar stunden Standby-Zeit schon wieder ausgelutscht. Ich dachte schon einige Wochen daran meinen kleinen Sprössling (schweren Herzens) einzuschicken. Doch „Das kleine I“, wie ich ihn liebevoll nannte, hatte scheinbar seinen Willen zum Leben verloren, denn er stürzte sich eines Tages aus meiner Jackentasche in den Freitod (die Mensatoilette). Ein kurzes Aufleuchten seines Displays unter Wasser markierte sein letztes Lebenszeichen. Mit der Hoffnung ihn noch retten zu können, zog ich ihn aus den Fluten, brachte ich nach Hause und legte ihn auf die Fensterbank zum Trocknen.

Doch er sollte nicht mehr aufwachen. Es dauerte eine Weile, bis ich dieses Trauma verarbeitet hatte und ich mich wieder bereit für ein neues „Kind“ fühlte. Im Wissen, dass auch dieser evtl. bei mir ein frühzeitiges Ende finden könnte, war ich diesmal genügsamer und bestellte mir einen Archos Gmini 100 XS, den ich sofort nach der Lieferung per USB-Kabel zum Laden anschloss. Nach der, von der Anleitung angegebenen, Erstladezeit von 6 Stunden zog ich ihn vom Kabel um ihn einzustellen, doch das Bild flackerte nach jedem Einschalten nur kurz, zeigte den Startbildschirm, um dann kläglich wieder grau zu werden. Lastete etwa ein Fluch auf mir? Hatte der kleine Blaue etwa vom Schicksal seiner Vorgänger erfahren und stellte sich jetzt tot um Schlimmeres zu vermeiden?

In größter Sorge um das Neugeborene rief ich die Hotline der scheinbar in Spanien ansässigen Firma Archos an. Der deutsch sprechende Kundendienstmitarbeiter mit dem spanischen Akzent verwies mich nach meinen Schilderungen auf das zweiwöchige Rückgaberecht bei Amazon und riet mir lediglich den Player noch länger aufzuladen. Erst jetzt kam ich auf die Idee mir die ausführliche Bedienungsanleitung von der Festplatte des Players zu ziehen, die davon abriet das Ladekabel über einen USB-Hub zu betreiben. Das war es, was auch schon „das kleine I“ dahingerafft hatte. Er war schlichtweg verdurstet, wie ein Gehirnfresserparasit an Sonja Kraus. Jetzt leistet mir der kleine Blaue gute Dienste und wird sich hoffentlich nicht in den Tod stürzen.

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