Seelen- und Hirnexhibitionismus

Donnerstag, Juli 20, 2006

Mensa Catwalk

(Soundtrack: Zebrahead – Playmate of the year)

Es ist einer der letzten Tage des Semesters. Der Abgabetermin der Hausarbeit drückt, die letzten Klausuren werfen ihre Schatten voraus und doch gönne ich mir eine halbe Stunde mit meinen Buch auf der Wiese vor der Mensa. Da ich ja mein Buch lese, sehe ich natürlich nicht wie ein elfenähnliches Geschöpf nach dem anderen die aktuelle Sommerkollektion präsentiert. Ich sehe weder die weißen, halb durchsichtigen Stoffhosen, noch die kurzen Röcke, weder die kurzen noch die eng anliegenden Tops, höre weder das leichte „flap, flap“ der vorbeimarschierenden Flip Flop- Trägerinnen noch das Stakkato- mäßige Klacken der offenen High-Heels, denn ich lese ja mein Buch. Ich mache mir auch keine Gedanken darüber, ob der natürlich ganz unabsichtlich herauslugende Tanga jetzt eine Provokation an Männer wie mich ist, oder doch eher eine Verhöhnung die sagen will: „Ja, schau gut hin! Näher wirst du mir nicht kommen!“ Denn Gott sei Dank lese ich mein Buch, was meinen Verstand genug in Anspruch nimmt.

Dabei machen sich geschätzte 80% der Ladies nicht mal die Mühe, ihren Cat Walk als Weg zum nächsten Seminar oder Vorlesung durch eine übergehängte Tasche mit Uni-Unterlagen zu tarnen. Das einzige was spazieren getragen wird, ist ein Eis Cafe Latte, der durch einen Strohhalm konsumiert wird. Manche von ihnen glaube ich auch zweimal vorbeilaufen zu sehen. Bin mir nicht sicher, aber ich glaube auch umgezogen. Dann schaue ich doch von Buch auf in der Erwartung, dass ein schwarzer, leicht tuckig anmutender Laufstegcoach irgendwo hinter einem Baum steht um den Babes Anweisungen zu geben wie: „Jaaa, du bist sooo sexy baby. Geb mir mehr drrrama!“ Dabei trifft mein Blick zufällig die Augen einer Dunkelhaarigen, deren Teint der Farbe ihres Milchkaffees in nichts nachsteht. Rechtzeitig, vor überschreiten der magischen 2 Sekunden, fällt mir mein Buch wieder ein, vertiefe meinen Blick in selbiges und hoffe das bald auf den nächsten 3 Seiten eine Szene mit Heide Simonis an einem kalten Tag kommt.

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