Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, Juli 25, 2006

Urlaubslektüre

(Soundtrack: Bush – Letting the cables sleep)

Falls sich jemand wundern sollte über fehlenden Content oder meine Abwesenheit in den Kommentaren auf den Blogs meiner Blogroll… - Ich habe Urlaub, bin jetzt noch zu Hause und poste mit Mamas lächerlichen 56 K – Modem. Ab morgen gehe ich segeln, was heißt, dass ich dann eine Woche völlig PC- abstinent bin. Ist aber halb so wild, denn das gibt unter anderem mal wieder die Gelegenheit, die wohlgenährte Plauze mal wieder in die Sonne zu legen und das ein oder andere Buch zu schmökern. Welche das sind, werde ich hier mal kurz vorstellen:

Den Anfang macht Tommy Jaud, seines Zeichens Ex-Gagschreiber für Anke Engelke und Konsorten. Mit „Vollidiot“ legt er ein angenehm leicht zu konsumierendes Büchlein hin, dass sich wie schon Benjamin von Stuckrad BarresSoloalbum“ locker ohne geistigen Anspruch aber mit vielen Lachern durchschmökern lässt. Der Vergleich kommt nicht von Ungefähr, denn Joad’s Held, der Endzwanziger Dauersingle und T-Punkt-Angestellte Simon, erzählt ebenfalls aus der Ich-Perspektive. Erzählt werden lustige, fiktive Lebensepisoden, die viel Wiedererkennungswert besitzen. Dabei ist eine Handlung und eine Charakterentwicklung kaum erkennbar (bis auf, dass der Held am Ende merkt, dass er ein Vollidiot ist). Viel amüsanter ist, was in seinem Kopf vorgeht (ein bisschen wie ein Weblog also): Warum gibt es bei Ikea für die gefrusteten Singles neben den einkaufenden Pärchen nicht den Strick Häängän und warum müssen Dokumentationen über Brasilien auf Teufel komm raus immer Samba Hintern beinhalten? Was kann es aussagen, wenn man in einem Schwulenfitnessclub ein Benjamin Blümchen Handtuch trägt oder wie viel Bonusmeilen muss man fliegen um die Stewardess zu Vögeln?

Ein guter Urlaubseinstieg zum Gehirn ab- und Lachmuskeln anschalten also. Etwas anspruchsvoller geht’s bei Nick Hornby’sA long way down“ zu. Wie schon in Hornby’s „About a boy“ verbindet er tragisches mit komischen. Es geht um eine Zufallsbegegnung von 4 Menschen: Martin ein ehemaliger Fernsehmoderator, der durch einen Sexskandal Karriere, Ehefrau und Ansehen verlor, Maureen, Mutter eines schwer behinderten und pflegebedürftigen Kindes (Hornby selbst hat ein behindertes Kind), die den Druck nicht mehr standhält, Jess, eine 18 Jährige, die scheinbar erklärungslos von ihrem Freund verlassen wird und JJ, ein amerikanischer Rockstar, dessen Karriere schon nach 2 Alben am Ende ist und sich all Pizzalieferant über Wasser halten muss. Wenn dann noch der zufällige Treffpunkt das Dach eines Hochhauses und das Ziel der Sprung in den Tod ist, können wir bei dieser Personenkonstellation abstruse bis tragikomische Situationen erwarten. Die Wahl der Protagonisten bringt nicht nur Dynamik in die Handlung, sondern auch in die Sprache (so man es denn im englischen Original liest). Denn Hornby erzählt die Geschichte abwechselnd aus den Blickwinkeln der einzelnen Charaktere, die jeweils die Selbstmordmotive der Anderen hinterfragen und somit eine morbid komische Gemeinschaft bilden. Eine Verfilmung des Stoffes, scheint nur eine Frage der Zeit.

Als letzten Schmöker habe ich mir dann etwas Nichtfiktionales Ausgesucht. Als selbsternannter Hobbypsychologe, Frauenversteher und Psychosenträger hab ich mir „Deutschland auf der Coach“ von Stephan Grünewald ausgeguckt. Aus etwa 2000 Tiefengesprächen versucht der Psychologe Erklärungen für den psychisch desolaten Zustand vieler Deutscher zu finden. Scheinbar spielend werden Begriffe wie „coole Gleichgültigkeit“ zur Beschreibung des Gemütszustandes der heutigen Jugend herangezogen und die sich gehetzt fühlende aber auf der scheinbar auf der Stelle tretende Nation mit einem Hamster im Laufrad verglichen. Erschreckender Weise, fühle ich mich (wie wahrscheinlich viele andere) bereits jetzt an vielen Stellen des Buches ertappt. Wie heißt es so schön: „You have to know your enemy, before you kill him!“

Sonntag, Juli 23, 2006

Ich hab Urlaub

Das ist ja auch bequem! Seid ich You Tube für mich entdeckt habe, ist die Versuchung groß, sich großzügig zu bedienen. Werde das demnächst wieder ein bisschen drosseln. Aber das Semester ist zu Ende und ich hab Urlaub. Da könnt ihr euch mit dieser Hervorragenden LOTR-Persiflage unterhalten!

Donnerstag, Juli 20, 2006

Mensa Catwalk

(Soundtrack: Zebrahead – Playmate of the year)

Es ist einer der letzten Tage des Semesters. Der Abgabetermin der Hausarbeit drückt, die letzten Klausuren werfen ihre Schatten voraus und doch gönne ich mir eine halbe Stunde mit meinen Buch auf der Wiese vor der Mensa. Da ich ja mein Buch lese, sehe ich natürlich nicht wie ein elfenähnliches Geschöpf nach dem anderen die aktuelle Sommerkollektion präsentiert. Ich sehe weder die weißen, halb durchsichtigen Stoffhosen, noch die kurzen Röcke, weder die kurzen noch die eng anliegenden Tops, höre weder das leichte „flap, flap“ der vorbeimarschierenden Flip Flop- Trägerinnen noch das Stakkato- mäßige Klacken der offenen High-Heels, denn ich lese ja mein Buch. Ich mache mir auch keine Gedanken darüber, ob der natürlich ganz unabsichtlich herauslugende Tanga jetzt eine Provokation an Männer wie mich ist, oder doch eher eine Verhöhnung die sagen will: „Ja, schau gut hin! Näher wirst du mir nicht kommen!“ Denn Gott sei Dank lese ich mein Buch, was meinen Verstand genug in Anspruch nimmt.

Dabei machen sich geschätzte 80% der Ladies nicht mal die Mühe, ihren Cat Walk als Weg zum nächsten Seminar oder Vorlesung durch eine übergehängte Tasche mit Uni-Unterlagen zu tarnen. Das einzige was spazieren getragen wird, ist ein Eis Cafe Latte, der durch einen Strohhalm konsumiert wird. Manche von ihnen glaube ich auch zweimal vorbeilaufen zu sehen. Bin mir nicht sicher, aber ich glaube auch umgezogen. Dann schaue ich doch von Buch auf in der Erwartung, dass ein schwarzer, leicht tuckig anmutender Laufstegcoach irgendwo hinter einem Baum steht um den Babes Anweisungen zu geben wie: „Jaaa, du bist sooo sexy baby. Geb mir mehr drrrama!“ Dabei trifft mein Blick zufällig die Augen einer Dunkelhaarigen, deren Teint der Farbe ihres Milchkaffees in nichts nachsteht. Rechtzeitig, vor überschreiten der magischen 2 Sekunden, fällt mir mein Buch wieder ein, vertiefe meinen Blick in selbiges und hoffe das bald auf den nächsten 3 Seiten eine Szene mit Heide Simonis an einem kalten Tag kommt.

Dienstag, Juli 18, 2006

David is Back


Ich kann mich noch erinnern, als wär es Gestern gewesen: Jay im zarten Alter von 8 Jahren steht vor dem TV-Gerät und performt sein eigene, erste Karaoke Show zu "I've been looking for freedom" von eben diesem "Ausnahmekünstler". Hätte ja gedacht, dass seit seinem grandiosen Auftritt im Spongebob-Film nichts mehr kommt. - Weit gefehlt.

Vielleicht bringen demnächst ja auch noch Hans Meiser, Harry Weynfort und Wencke Myrrhe ein Comeback!

Montag, Juli 17, 2006

Die Stimme des Hollywoodfilmtrailersprechers

(Soundtrack: Panic at the disco! – The only difference between martyrdom and suicide is press coverage.)

Ich würde ja gerne mal wissen, was das für ein Typ ist, der jeden Hollywoodstreifen von noch so fundamentaler Bedeutungslosigkeit in Kinotrailern mit Worte wie „Vom Regisseur von… kommt jetzt eine neue *Schieß-mich-tot*- Produktion….“, mit einer Stimme, die ich nur nach besonders zerzechten Nächten imitieren könnte, so privat macht. Haben sich diese Sätze so in seinen Schädel gefreeßt, dass er auch beim Supermarkteinkauf erbärmlich vor sich herstammelt „Von den Machern der Fischstäbchen kommen jetzt Mozzinis!“?

Überhaupt, was sagt das denn über die Qualität oder Zielgruppe eines Films aus? Weil ich E.T. ganz niedlich bis putzig fand, würde ich Schindlers Liste oder Amistad auch so beschreiben, nur weil sie alle von Herrn Spielberg sind? Mochte ich Terminator II – Judgement Day, weil er mich wie Titanic zu tränen gerührt hat? – Wohl kaum! Oh halt eine Parallele gibst da wirklich: Sowohl Leo als auch Arni gehen am Ende unter. – Gut, Arni in einer Metallschmelze und Leo im kalten Eiswasser. - Aber wer wird da kleinlich sein. Leo ist doch schon heiß genug oder was Mädels? Der braucht keinen Schmelzofen mehr. Also doch sehr ähnlich die beiden James Cameron Filme.

Auch aktuell bei der Neuverfilmung von „Untergang der Poseidon“ prangt es: „Vom Regisseur von Troja und Der Sturm.“ Also wenn mich jemand fragt, wie ich den Film fand, kann ich sagen: „Also ich hab ihn nicht gesehen. Aber der ist wohl so wie Der Sturm. Die Welle ist vom gleichen Computer programmiert, nur kommt sie hier zu Anfang des Films und nicht am Ende und das Untergehen dauert länger.“ – „Achso, alles klar. Mehr wollte ich nicht wissen.“, würde mein Gegenüber sagen.

Ich warte ja noch auf den Trailer der so wie folgender lautet: „Von den Machern von Die Bären Brüder kommt jetzt Hostel II“, oder doch besser umgekehrt?

Samstag, Juli 15, 2006

MP3-Player- Genozid

(Soundtrack: Die Ärzte – Meine (Ex-) plodierte Freundin)

Ich liebe ja Musik und muss sie auch überall und zu jeder Zeit hören. Deshalb habe ich in den letzten zwei Jahren auch schon den einen oder anderen Mp3-Player probiert. Aber alt geworden sind sie unter meiner Obhut nicht. Gut, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne, aber irgendwie hab ich kein Händchen für die Dinger. Bei Pflanzen spricht man vom Grünen Daumen (den ich auch nicht besitze), aber wie sagt man bei den kleinen Dudelkisten?

Egal. Der erste war ein noch so ein kleiner Flash-Player, dessen lächerlicher 128 MB- Speicher. in Anbetracht dessen wie lange man brauchte um den Speicher voll zu kriegen, wieder verdammt groß wirkte. Er bot mir fast ein ganzes Jahr tapfer den Dienst, bis er mir runter fiel und seit dem ein deutliches Knacken beim Spielen abgab und einen Wackelkontakt vorwies.

Als nächstes trat ein I-Pod Mini seinen Dienst bei mir an, womit sein baldiger Untergang schon fast besiegelt war. Wie stolz war ich auf diesen kleinen Silberling! Er begleitete mich überall hin, auf der Strasse war ich fortan nicht mehr ansprechbar, stellte somit eine Gefahr für den Verkehr dar und nervte auf jeder anstehenden Party die anwesenden Gäste mit meinen abgespeicherten Playlists. Meist suchten die vom Gitarrengeschrammel generften Gäste solange die Quelle des Lärms auf dem als Jukebox fungierenden Schlepptop, bis sie sich in ihr Schicksal ergaben.

Doch irgendwann ging es dem kleinen Mini nicht mehr gut. Er wirkte irgendwie blass, ihm ging schnell die Luft aus und er schleif nicht mehr so gut wie früher. D.h. der Akku ließ sich scheinbar nur noch bis zu einem Zehntel aufladen und war dementsprechend selbst nach ein paar stunden Standby-Zeit schon wieder ausgelutscht. Ich dachte schon einige Wochen daran meinen kleinen Sprössling (schweren Herzens) einzuschicken. Doch „Das kleine I“, wie ich ihn liebevoll nannte, hatte scheinbar seinen Willen zum Leben verloren, denn er stürzte sich eines Tages aus meiner Jackentasche in den Freitod (die Mensatoilette). Ein kurzes Aufleuchten seines Displays unter Wasser markierte sein letztes Lebenszeichen. Mit der Hoffnung ihn noch retten zu können, zog ich ihn aus den Fluten, brachte ich nach Hause und legte ihn auf die Fensterbank zum Trocknen.

Doch er sollte nicht mehr aufwachen. Es dauerte eine Weile, bis ich dieses Trauma verarbeitet hatte und ich mich wieder bereit für ein neues „Kind“ fühlte. Im Wissen, dass auch dieser evtl. bei mir ein frühzeitiges Ende finden könnte, war ich diesmal genügsamer und bestellte mir einen Archos Gmini 100 XS, den ich sofort nach der Lieferung per USB-Kabel zum Laden anschloss. Nach der, von der Anleitung angegebenen, Erstladezeit von 6 Stunden zog ich ihn vom Kabel um ihn einzustellen, doch das Bild flackerte nach jedem Einschalten nur kurz, zeigte den Startbildschirm, um dann kläglich wieder grau zu werden. Lastete etwa ein Fluch auf mir? Hatte der kleine Blaue etwa vom Schicksal seiner Vorgänger erfahren und stellte sich jetzt tot um Schlimmeres zu vermeiden?

In größter Sorge um das Neugeborene rief ich die Hotline der scheinbar in Spanien ansässigen Firma Archos an. Der deutsch sprechende Kundendienstmitarbeiter mit dem spanischen Akzent verwies mich nach meinen Schilderungen auf das zweiwöchige Rückgaberecht bei Amazon und riet mir lediglich den Player noch länger aufzuladen. Erst jetzt kam ich auf die Idee mir die ausführliche Bedienungsanleitung von der Festplatte des Players zu ziehen, die davon abriet das Ladekabel über einen USB-Hub zu betreiben. Das war es, was auch schon „das kleine I“ dahingerafft hatte. Er war schlichtweg verdurstet, wie ein Gehirnfresserparasit an Sonja Kraus. Jetzt leistet mir der kleine Blaue gute Dienste und wird sich hoffentlich nicht in den Tod stürzen.

Donnerstag, Juli 13, 2006

Sesamstrassen Rock



Wenn in der deutschen Sesamstrassen auch Rockacts wie die Goo Goo Dolls auftreten würden, dann wäre ich ganz schnell wieder Kind!

Dienstag, Juli 11, 2006

Meine Prominenten Verwandten

(Soundtrack: Cucumber Men - Ich kenn den Bruder, dessen Freundin, hat ne Schwester, dern Vater, früher mal sein Fussballtrainer war)

Im Internet gibst schon schönen Spielkram. Grade beim MC gesehen: my heritage.

Hier kann jeder locker, leger ein Pic von sich hochladen um Stars mit verwandschaftlichen Ähnlichkeiten rausgefiltert zu bekommen (ob männlich, ob weiblich). Ich fange mal mit den niedrigen, prozentualen Übereinstimmungen an, ums spannender zu machen. Da wollen wir doch mal sehen was da für Womanizer (die natürlich nicht an den original Jay heran kommen, ganz klar) dabei sind:

Platz 10: Das fängt ja gut an. Die flachbrüstige Carrie "Prinzessin Schnecke" Fisher (66%). Dann müsste doch auch Mark Hamill dabei sein oder nicht?

Platz 9: Nicht unbedingt besser: Der damals schwer depressive Komödiant Andy Kaufman, der in "Man on the Moon" von Jim Carrey gespielt wurde. Das macht ihn für mich auch nicht cooler! (67%)

Platz 8: Es geht aufwärts: Ryan Reynolds (u.a. "Blade Trinity", "Amity Ville Horror"). Aber noch nicht wirklich cool (68%).

Platz 7: Gleichauf mit Ryan: Paddel No. 1 in der Ringgefährten: Billy Boyd. So große Füße hab ich mal echt nicht.


Platz 6: Jake Gyllenhall ("Donnie Darco", "The day after tomorrow". Da kann ich mal mit leben. (68%)


Platz 5:
Keanu Reeves. Ich hab ihm immer noch nicht Matrix II + III verziehen. (68%)

Platz 4:
Ben Stiller. Sieht ja ein bisschen aus wie ein Totenkopfäffchen, aber gut. (70%)


Platz 3:
Christian Bale. Er war herrlich wahnsinnig in " American Psycho". Passt also zu mir! (71%)

Platz 2:
Ohne Worte: Demi Moore (71%)

Platz 1: Das ist jawohl die Höhe: Sportonanist Jason Biggs als König des "Jay-Look-a-like-Contest"? Ich glaub ich mach den Mist gleich nochmal mit nem neuen Photo!

Was mich am meisten wundert ist, dass dieser Herr nicht dabei war:






Montag, Juli 10, 2006

Traumdeutung bitte!

(Soundtrack: Linkin Park – Papercut)

Wundert ihr euch auch manchmal, was für einen Murks ihr euch zusammenträumt? Oder erinnert ihr euch gar nicht erst an sie, wenn ihr aufwacht? Also ich kann mich meist erst an die Träume erinnern, die ich kurz vor dem Aufwachen träume. So auch bei diesem hier:

Ich stehe (fragt mich nicht warum) zusammen mit Pierce Brosnan auf so einer Art Wachturm und wir plaudern. In der Nähe prangt ein Kinoplakat, eines neuen Bondstreifens, dessen Hauptdarsteller komischer Weise nicht der kantige, neue Daniel Craig ist, sondern eben Mr. „Schleimfrisur-Ich spiele nur im Anzug gut!“ Brosnan. Obwohl ich Sean Connery für den einzig wahren Bond halte, schmiere ich Brosnan Honig ums Maul, er wäre doch auch für die Fans der echte Bond. Dann passiert etwas komisches: Die Brosnan-Visage ähnelt plötzlich eher Al-Pacino, ist richtig grantelig auf mich, zieht zunächst sein 9mm-Pistole, schießt mir in den Bauch, ich wirbele theatralisch um 180 Grad herum und lehne röchelnd mit dem Bauch auf dem Turmgeländer. Pacino meint aber ich hätte noch nicht genug, zückt ein Messer, dass er mir unangenehmer Weise in den Rücken rammt, packt mich an den Füßen um mich über das Geländer zu schmeißen. Die Kamera bleibt auf Al Pacino gerichtet, es ist ein lautes Luftsausen zu hören, was wohl meinen scheinbar unendlichen Sturz markieren soll. Mit einer eleganten Drehung, wie sie John Woo nicht besser hätte inszenieren können, zückt Pacino eine Uzi und lehnt sich über das Geländer um meiner fallenden Wenigkeit noch ein Paar Feuerstöße nachzugeben….

Ich denke noch „Wow, cooler Move!“ als ich verwirrt aufwache. Was war das denn? Ich hätte wohl nicht so fettig zu Abend essen sollen. Hab mal gehört, dass das Unterbewusstsein im TV gesehene, fiktive Bilder nicht adäquat von realen Bildern differenzieren kann. Aber so was…

Sonntag, Juli 09, 2006

Der Suff nach dem Kater

(Soundtrack: Wallflowers - Heroes)

Ach, war das Herzzerreißend gestern! Eigentlich hatte ich ja keine Lust zum Fussi schaun zu gehen, doch es wurde (nicht nur durch eine beachtliche Menge Bier), eine versöhnende Fussballparty. Auch mit vielen Zweitbesetzungen konnten die Deutschen Kampfeswillen demonstrieren und zeigen, dass es so früh nicht hätte zuende sein müssen. Kahn durfte ein letztes Mal seine Handschuhe und Mannschaftskapitän Binde anziehen, lautstarker über den Platz gröhlen, als HP Baxter von Scooter und sich für jeden gecatchten, noch so lahm hergemurmelten Ball bejubeln lassen. - Nein im Ernst, er ist und bleibt ein Ausnahmekeeper.

Ein bisschen war die Luft natürlich raus. Doch trotzdem schien es irgendwie, als wollten sich einige der Illusion hingeben, es wäre das richtige Finale. Wenn man nicht so genau hinguckte, hätte die Medaille, die Angela Merkel (nicht ohne einem aufgedrückten Knutscher) Jürgen Klinsmann umhing, nicht Bronze sondern Gold wäre. Feuerwerk, Fahnen, Olli Kahn schüttelt wohl zum letzten Mal nach einem Länderspiel Hände und die Kameras zeigen Klinsmann von allen Perspektiven. Bei dieser Heldenverehrung muss man sich schon fast fragen, wer mehr für Deutschland getan hat, Bismarck oder er. Hätte Portugal auch eine solche Abschiedsfeier gekriegt? - Ich weiss es nicht.

Das Gehupe und Gejubel auf der Straße war zwar angenehmer als die gespenstische Stille nach Niederlage vom Dienstag, aber vermissen werde ich es nicht. Trotz all meiner neu entdeckten Begeisterung für Fussball, tue ich mich immernoch ein bisschen schwer, meine über viele Jahre gezüchteten "Grölende Fussballfans sind Assis"-Stereotypen, zu überwinden. Vielleicht bin ich in 4 Jahren soweit.

Für alle, die noch nicht genug bekommen haben vom Fusballwahn, hier nochmal ein Paar lustige Links:

Poldis Tagebuch

Die Klinsmännchen

Poldi im original Interview

Freitag, Juli 07, 2006

Frauenversteher

Und ich dachte ich wäre ein Frauenversteher!

Zählt doch bitte einer mal, wie oft das Wort Fotze fällt!

Donnerstag, Juli 06, 2006

Sieg der Belanglosigkeit

(iTunes spielt: Red Hot Chili Peppers – Throw away your television)

Sommer: Der Härtetest für Leute mit Zeitschriftenabonnement. Darwins „Survival of the fittest“ mal anders. Wer z.B. dem Stern nach Titelthemen wie “Was die Welt über Deutschland denkt” oder “Die Grimaldis ganz nah – Ungewöhnliche Bilder einer Fürstenfamilie” (klingt ein bisschen nach TV-Roman a la „Wege zum Glück“) die Stange hält, ist entweder zu Faul zum kündigen (so wie ich), oder liest nebenbei die Gala. Eben ganz intim, ganz privat, 15 Seiten Titelstory. Im TV nicht anders: Von Boulevardmagazinen wie Punkt 12 ist man ja nichts Gutes gewohnt, aber ein Beitrag darüber, wie nervig Fliegen sind? – Bitte! Passiert denn gar nichts in Deutschland? Im Ausland? Sitzen alle mit Grillfleisch gefülltem Bauch und zugedröhnter Birne bräsig in der Sonne?

Im Vorabend Programm kann ich mir z.B. bei „Abenteuer Leben“ ansehen, wie Mutter Ilse ihr Käsebrot schmiert, ein grenzdebil grinsender Blonder ahnungslose Taxifahrer nervt (Quiz Taxi) oder krieg Fragen beantwortet, die wohl noch nie gefragt worden sind (Galileo). Da muss ich mich schon zusammenreißen, dass mir nicht vor lauter Spannung die Eingeweide platzen.


Mittwoch, Juli 05, 2006

Schade Schokolade

(iTunes spielt: Fettes Brot - Schade Schokolade)

Tja, nu isses passiert. Die frühen "Berlin, Berlin"-Rufe schon nach dem Sieg gegen Costa-Rica Kamen mir doch ein bisschen Spanisch vor und doch hab ich mich von der Euphorie ein wenig mitreissen lassen. Halbfinale: Argentinien rausgekloppt! Aber Italien? Entweder ein frühes Tor oder Unentschieden bis zum Elfmeterschiessen. Das wäre die Erlösung gewesen. Doch beides blieb vergönnt. Auch wenn sich diesmal fast doppelt so viel Leute wie beim Viertelfinalspiel vor der Kieler Campus Suite einfanden und die Stimmung und die Hoffnung auf Erfolg wieder immens waren, so reichte es eben doch nicht. Teilweise nerfte mich das Gejubel sogar, wenn einer der deutschen Spieler zu Boden ging, in der Hoffnung, es könnte eine Verwarnung für den Gegner oder einen Freistoß für die deutsche Elf geben. Doch der Schiri Pfiff wenig für Beide Seiten. In Anbetracht der Vorraussicht, dass diese Spiel definitiv sehr physisch werden würde, keine unkluge Entscheidung.

Auch wenn beide Seiten sehr offensiven Fussball zeigten, hatten die Italiener doch die deutlich gefährlicheren Torchancen, die meistens durch die überragenede Leistung von Lehmann, häufig von den Abwehrduo Mertesacker/Metzelder aber in zwei Fällen auch glücklich durch Pfosten/Latte vereitelt wurden. Zu oft wehrte Lehmann den Ball perfekt ab, so dass man am Ende fast sicher war, man könne sich über die Zeit zum Elfmeter retten. Das Resultat hat dann aber letzendlich wenig mit Glück, sondern mehr mit erfolgreicher oder nicht erfolgreicher Chancenauswertung zu tun. Das Geklirre der Bierflaschen zu meinem Füßen, bewirkte bei mir nach Abpfiff des Spiels folgende Assoziation: Der deutsche Stolz als Scherbenhaufen.

Am nächsten Tag in der Uni wurde komischer Weise über alles gesprochen, nur nicht über das Spiel. "War was los gestern?" - "Nö, Kreisklassenmeisterschaft oder so." Nur das Hupen und die "Berlin, Berlin"- Rufe waren verschwunden. Plötzlich war wieder jeder mit sich selbst beschäftigt statt mit Deutschland. Vielleicht kriegen Klinsis Buben ja eine Revanche im Finale der bevorstehenden EM. Schlecht stehen die Chancen dafür nicht. Bin auch mal sehr gespannt, was die Presse jetzt im Sommerloch bringen wird. Außerdem, eigentlich sind wir deutschen ja auch ganz gerne mal ein bisschen misepetrig. Das können wir jetzt endlich wieder sein. Das ist doch auch was....


Samstag, Juli 01, 2006

Ein Leben ohne WM?

(iTunes spielt: Donots – That’s Armageddon)

Was war das wieder für ein Krimi gestern! Leute, ich bin doch nicht mehr der jüngste und meine Pumpe macht so was wohl auch nicht mehr zu oft mit. Nach dem Führungstreffer der Argentinier musste ich dann doch mal drüber nachdenken, was denn nu wäre, wenn Deutschland rausflöge. Zum einen würden Szenen wie die, die ich während/ nach dem Vorrundenspiel gegen Polen erlebte, ausbleiben.

Wir hatten uns damals zum „Public Viewing“, wie man heutzutage neudeutsch sagt, vor dem Sportforum getroffen, wo die dort ansässige Campus Suite extra eine Leinwand dafür aufgebaut hatte. Nach einer Diskussion mit dem Veranstalter bezüglich meiner mitgebrachten „Original 5,0“- Bierdosen (Er, höflich aber bestimmend: „Die könnten als Wurfgeschosse verwendet werden. Gerade bei Spielen gegen Polen, ist es schon zu Ausschreitungen gekommen. Die müssen weg!“ Ich: Ich kann verstehen, dass ihr gerne euer eigenes Bier verkaufen wollt, um die teure Leinwand wieder raus zu kriegen. Aber das Gefährliche, an den Dingern ist nicht die Verpackung, sondern der Inhalt, der aus friedliebenden Bürgern willenlose Zombies macht. …Prost!“) bemerkten diverse Zuschauer sowie ich, dass der Beamer bereits an war, allerdings nicht gegen die Lichtverhältnisse ankam.

Kurz darauf (ca. 10 min vor Anpfiff) ließen hunderte von Studenten ihre Bierbecher fallen und liefen schneller als bei der Schnäpchenjagd beim SSV zu ihren Fahrrädern/ Autos um ein(e) weitere(s) rettende Leinwand/ TV-Gerät zu erreichen. Anlässlich dieser Massenflucht, die keine Verkehrsregeln duldete, wurden bei mir Erinnerungen aus Katastrophenfilmen wie „Indepence Day“ oder „Krieg der Welten“ wach und ich schaute mich ängstlich um, ob nicht irgendwelche Flüchtlinge links und rechts neben mir von Laserstrahlen vaporisiert wurden. Ich hörte noch meinen Kumpel rufen: „Ich kann nicht mehr. Ihr müsst ohne mich weiter! Ich halte euch nur auf. Ihr schafft es nicht mit mir.“ Noch kurz an der Tanke angehalten um Bier einzukaufen, kamen meine Homies schon nach 2 min wieder raus und riefen keuchend: „Weiter, die Schlange ist zu lang!“ Beim Döhnermann gabs das erlösende Bier und das rettende TV-Gerät erreichten wir nur 3 min nach Anpfiff.

Nach Neuville’s Rettungstreffer und Spielabpfiff, bot sich uns acu in der Kieler Bergstrasse ein Endzeitszenario. Die Clubs leer, die Strasse dicht mit friedlich feiernden Leuten. Nur der Bus, der durch die Strasse wollte schien irgendwie nicht zu passen. Kein durchkommen. Wenig später kletterten Menschen den Bus hoch, was den Busfahrer ein wenig an die Fahrten durch das Affengehege im Serengeti Park erinnert haben dürfte…

Lehmann und Klose sei Dank, kann ich mich noch auf weitere, solche Erlebnisse freuen. Weiterhin werde ich Schwarz-Rot-Gold-geschminkte Typen in den Hörsäälen sitzen sehen, mich über Netzter’s und Delling’s aufgesetztes Gezanke amüsieren, aber auch von den, durch das Presse-Sommerloch forcierten, Zeitschriftentitelstorys wie „Deutschland ist so geil“ angenerft sein. Aber irgendwas is ja immer!