Seelen- und Hirnexhibitionismus

Sonntag, Juni 11, 2006

Sie nannte es „Stylistin“

(iTunes spielt: Green Day – Fashion Victim)

Man lernt nie aus im Leben. Zum Beispiel, dass die Regeln für einen guten Discosmalltalkeinstieg nicht in jedem Laden gleich funktionieren. So konnte ich in den meisten Fällen mit den Worten „Und? Studierst du auch?“ nichts falsch machen. Aber es lief auch mal anders: 3 Fehltreffer. In einem Fall artete das kommende Gespräch in eine Art „Was bin ich?“-Spielchen aus, so dass ich schon Ausschau hielt, ob denn Rudi Karrell nicht irgendwo zugegen war.

Nach dem üblichen Rüberzwinker- und Vorstellgeplänkel (was soll ich da erzählen), begann ich das Gespräch folgendermaßen:

Jay: Und ihr studiert?

Blondchen: Nee, ich arbeite.

„Ach nee, da geht’s dir immerhin anders als den Hartz IV-Empfängern, Glückwunsch! Also weiter bohren.“, dachte ich mir im stillen.

Jay: Und was arbeitest du?

Blondchen: Ich bin Stylistin.

Jay: Und wen oder was stylst du?

Blondchen: Menschen.

Oh gut, das schließt dann ja schon mal das Pudelfrisieren aus!“, grübelte ich weiter. Da sie weder dunkel gefärbtes Haar, gepaart mit einen bleich geschminkten Gesicht noch andere Ähnlichkeiten mit der „Addams Family“ oder „Six Feet Under“ – Protagonisten aufwieß und auch nicht. den schwarzen Humor, wie ihn nur Fernsehgerichtsmediziner besitzen hatte, konnte ich auch schlussfolgern, dass die von ihr gestylten Personen noch lebten.

Nun hieß es nur noch den grad ihrer stylischen Tätigkeit festzustellen (Irgendwo zwischen Make Up-Artist im Film „Alles Schlampen außer Mutti“ über Schaufensterdekorateurin bei Aldi bis hin zur Friseurin festzustellen.

Auf die Frage, wo sie denn arbeitete, nannte sie nur die Anschrift des Salons, der bei mir tatsächlich einen Friseursalon mit recht uninnovativen Namen ins Gedächtnis rief. Warum macht die da so einen Hehl draus? Die Tage der Mantafahrer-Witze sind doch echt gezählt. Sicher gibt’s genug Klischees aber da muss man doch irgendwie drüber stehen. War ich jetzt unsensibel? Ich hab keine Ahnung.

Jedenfalls reichte mir dieses Jeopardy für Arme, so dass ich kurze Zeit später den Laden verließ.

2 Comments:

Anonymous mcwinkel said...

Aber bei Jeopardy bekommt man doch erst die Antworten und fragt dann, oder?

Ach so, War ja die Version für Arme! :)

FON?

12 Juni, 2006 14:27

 
Blogger Jay said...

Der Kandidat hat 100 Punkte ;-)

12 Juni, 2006 21:31

 

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