Seelen- und Hirnexhibitionismus

Mittwoch, Juni 21, 2006

“A link to the past” oder New Model Army (Life auf der RSH Bühne, Kieler Woche, 18.06.2006)


Um zu beschreiben, was diese Band für mich bedeutet muss ich kurz ein wenig ausholen. Vor meinem 11. Lebensjahr rotierten in meinem Kassettenrekorder nur Hörspiele von Alf (ich konnte den Song, den Alf in Folge 5 für Lynn singt auswendig!), Die Unendliche Geschichte und noch diversen anderen Trash, den ich nicht nennen will. Nur im Zimmer meiner älteren Brüder kam ich beim gemütlichen C 64er spielen in den Genuss deren Plattensammlung durchzuhören, in der sich neben Queen, Fury in the Slaughterhouse, Westernhagen und Grönemeyer auch eben jene britische Folk-Indie-Formation mit ihrem, in Vinyl gepresstem Goldstück „Thunder and Consolation“ fand. So wurde ich schon im jungen Alter auf hausgemachten Gitarrenrock geprägt, während meine Freunde sich fleißig die neuen Maxis von 2-Unlimited oder Ace of Base besorgten.

Umso gespannter war ich dann, als das KW-Programm auf den Auftritt von NMA hinwies. Für umsonst und open air, die alten Jugendhelden von mir, nicht nur zum ersten mal life zu sehen, sondern überhaupt einmal sehen. Denn Videostars waren sie eigentlich nie, auch wenn sie ein beachtliches Internationales Publikum ihr Eigen nenne durften. Die einzigen bekannten Videos von ihnen waren „51st State“ und „Vagabonds“.

Am Ort des Geschehens angekommen, viel mir zuerst das Publikum auf: Hauptsächlich Mittdreißiger, die scheinbar ihre verwaschenen NMA-Shirts nach 10 Jahren Mottenkur wieder aus ihrem Schränken geholt hatten. Pünktlich um 20:00 Uhr stürmten dann Sänger Justin Sullivan (rechts im Bild) und seine Mannen die Bühne. Für mich ein Augenblick der Wahrheit. Ich hatte mir Herrn Sullivan irgendwie anders vorgestellt. Optisch eine Mischung aus Detlev Buck und Iggy Pop ohne die eklig drahtigen Muskeln, aber dafür mit britischen Arbeiterakzent, wie man ihn von dem NMA-Songs kennt. Ich stellte mir vor die Band zusammen in einem Zugabteil zu begegnen – ich glaub ich wäre umgedreht!

Los ging es mit zwei der neueren Songs, die wohl kaum einer der anwesenden kennen dürfte, aber musikalisch doch das ein oder andere Deja Vu-Erlebnis mit sich brachte (musikalisch als auch lyrisch). Dann ließ sich Herr Sullivan (wie so oft an diesem Abend) wieder seine Akustische Gitarre reichen und die ersten Akkorde von „Stupid Questions“ erklangen, was mir den ersten wohligen Schauer über den Rücken streichen ließ. Dieser Song überrumpelte mich in diesem Moment einfach unvorbereitet so dass mir der Gedanke durch den Kopf schoss: „Ach ja, der Song war ja so was von geil damals (und heute immer noch).“ So ging es mir noch zwei drei weitere Male an dem Abend. Die beiden großen Hits (eben "Vagabonds" und "51st State") erkannte man schon bei den ersten Drumschlägen und brachten das Publikum in Verzückung, als wären die knapp 10 Jahre seit dem Erfolgszinith der Band nicht vergangen. Die Ballade „Green and the Grey“ brachte mich völlig in die alte Zeit zurück und machte mich fast ein bisschen wehmütig, bis ich diesen Freak sah.

Ein glatzköpfiger Altrocker (Bild unten), der auf den Schultern seiner Freunde stand und den Song Wort für Wort mitsang. Seine Gestik hätte ich wie folgt deuten können:
  1. eine merkwürdige Form des Macarena-Tanzes

  2. er flirtete mit Justin Sullivan

  3. er war in seinem früheren Leben Verkehrspolizist und dieses „alte Ich“ wurde durch den Song wieder hervorgeholt

Alles im Allen präsentierten sich NMA wieder als sehr gute Songwriter und Performer, deren Songs nichts an Zauber eingebüßt haben. Lediglich ein paar Mal nervte mich der Bandtypische erhoben Zeigefinger in den sehr politsich/ sozialkritischen Texten. Etwas unhöflich dem Kieler Publikum gegenüber wirkte zuerst die Wahl des letzten Songs "Get me Out", was jedoch durch die Zugabe "I Love The World" doch wieder versöhnt wurde.

1 Comments:

Anonymous Lupus225 said...

Mein Tip: Mehr NMA-Konzerte besuchen...das war alles ganz normal ;-)
Schöne Grüße,
Lupus225

11 August, 2008 20:08

 

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