Seelen- und Hirnexhibitionismus

Sonntag, Mai 28, 2006

Jay’s Disco Diary – Reprise (Besuch im Zoo)

(iTunes spielt: Fall Out Boy – Dance, Dance)

Es gibt Zeiten, in denen möchte man einfach den ganzen Dreck aus sich heraus spülen. Wenn das Tanzbein juckt und ich mit jedem Bier immer schlücklicher werde, werde ich dann immer anspruchsloser, was die Wahl des Tanzetablissements angeht. So ging es mir und meinem Mitstreiter am Mittwochabend. Die Kieler Spielunke, die sich sonst eigentlich an keinen normalen Wochentag traute Eintritt zu verlangen, macht an jenem Tag eine Ausnahme. Schließlich sei ja morgen Vatertag, die Kinder können Ausschlafen – also eigentlich wie Freitags. Da kann man den Kinnings doch noch mal die Euros aus dem Kreuz leiern. Als ob dieser Laden so gut von Leuten über 25 besucht wäre, gab es für diese Zielgruppe an jenem Tag dann doch freien Eintritt. Ach Hoppla, das trifft ja auf uns zu! Ich denke wir waren aber die einzigen, die diesen Opa-Rabatt ausnutzen durften.

Unten angekommen durften wir dann neue soziologische Fallstudien an Lebendexemplaren der Generation- Jamba- Spar-Abo beobachten. Ganz drei ganz rebellisch wirkende Realschüler zuckten zum Grand-Prix-Sprenger der finnischen, mit Orcs besetzten Band Lordi ab und aufgetakelte Abiturientinnen bezeugten mit Hilfe ihrer Persos ihre erst kürzlich errungene Volljährigkeit den Securities gegenüber (so stolz waren die Dirn wohl nicht mehr seit dem Kauf ihres ersten BHs) und tanzten weiter zu den Pussycat Dolls. Ein wenig wehmütig, dass diese Zeit schon lange hinter mir lag gings rüber zur Blackbeat-Proll-Area.

Das Bild was sich hier bot, glich einem improvisierten Tabledanceladen, wie man ihn in Kiel Mettenhof oder Berlin Marzahn erwarten würde. Leicht amüsiert beobachtete ich wie eine der Tanzmäuse (offensichtlich war sie schon öfter hier, denn sie schien die Stange am Rande der Tanzfläche schon gut zu kennen) und ihren Counterpart, einen Baggyhosen tragenden Vollspacken. Plötzlich wurde der arme Kerl offensichtlich beim Anblick der Lapdanceblondine von seinen Hormonen überwältigt und viel scheinbar zu Boden. Ich wollte gerade den Sanitäter rufen, als der scheinbar Hinternlose Homie anfing seine Beine hoch zu nehmen, auf seinen Kreuz ca. 3 Drehungen zu Vollführen, in den Handstand zu gehen und danach wieder auf seine Füße zu springen und der blonden Trine mit einer Handbewegung seinen Respect zu bestätigen (Nach dem Motto: Isch respektier nuuuurr dissch!) was sie mit einem leichten schmunzeln hinnahm.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Tanzfläche rekelte sich ein weiteres Mädel an einer Stange, die (so mein Eindruck) wohl gerade die Entfernung ihrer festen Klammer feierte. Plötzlich bemerkte mein Kumpel wie sie in unsere Richtung blickend mit dem Finger lockte. „Jay, die will dich! Geh ruhig hin! Ich sags auch keinen weiter.“, schlug mein Kumpel vor. Bevor ich den Mund aufmachen konnte um ihn „Nee lass mal. Ich heiß doch nicht R. Kelly!“, entgegnen zu können, bewegte sich der arschlose Schmock auf sie zu. Doch er kam zwei Minuten zu spät. Ein weiteres balzbereites Männchen wurde vom Hüftschwung (sofern sie denn schon Hüfte hatte) angelockt und hatte sich auf der kleinen Stangeninsel der jetzt Zahnspangenlosen eingenistet im Versuch ein bisschen Rumzuzüngeln. In dem Moment erreichte die lebende Fußbodenbohnermaschine die Affeninsel, packte seinen Konkurrenten am Arm und riss ihn unsanft und nachschlagend vom Podest, was bei mir merkwürdiger Weise Erinnerungen an meinen letzten Besuch des Hannoveraner Zoos hervorrief (die haben ein tolles Schimpansengehege!). Diese Aktion verhalf ihn zwar nicht zum erhofften Koitus aber mir und meinem Kumpel zum herzhaften Gelächter.

Einen Abend später beim Funkabend in einen anderen Schuppen, dachte ich ich wäre aus Versehen beim Set von 8 Mile gelandet. So viele Jungs mit Socken auf dem Kopf und Jacken und Hosen in Übergröße auf einem Haufen hatte ich noch nie gesehen. Selbige versammelten sich kurze Zeit später um die Tanzfläche herum, um einer nach dem Anderen einzeln in die Mitte zu pesen und ihre derbsten Breakdancemoves zu zeigen. Im Kontrast zum Homie des vorigen Abends konnten die das auch, so dass sich in kurzer Zeit die restlichen Gäste um das Tanzparkett scharrten. Ca. 20 Minuten, geschätzten 500 Umdrehungen, 20 Robotdances und fünf Saltos später schien einer der Breaker aggressiv zu werden. Scheinbar hatten die schlechten Moves seines Vortänzers der gegnerischen Posse sein Auge beleidigt so dass er ihn laut, mit anschwellenden Halsadern und heftig gestikulierend seinen Gegenüber anmotze. Obwohl seine Homies ihn aufhalten konnten, verstärkte er seine peinliche Drohkulisse indem er seinen durchtrainierten aber zierlichen Oberkörper entblößte, was mich leicht an Fight Club erinnerte.

  1. Die erste Regel des Abspack Clubs: Verlier nie ein Wort über den Abspack Club!
  2. Die zweite Regel des Abspack Clubs: Verlier nie ein Wort über den Abspack Club!
  3. Die dritte Regel des Abspack Clubs: Wer das erste Mal beim Abspack Club dabei ist MUSS abspacken!

Doch bevor ich mir Regel Drei der ungeschriebenen Satzung beherzigen und meine derben Discofox-Skills zur Schau stellen konnte wurde wieder normale Musik gespielt, der Kreis der sehr talentierten Proleten aufgelöst und die Tanzfläche für das gesamte Publikum eröffnet.
– Schade das ich meine Kamera nicht dabei hatte.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

du bist ja ein ganz toller dann bleib doch zuhause oder geh lieber sonntags mit mami in den zoo da bist du wohl besser aufgehoben

18 Juli, 2006 01:43

 

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