Seelen- und Hirnexhibitionismus

Montag, Mai 22, 2006

Ekel, Eiter, Würgereitz

(iTunes spielt: Jimmy Eat World – Pain)

Bevor ihr diesen Post zu lesen beginnt, solltet ihr euch folgende Fragen stellen:
  1. Guckt ihr gerne Emergencyroom und fühlt euch immer dann am besten unterhalten, wenn irgendwelche Unfallopfer in die Notaufnahme geschoben werden deren Gesichter eher einem Pfund Zwiebelmett ähneln, Gliedmaßen fehlen oder den behandelnden Ärzten beim Abtrennen der Aorta das Blut auf die Brille spritz?

  2. Habt ihr als pubertierender Teenager in nichts mehr Erfüllung gespürt, als eure Mitesser gepflegt gegen den Badezimmerspiegel zu ballern, während aus den Boxen wahlweise Take That oder Die Ärzte dröhnen.?

  3. Ihr habt SAW II für eine Kindervorstellung gehalten?

Dann lest weiter! Nachdem ich gut 4 Tage einen vermeintlichen Mitesser auf der Brust spazieren führte, die normale Behandlung derartiger Nervigkeiten (wie unter Frage 2 beschrieben) nichts half und mich nur laut quiekend im Badezimmer stehen ließ, und das Gerät schon einen Durchmesser von 8 cm hatte, beschloss ich auf Anraten eines Apothekers sofort am nächsten Tag den Hautarzt aufzusuchen. Man schaffte es mich spontan dazwischen zu kriegen und holte mich per Anruf aufs Handy aus dem laufenden Seminar. 15 min Radtour und gut eine Stunde im Wartezimmer warf die Frau Doktor einen bewundern Blick auf meine falsche, dritte Brustwarze.

„Oh ja, da müssen wir ran!“, sagte sie und malte sogleich ein Kreuz auf jene Stelle, die eigentlich den Ausgang für den Pickel darstellen sollte, jetzt aber auf mysteriöse Weise keiner mehr war. Wenig später sah ich mich schon auf der Liege des Behandlungszimmers liegen und hörte zwischen meinen schlotternden Knien und klappernden Zähnen nur noch Wortfragmente wie: „talghaltige Zyste“, „örtliche Betäubung“ und „Aufstechen“ heraus. Bevor ich das Wort „Unterlassungsklage“ aus dem Mund bekam, hatte die Schwester schon eine Spritze aufgezogen, dessen Nadel leicht gekrümmt (zum um die Ecke pieksen) gefährlich an einen Widerharken erinnerte, und in meine Brust unter den Entzündungsherd gejagt. Wenige Sekunden und ein leidendes Stöhnen meinerseits später setzte sie zum zweiten Stich an, nicht ohne mir dabei zu verklickern, dass Entzündungsherde schwer zu betäuben seien und man evtl. doch noch etwas merken könnte.

Mit diesem Worten ließen sie mich erst einmal einige Minuten alleine im Zimmer liegen und widmeten sich anderen Patienten. Nach ca. (gefühlten) 15 min fragte ich mich langsam, wie lange eine solche Betäubung denn anhalten würde. Während der Wartezeit hörte ich immer wieder die Arzthelferinnen, die sich irgendwie alle verniedlichten Namensformen riefen: „Sanniiiii, bringst du mal nen 10er in die 2?“ „Jesssiiii, einmal Hilfe in der 4 bitte!“ „Hätten die auch männliches Personal würden diese wahrscheinlich Robbie und Tobi heißen.“, dachte ich mir. Vielleicht lag es an meiner Narkose, die mir zu Kopf gestiegen ist, aber diese Rufe klangen in einer derartig freundlichen Tonlage durch die Praxis, dass es mir eine ganz merkwürdige Assoziation ins Bewusstsein brachte: Alle vier Arzthelferinnen in rosa Bettwäsche bei einer Pyjamaparty, mitten in einer Kissenschlacht.

Doch die Betäubung schien ausreichend und den folgenden Stich usw. empfand ich nur noch als merkwürdiges Geprökel. Um meinen Ekel aufs Minimum zu reduzieren hielt ich die meiste Zeit meine Augen verschlossen, während das Ding ausgedrückt und mit antibakterieller Flüssigkeit ausgespült wurde. Im Anschluss ließ sich Frau Doktor noch eine Art Minilöffel geben, der nicht viel größer war als die vorige Nadel. Damit pulte, schabte und scharrte sie solange in der kleinen Wundhöhle herum, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn sie ein weißes Kaninchen herausgezogen hätte. Stattdessen wurden am Ende 3 kleine Antibiothekerkügechen, samt eine Stück Dränage hereingestopft (gegen weitere Entzündung und um zu verhindern, dass das Ding gleich wieder zuwächst) und Verband drauf. „Soviel Spass hatte ich seid meines letztem Harnröhrenabstrich nicht mehr!“, dachte ich mir als ich nach Hause fuhr.

3 Comments:

Anonymous 500beine said...

beim nächsten arztbesuch das wort unterlassungsklage auf der zunge einnähen.

23 Mai, 2006 08:53

 
Anonymous Lu said...

du held, du hast tatsächlich die utschi-butschi-arzthelferinnen überlebt. der rest ist heile heile gänschen, glaub mir.

23 Mai, 2006 13:52

 
Anonymous Nils said...

mmmh... du hast wirklich nicht zuviel versprochen!

23 Mai, 2006 22:10

 

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