Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, Mai 30, 2006

Dosenbier strikes back!

(iTunes spielt: Tocotronic - Nach der verlorenen Zeit)

Endlich!! Endlich wurden unsere endlosen Rufe erhöht. Das Dosenbier ist tot, es lebe das Dosenbier! Trotz Dosenpfand hat sich ein ganz gewiefter Bierproduzent (oder lieber Restbierabfüller) wat ganz dolles einfallen lassen. Die Geschmacksqualität dürften diejenigen kennen, die noch ihren ersten Vollrausch auf einer Palette Schultenbräu vor dem Aldimarkt sitzend herbeiführten (damals ca. 40 Pfennig die 0,5-Dose – schlug sogar das Preis-Breit-Verhältnis von Hansa). Das waren noch Zeiten! Ja, wir waren Jung und brauchten das Geld.

Ganz neu jetzt das Konzept von 5,0 Original: Das Bier wäre nämlich gar nicht so teuer, wenn nicht jede Dose einzeln von einem Lackierermeister per Hand auf die Dose gepinselt werden würde (so will uns zumindest der, natürlich viel billigere, Aufdruck der Dose weismachen). Stimmt ja auch. Der goldene Rand bei Warsteiner, dass da mein Anlageberater noch nicht drauf gekommen ist… Für 25 Cent (exklusive Pfand) gibst also jetzt No-Name Bier, oder wahrscheinlich besser: Multiple-Name-Bier. Endlich können sich Geschäftsleute wieder öffentliche Klos und einen Golfball extra pro Woche leisten!

Sonntag, Mai 28, 2006

Jay’s Disco Diary – Reprise (Besuch im Zoo)

(iTunes spielt: Fall Out Boy – Dance, Dance)

Es gibt Zeiten, in denen möchte man einfach den ganzen Dreck aus sich heraus spülen. Wenn das Tanzbein juckt und ich mit jedem Bier immer schlücklicher werde, werde ich dann immer anspruchsloser, was die Wahl des Tanzetablissements angeht. So ging es mir und meinem Mitstreiter am Mittwochabend. Die Kieler Spielunke, die sich sonst eigentlich an keinen normalen Wochentag traute Eintritt zu verlangen, macht an jenem Tag eine Ausnahme. Schließlich sei ja morgen Vatertag, die Kinder können Ausschlafen – also eigentlich wie Freitags. Da kann man den Kinnings doch noch mal die Euros aus dem Kreuz leiern. Als ob dieser Laden so gut von Leuten über 25 besucht wäre, gab es für diese Zielgruppe an jenem Tag dann doch freien Eintritt. Ach Hoppla, das trifft ja auf uns zu! Ich denke wir waren aber die einzigen, die diesen Opa-Rabatt ausnutzen durften.

Unten angekommen durften wir dann neue soziologische Fallstudien an Lebendexemplaren der Generation- Jamba- Spar-Abo beobachten. Ganz drei ganz rebellisch wirkende Realschüler zuckten zum Grand-Prix-Sprenger der finnischen, mit Orcs besetzten Band Lordi ab und aufgetakelte Abiturientinnen bezeugten mit Hilfe ihrer Persos ihre erst kürzlich errungene Volljährigkeit den Securities gegenüber (so stolz waren die Dirn wohl nicht mehr seit dem Kauf ihres ersten BHs) und tanzten weiter zu den Pussycat Dolls. Ein wenig wehmütig, dass diese Zeit schon lange hinter mir lag gings rüber zur Blackbeat-Proll-Area.

Das Bild was sich hier bot, glich einem improvisierten Tabledanceladen, wie man ihn in Kiel Mettenhof oder Berlin Marzahn erwarten würde. Leicht amüsiert beobachtete ich wie eine der Tanzmäuse (offensichtlich war sie schon öfter hier, denn sie schien die Stange am Rande der Tanzfläche schon gut zu kennen) und ihren Counterpart, einen Baggyhosen tragenden Vollspacken. Plötzlich wurde der arme Kerl offensichtlich beim Anblick der Lapdanceblondine von seinen Hormonen überwältigt und viel scheinbar zu Boden. Ich wollte gerade den Sanitäter rufen, als der scheinbar Hinternlose Homie anfing seine Beine hoch zu nehmen, auf seinen Kreuz ca. 3 Drehungen zu Vollführen, in den Handstand zu gehen und danach wieder auf seine Füße zu springen und der blonden Trine mit einer Handbewegung seinen Respect zu bestätigen (Nach dem Motto: Isch respektier nuuuurr dissch!) was sie mit einem leichten schmunzeln hinnahm.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Tanzfläche rekelte sich ein weiteres Mädel an einer Stange, die (so mein Eindruck) wohl gerade die Entfernung ihrer festen Klammer feierte. Plötzlich bemerkte mein Kumpel wie sie in unsere Richtung blickend mit dem Finger lockte. „Jay, die will dich! Geh ruhig hin! Ich sags auch keinen weiter.“, schlug mein Kumpel vor. Bevor ich den Mund aufmachen konnte um ihn „Nee lass mal. Ich heiß doch nicht R. Kelly!“, entgegnen zu können, bewegte sich der arschlose Schmock auf sie zu. Doch er kam zwei Minuten zu spät. Ein weiteres balzbereites Männchen wurde vom Hüftschwung (sofern sie denn schon Hüfte hatte) angelockt und hatte sich auf der kleinen Stangeninsel der jetzt Zahnspangenlosen eingenistet im Versuch ein bisschen Rumzuzüngeln. In dem Moment erreichte die lebende Fußbodenbohnermaschine die Affeninsel, packte seinen Konkurrenten am Arm und riss ihn unsanft und nachschlagend vom Podest, was bei mir merkwürdiger Weise Erinnerungen an meinen letzten Besuch des Hannoveraner Zoos hervorrief (die haben ein tolles Schimpansengehege!). Diese Aktion verhalf ihn zwar nicht zum erhofften Koitus aber mir und meinem Kumpel zum herzhaften Gelächter.

Einen Abend später beim Funkabend in einen anderen Schuppen, dachte ich ich wäre aus Versehen beim Set von 8 Mile gelandet. So viele Jungs mit Socken auf dem Kopf und Jacken und Hosen in Übergröße auf einem Haufen hatte ich noch nie gesehen. Selbige versammelten sich kurze Zeit später um die Tanzfläche herum, um einer nach dem Anderen einzeln in die Mitte zu pesen und ihre derbsten Breakdancemoves zu zeigen. Im Kontrast zum Homie des vorigen Abends konnten die das auch, so dass sich in kurzer Zeit die restlichen Gäste um das Tanzparkett scharrten. Ca. 20 Minuten, geschätzten 500 Umdrehungen, 20 Robotdances und fünf Saltos später schien einer der Breaker aggressiv zu werden. Scheinbar hatten die schlechten Moves seines Vortänzers der gegnerischen Posse sein Auge beleidigt so dass er ihn laut, mit anschwellenden Halsadern und heftig gestikulierend seinen Gegenüber anmotze. Obwohl seine Homies ihn aufhalten konnten, verstärkte er seine peinliche Drohkulisse indem er seinen durchtrainierten aber zierlichen Oberkörper entblößte, was mich leicht an Fight Club erinnerte.

  1. Die erste Regel des Abspack Clubs: Verlier nie ein Wort über den Abspack Club!
  2. Die zweite Regel des Abspack Clubs: Verlier nie ein Wort über den Abspack Club!
  3. Die dritte Regel des Abspack Clubs: Wer das erste Mal beim Abspack Club dabei ist MUSS abspacken!

Doch bevor ich mir Regel Drei der ungeschriebenen Satzung beherzigen und meine derben Discofox-Skills zur Schau stellen konnte wurde wieder normale Musik gespielt, der Kreis der sehr talentierten Proleten aufgelöst und die Tanzfläche für das gesamte Publikum eröffnet.
– Schade das ich meine Kamera nicht dabei hatte.

Dienstag, Mai 23, 2006

Something new

(iTunes spielt: The Weakerthans - Reconstruction Site)

Jeder braucht mal einen Tapetenwechsel. Viele nutzen eine Trennung oder ähnliche Veränderungen auf der sozialen Ebene um den auch gleich den eigenen Stil zu ändern. Das kann ne neue Haarfrisur, ein neuer Klamottenstil oder eine neue Zimmereinrichtung sein. Nun in meinem Fall kommt ne neue Frisur z.Z. nicht in Frage, Klamottentechnisch mag ichs im Moment gerne mal etwas Schicker (hab sogar neue "Gigolo-Schuhe", wie ein Kumpel sie nannte), die Möbel sind weitestgehend ausgetauscht und mein reines Shakra beziehe ich jetzt aus dem Gitarrenspiel. Aber Feng Shui muss sich ja nicht nur auf die Zimmereinrichtung reduzieren.

Nein, auch ein Blog muss gemütlich sein. Ein neuer Blogname, einprägsam und leicht zu Googlen, wäre z.B. dufte (New Kid On the Blog? - Da dürfte es noch was besseres geben). Ein Bloganbieter, der selbst für Vollspacken wie mich leicht bedienbar ist, bei dem man MP3s hochladen kann und bei dem man nicht um Bilder ins Layout einzufügen irgendwelche HTML-Codes schreiben muss (jaja, ich bin so ne Niete und ich sollte mich eigentlich freuen, dass ich überhaupt hier nen Text geschrieben kriege) wäre ebenfalls toll. In Rubriken einsortieren will ich auch noch unverschämter Weise. Und kosten soll das ganze natürlich auch nichts, oder zumindest sehr wenig. Und überhaupt bin ich ne Faule Sau und möchte mit möglichst wenig Aufwand die geilste Seite haben, wo gibt. Ich suche quasi die "Eier legende Woll-Milch-Sau".

Das nur als langfristige Richtung, wo ich irgendwann mal hin will. Vielleicht hat der eine oder andere nen kleinen Ratschlag für mich. Was den Blognamen angeht, können mir ja sogar die nicht Blogger helfen. Wäre euch sehr dankbar. Der Gewinner kriegt nen Eis und wird dann irgendwie auf der Seite verewigt oder so.

Montag, Mai 22, 2006

Ekel, Eiter, Würgereitz

(iTunes spielt: Jimmy Eat World – Pain)

Bevor ihr diesen Post zu lesen beginnt, solltet ihr euch folgende Fragen stellen:
  1. Guckt ihr gerne Emergencyroom und fühlt euch immer dann am besten unterhalten, wenn irgendwelche Unfallopfer in die Notaufnahme geschoben werden deren Gesichter eher einem Pfund Zwiebelmett ähneln, Gliedmaßen fehlen oder den behandelnden Ärzten beim Abtrennen der Aorta das Blut auf die Brille spritz?

  2. Habt ihr als pubertierender Teenager in nichts mehr Erfüllung gespürt, als eure Mitesser gepflegt gegen den Badezimmerspiegel zu ballern, während aus den Boxen wahlweise Take That oder Die Ärzte dröhnen.?

  3. Ihr habt SAW II für eine Kindervorstellung gehalten?

Dann lest weiter! Nachdem ich gut 4 Tage einen vermeintlichen Mitesser auf der Brust spazieren führte, die normale Behandlung derartiger Nervigkeiten (wie unter Frage 2 beschrieben) nichts half und mich nur laut quiekend im Badezimmer stehen ließ, und das Gerät schon einen Durchmesser von 8 cm hatte, beschloss ich auf Anraten eines Apothekers sofort am nächsten Tag den Hautarzt aufzusuchen. Man schaffte es mich spontan dazwischen zu kriegen und holte mich per Anruf aufs Handy aus dem laufenden Seminar. 15 min Radtour und gut eine Stunde im Wartezimmer warf die Frau Doktor einen bewundern Blick auf meine falsche, dritte Brustwarze.

„Oh ja, da müssen wir ran!“, sagte sie und malte sogleich ein Kreuz auf jene Stelle, die eigentlich den Ausgang für den Pickel darstellen sollte, jetzt aber auf mysteriöse Weise keiner mehr war. Wenig später sah ich mich schon auf der Liege des Behandlungszimmers liegen und hörte zwischen meinen schlotternden Knien und klappernden Zähnen nur noch Wortfragmente wie: „talghaltige Zyste“, „örtliche Betäubung“ und „Aufstechen“ heraus. Bevor ich das Wort „Unterlassungsklage“ aus dem Mund bekam, hatte die Schwester schon eine Spritze aufgezogen, dessen Nadel leicht gekrümmt (zum um die Ecke pieksen) gefährlich an einen Widerharken erinnerte, und in meine Brust unter den Entzündungsherd gejagt. Wenige Sekunden und ein leidendes Stöhnen meinerseits später setzte sie zum zweiten Stich an, nicht ohne mir dabei zu verklickern, dass Entzündungsherde schwer zu betäuben seien und man evtl. doch noch etwas merken könnte.

Mit diesem Worten ließen sie mich erst einmal einige Minuten alleine im Zimmer liegen und widmeten sich anderen Patienten. Nach ca. (gefühlten) 15 min fragte ich mich langsam, wie lange eine solche Betäubung denn anhalten würde. Während der Wartezeit hörte ich immer wieder die Arzthelferinnen, die sich irgendwie alle verniedlichten Namensformen riefen: „Sanniiiii, bringst du mal nen 10er in die 2?“ „Jesssiiii, einmal Hilfe in der 4 bitte!“ „Hätten die auch männliches Personal würden diese wahrscheinlich Robbie und Tobi heißen.“, dachte ich mir. Vielleicht lag es an meiner Narkose, die mir zu Kopf gestiegen ist, aber diese Rufe klangen in einer derartig freundlichen Tonlage durch die Praxis, dass es mir eine ganz merkwürdige Assoziation ins Bewusstsein brachte: Alle vier Arzthelferinnen in rosa Bettwäsche bei einer Pyjamaparty, mitten in einer Kissenschlacht.

Doch die Betäubung schien ausreichend und den folgenden Stich usw. empfand ich nur noch als merkwürdiges Geprökel. Um meinen Ekel aufs Minimum zu reduzieren hielt ich die meiste Zeit meine Augen verschlossen, während das Ding ausgedrückt und mit antibakterieller Flüssigkeit ausgespült wurde. Im Anschluss ließ sich Frau Doktor noch eine Art Minilöffel geben, der nicht viel größer war als die vorige Nadel. Damit pulte, schabte und scharrte sie solange in der kleinen Wundhöhle herum, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn sie ein weißes Kaninchen herausgezogen hätte. Stattdessen wurden am Ende 3 kleine Antibiothekerkügechen, samt eine Stück Dränage hereingestopft (gegen weitere Entzündung und um zu verhindern, dass das Ding gleich wieder zuwächst) und Verband drauf. „Soviel Spass hatte ich seid meines letztem Harnröhrenabstrich nicht mehr!“, dachte ich mir als ich nach Hause fuhr.

Mittwoch, Mai 17, 2006

Tempeau im kieler Lunaclub oder: Michael J. Fox am Bass?

(das Publikum lauscht emotional berührt Jan Plewkas Stimme bei: Vorbei)

Erinnert sich jemand an die Szene in Steven Spielberg’s „Zurück in die Zukunft“ in der Michael J. Fox alias Marty McFly auf der Bühne in den 60er Jahren „Johnny be good“ rockt? – Nein? Na ja, aber ich fühlte mich an diese Szene erinnert, als ich gestern Abend den Ex-Schauspieler (unter anderem in „Kaliber Deluxe“) Marek Harloff am Bass, in dunklem Jacket Punkrocksongs zum „besten“ gebend, sah. Aber alles der Reihe nach.

Als ich vor ca. 3 Wochen die Plakate zum kommenden Tempeau-Konzert sah, konnte ich noch nichts mit dem Bandnamen anfangen. Erst nach diversen Gesprächen mit Freunden wurde es mir klar: „Das ist doch die neue Band von Jan Plewka, dem Ex-Sänger von Selig und Marek Harloff. Die waren auch beim Bundesvision Songcontest bei Stefan Raab und waren da ziemlich mies.“ – Achso, das konnte ich mir irgendwie kaum vorstellen. War doch Jan Plewka derjenige, der während meiner Jugend doch einige Rockhymnen schrob und zusammen mit dem Gitarristen Christian Neander (später bei KungFu) die „im Ausland beliebteste, deutschsprachige Band“ der frühen 90er Jahre gründete (heute dürften wohl Rammstein diesen Titel tragen). Bei http://www.kiel4kiel.de/ las ich dann die Rezi der neuen Platte, die Versprach, dass Plewka bei diesem nicht nur die Songs geschrieben hat, sondern auch wieder häufiger ans Mikro durfte.


So brauchte ich auch nicht lange überlegen, als mich eine gute Freundin fragte, ob ich sie zum Konzert begleiten würde. Schon in der Warteschlange an der Abendklasse wurde klar: Jan Plewka ist nicht mehr der Superstar, der er mal war. Sonst hätte er wohl kaum seelenruhig neben den vermeintlichen Fans stehen und die Gästeliste überprüfen und kurz darauf mitsamt seiner privatgeladenen Gäste in die benachbarten Kneipen abdampfen können, ohne wildes Gekreische zu verursachen. Ich stand derweil mit einem leichten Schmunzeln da, sagte nichts und betrachtete diesen Kerl, dessen Stimme ich mit ca. 15 Jahren so oft von Band oder CD gelauscht hatte. Der, der das grandiose „Ohne Dich“ komponierte zu dessen Klängen ich damals so manchen Liebeskummer ausgebadet hatte. So dauerte es noch eine ganze Weile bis sich überhaupt etwas auf der Bühne rührte. So betrat zuerst ein gewisser Justin Balg mit seiner Akustikgitarre die Bühne. Justin (bei schlechtem Licht eine Art Simon Gosejohan- Look-a-like) spielte eine Art Lagerfeuer Deutschrock, dessen schwellender Gesang in guten Momenten an die ruhigeren Seligsongs erinnerte aber ohne dessen Klasse und Theatralik.

Erst gegen 22.45 ging es dann mit Tempeau los. Zu meiner Enttäuschung wurden die meisten Songs vom Bassisten Marek gesungen oder besser gerotzt. Denn sein Job sind die härteren, schnelleren Songs, wobei ich hier auf die Anspielung mit Michael J. Fox zurückkommen muss: Die Punkattitüde wirkt bei ihm leicht aufgesetzt, denn sie passt irgendwie nicht zu seinen äußeren Erscheinungsbild: Milchgesicht, geleckter Scheitel. Diese Art von zerbrechlich, rotziger Stimme hatte mich bei z.B. bei Tocotronic nie gestört. Hier aber schon. Dieses Urteil mag unfair und vor allem oberflächlich sein, aber es dürften einige teilen. Denn Beifall bekamen doch eher die etwas poetischeren, nachdenklicheren Songs, die von Jan gesungen worden sind. Man merkt ihm dann doch die höhere Fancredibility an. Und das er immer noch ein verdammt guter Songwriter ist. Besonders bei der Zugabe „Vorbei“, bei der Jan auch mal seine Gitarre an Marek abgab merkte man, dass der Qualitätsunterschied zwischen Selig und Tempeau so groß nicht sein müsste. Zum Amusement der Zuschauer gab Jan dann noch folgende Geschichte zum Guten. Jan nach vergeigtem Bundesvision Songcontest völlig fertig trifft auf Elton. Elton: „Ach, Herr Plewka. Seien sie nicht traurig, sie waren doch schon mal Popstar!“ - Tja, das könnte er auch wieder sein.


Freitag, Mai 12, 2006

Grillseason vs. „We feed the world“

(iTunes spielt: Creme 21 – Ich mag Tiere)

Der Schlafende ist wieder erwacht: Der Homogrillensis. Die Bekleidungsgeschäfte merken, dass der Frühling quasi übersprungen wurde und werden wohl den Großteil des Umsatzes der Sommersaison jetzt im Mai schon umgesetzt haben. Wenn ich so freitags gegen 17 Uhr verschlafen durch den Minimal schlurfe, ist der Kampf ums kalte Bufet schon längst gelaufen und für mich der drops gelutscht. Das in diversen Marinaden eingelegte und eingeschweißte Hähnchenfilet, das ein gelernter Fleischer wahrscheinlich eher seinem Hund als seiner Familie andrehen würde, ist ratzekahl ausverkauft. Im Bierregal sieht es ähnlich aus: Bis auf die Fans von Grenzquell Pils gibt es nur noch Sixpacks zum selber bauen (man nehme 6 Bier und packe sie in eine Tüte). Im Max Bahr Baumarkt suche ich nach einem billigen Einweggrill und finde einen schicken Grillpavillon unter dem diverse Grills in allen erdenklichen Formen (vom 3 € Einweggrill bis hin zum großen Schwenkgrill, der Rund und silber wie eine Diskokugel daherkommt) samt passender Gartenmöbel und bin kurz davor gleich hier mein Aldigrillfleisch und mein Pils aufzureißen halte mich aber doch zurück und mach mich auf in den Park, wo bereits an zehn Stellen die Rauchschwaden aufsteigen und die Luft so trübe wie Becker’s Bester
Apfelsaft machen. Irgendwie müssen wir das noch von den Neandertalern über haben. Das erlegte Tier auf selbst gemachten Feuer zu garen um damit unsere Männlichkeit unter beweis zu stellen während Frau den Salat schnippelt. Die Jagd nach dem Tier ist, auch wenn schon tot, mariniert und eingeschweißt ist, immer noch recht abenteuerlich, wenn man sich die langen schlangen an der Aldikasse anguckt.

Ist es Zufall dass gerade jetzt Erwin Wagenhofer’s Doku „We feed the world“ in die kleineren Lichtspielhäuser kommt? Eigentlich wollte ich heute wieder totes Tier bei Aldi holen um später am Abend wieder eine Grillette zu starten. Das werde ich wohl nach dem gestrigen „Genuss“ des Films immer noch tun, aber es wird mir beileibe nicht mehr so gut schmecken. Denn Wagenhofer zeigt schonungslos die Abgründe in unserer Ernährungsindustrie, dass einem das Popcorn schon mal im Halse stecken bleibt. Die Geschehnisse sind gruseliger als jeder Splatterfilm, denn er zeigt die Welt wie sie ist.

„Die Weltwirtschaft könnte ohne Problem 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“, sagt Jean Ziegler, UN-Sonderbericht-erstatter für das Recht auf Nahrung. Ein französischer Fischer kommentiert den Fang eines Industrieschiffes mit: „Also so was würde ich nicht essen. Wir sagen: Es ist nicht zum Essen, es ist zum verkaufen.“ Ferner wird beleuchtet, wie für den Sojaanbau Regenwald abgeholzt wird, das Soja aber nicht für die hungernde Bevölkerung sondern zur Mast unserer Hühner verwendet wird, Treibhaustomaten aus der EU in den Senegal exportiert werden und zu einem Drittel des eigentlichen Marktpreises in Dakar verhökert werden und somit den einheimischen Bauern die Lebensgrundlage entziehen. Die Zusammenhänge sind so pervers wie verstörend. In Zeiten der Globalisierung scheint nur noch der Markpreis zu zählen. Dabei werden wohl einige der interviewten Arbeiter und Bauern für ihre Kritik an der jeweiligen Konzernleitung wohl nach dem Film ihren Job verlieren.

„We feed the world“ erzählt an sich nichts, was wir nicht schon einmal gehört (aber auch erfolgreich verdrängt) hätten. Und doch birgt der Film eine ungeheure Argumentationskraft, die zum einen durch schockierende Bilder (wir beobachten eine Komplette Masthuhnzucht vom Ei über die lebenden Küken, die wie Tischtennisbälle durch Ketten von Fließbändern und Sortiermaschinen gejagt werden, bis sie irgendwann gemästet kopfüber vom Fließband hängen und ihr Hals durch eine zuerst durch elektrisiertes Wasser, dann durch eine rotierende Klinge gezogen wird) aber vor allem durch eine klare, unmissverständliche Argumentation, die eigentlich jeder „Sendung mit der Maus“- Gucker verstehen kann. Ich würde am liebsten das Doppelte für das Fleisch bezahlen, um mein Gewissen zu beruhigen.

Dienstag, Mai 09, 2006

Ob Drehbuchautoren wohl von Aliens entführt werden?

(iTunes spielt: Blink 182 – Aliens exist)

In anbetracht der Masse an Science- Fiction- und Mysteryserien die die letzten 10 Jahre über die Mattscheibe geflimmert sind, könnte man das schon denken. Die vorwiegend amerikanischen und kanadischen Drehbuchautoren verarbeiteten ihre traumatischen Begegnungen der dritten Art besonders erfolgreich, aber in den letzten Staffeln doch recht ermüdend, in „Akte X“. Weitaus weniger Erfolg hatte z.B. die Serie „Dark Skies“ trotz recht spannender Inszenierung und cleverer Idee: Der Plot spielte in den 60er Jahren und brachte zeitgenössische Ereignisse, mal mehr, mal minder glaubwürdig, in die UFO-Handlung ein. Nach dem lang gestreckten Ende der Vorzeigemystery Akte X wurde es dann erstmal ruhig um die grünen Männchen.

Bis letztes Jahr wo ein gewisser Herr Spielberg seine glupschäugige Lieblings- Jungschauspielerin (Dakota Fanning) im Kino vor großen Aliens davonlaufen ließ („Krieg der Welten“) und im TV als Aliennachkomme präsentierte („Taken“). Nicht nur die kleine Dakota erlebte einen solchen Rollenwechsel im selben Genre, sondern auch Eric Close, damals Hauptdarsteller von Dark Skies, durfte bei Taken als Mensch/ Alien- Hybrid zurück ins TV. Ebenfalls in Taken spielte Peter Coyote, der jetzt auch in der gestern angelaufenen Serie 4400 – Die Rückehrerseine Stirn über merkwürdige Vorkommnisse runzeln darf.

In den ersten 5 Minuten des Pilotfilm hatte ich zwei Ängste:

  1. Hoffentlich ist dies keine banale Neuauflage von Taken.

  2. Hoffentlich zeigen die nicht jede der 4400 Entführungen durch Außerirdische einzeln.

Denn darum geht es in 4400. Selbige Anzahl von Menschen wurden in einem Zeitfenster von ca. 80 Jahren von Ausserirdischen gesammelt wie Überraschungseier, um jetzt ungealtert und um einige „X-Men“-mäßige Superkräfte reicher, wieder aus ihrer Übergroßen Discokugel zu purzeln und dumm aus der Wäsche zu gucken. Zur Aufklärung dieser Ereignisse, dass nicht minder Mysteriös ist wie der Erfolg von Group Tekhan, wird (wie bei Akte X) ein ungleiches Ermitlerpäärchen eingesetzt, von denen der männliche Part, (auch wie bei Akte X) einen direkten Verwandten unter den Rückkehrern hat. Die Rückkehrer hingegen erwecken aufgrund ihrer Medienpräsenz und ihrer neuen Kräfte vor allem Angst, Misstrauen und Seperation (wie bei „X-Men“).

Trotz dieser Deja-Vus fühlt sich das Ganze neu an. Denn der Mystery- Part gerät ab und an in den Hintergrund um mehr Fokus auf die Charaktere zu legen, die sehr glaubwürdig gezeichnet werden. So wird die Serie in Fernsehzeitungen auch als „Mysterysoap“ betitelt, was tatsächlich nicht so schlimm ist, wie es sich anhört. Denn den Charakteren wird, zumindest im Pilotfilm, eine Menge Tiefe gewährt, was Fans ja auch an LOST so lieben.

So war ich doch am Ende angenehm überrascht von der Serie und bin schon gespannt auf die nächsten Folgen.

Montag, Mai 08, 2006

Die Hoffnung stirbt zuletzt. – Stirb Langsam!

(iTunes spielt mal wieder: Jack Johnson – Sitting, waiting, wishing)

Auf was man nicht immer im Leben warten muss. Auf den Bus oder die Bahn. Dass die Pizza endlich fertig ist. Dass die Mainstreamdisco endlich gute Musik spielt oder dass es Bands wie Millencolin in die deutschen Charts schaffen. Dass Vollbeschäftigung endlich als das abgetan wird, was es wirklich ist: Eine Utopie. Vergeblich warte ich auch darauf, dass ich Pamela Anderson hübsch finde, Ben Afflek anfängt zu schauspielern und ich mich für Fußball und Autos interessiere. Googlet man nach dem Begriff „Warten“ findet man folgendes:

„Warten kommt im Geschäftsleben - und nicht nur dort - sehr oft vor. Da Warten im Normalfall als vertane Zeit angesehen wird, ist es mehr als sinnvoll, über das Warten nachzudenken.
Niemand wartet gerne, selbst Leute die viel Zeit haben, fühlen sich in der Wartezeit fremdbestimmt und meiden das Warten. Und oft kann man das Warten auch vermeiden, durch Pünktlichkeit und Planung, besonders durch das Einplanen von Zeitpuffern.

Die Spielregeln des Wartens(nach Robert Levine)
  1. Zeit ist Geld. Warten ist teuer. Drum nütze die Zeit des Wartens.

  2. Warten macht arm. Je weniger eine Gesellschaft warten muss, umso reicher wird sie sein.

  3. Wir warten auf das, was wir schätzen. Je länger die Warteschlange, umso wertvoller ist das Produkt.

  4. Wir schätzen das, worauf wir warten müssen. Wartezeit erhöht den Wert.

  5. Der Mächtigere bestimmt, wer wie lange wartet. Komme bei ihnen nie zu spät.

  6. Je länger man auf dich wartet, umso höher ist dein Status. Denn Warten bedeutet auch Respekt.

  7. Geld verschafft einen Platz vorne in der Warteschlange.

  8. Wenn man sich in eine Warteschlange drängelt, sollte man es hinten tun. Dort wird es noch am ehesten akzeptiert.

  9. Wer warten kann, hat große Vorteile bei Auseinandersetzungen.

  10. Nur wer die Rolle der Zeit in einer Kultur versteht, kann mit dem Warten gut umgehen.“ (Quelle: http://www.praxilogie.de/warten.html)
Doch im Gegensatz zur Bahn, die ja bekanntlich „kommt“ (wenn auch zu spät), trifft eben nicht alles was man erhofft wirklich ein. Dann ist es an der Zeit lieber ein Taxi zu nehmen.

Samstag, Mai 06, 2006

Pimp my Staubsauger: Die Geschäftsidee

(iTunes spielt: Barenaked Ladies – If I had a million dollars)

Der Trend lässt sich nicht aufhalten: Eine zunehmende Ökonomisierung des Privatbereiches. Anstatt sich auf Bafög und Hartz IV zu verlassen machen viele ihr Hobby zur Geldeinnahmequelle. So werden über Blogs CD’s beworben über deren Link man direkt zum Amazonshop kommt, um sie dort zu ordern, wofür die Mutter aller E-Shops sich mit einer Werbekostenerstattung in Form von Kaufgutscheinen bedankt.

Ich sehe mich auch langsam gezwungen mich diesen unausweichlichen Trend zu beugen. Dazu wurde mein Staubsauger vor einigen Wochen dermaßen getuned, dass eigentlich nur noch die obligatorische Unterbodenbeleuchtung fehlt. Guckstu hier:



Das gute Stück hat nämlich schon einige Jahre auf dem Buckel und hatte vor kurzem noch die Blöde Angewohnheit beim Saugen in jede erdenkliche Richtung den Schmadder wieder auszuspucken. Diese schmückenden grauen Rallystreifen, schaffen da Abhilfe. Fortan spuckt der blaue Freund nur nach hinten. Dabei kommt folgendes "AbfallProdukt" oder "Bad" (wie die Volkswirte sagen) heraus:


Für den einen mag es nur eine Wollmaus sein, für den anderen die Lösung für jeden Lehrer, dem schon immer das Quietschen der Stuhlbeine der Hyperaktiven Schüler den letzten Nerf raubte. Einfach bei „Jay’s Red Carpet Productions“ einen 4er-Satz Wollmäuse bestellen und unter die Stuhlbeine geklebt. „Estelle es ischt uuuuunnnnglaaauublicchhh! Kein nerviges Stühle scharren mehr!“

Falls dieses Viel versprechende Geschäft nichts werden sollte und die noch ganz guten Jobprognosen für Lehrämtler (3% Arbeitslosenquote) doch noch nach unten revidiert werden, habe ich immer noch mein gutes Aussehen!

PS: Um es mit den Worten von den 5 Sternen zu halten: "Ich mach Schund - Na und?"

Dienstag, Mai 02, 2006

Wo kommen all die Groupies her?

(iTunes spielt: Arctic Monkeys – Mardy Bum)

„Hoppala, da hat jemand ne große Dose schöne Frauen aufgemacht!“, denk ich mir heute Vormittag als ich den Flur zu meinem Seminarraum betrete. Waren die Mädels die letzte Woche auch schon da? Ist es eine unangekündigte Demo für mehr weibliche Schönheit an den Universitäten? Die neue Frauenquote? Ein im Internet spontan verabredeter Flashmob zur Ablenkung von Professoren? Ein spontanes Widersehenstreffen der vor dem Germanys Next Top Model – Finale ausgeschiedenen? Oder hat es sich rum gesprochen, dass ich hier jeden Dienstag Kurs habe? Vielleicht ist es aber auch mein Mittdreißiger Englischdozent, der mir hier die Show stehlen wird. Aber warum stehen die dann vor der falschen Tür?

Der Schweiß auf meiner Stirn kommt nicht nur von meiner viel zu dicken Jacke die ich heut morgen anzog, als es noch bedeckt und regnerisch aussah. Mit Mühe kämpfe ich mir einen Weg durch den engen, von hübschen Studentinnen übersäten Flur und versuche einen Blick auf das Türschild des begehrten Seminarraumes zu erhaschen um zu erfahren was für ein Kurs hier als Traumfrauenmagnet fungiert. Vergebens. Sich in der dritten Uniwoche zu erkundigen, welche Veranstaltung hier denn stattfinden würde, würde mich als das entlarven, was ich wirklich bin: In der Brunftzeit. Und mein Ego brauch ich heute auch noch. Also erspare ich mir das Nachfragen. Aber ich würde wetten, dass es sich um einen Spanischkurs handelt.