Seelen- und Hirnexhibitionismus

Montag, April 10, 2006

Rettet die Wale! (Free Willy vs. Rockercrowd)

(Rantanplan spielen live: Einsames Pferd)

Samstag Abend. Tatort Pumpe. Die Hamburger Punk-/ Skaband Rantanplan rockt in Kiel. Schon beim Vortact fällt es deutlich auf: Gerade die ersten Reihen füllen sich hauptsächlich mit pogofreudigen Junggemüse, bei denen ich mitunter denke, sie schon in meiner achten Realschulklasse mit Extraarbeiten traktiert zu haben. Wärend ich noch bei den ersten Liedern der Kieler Vorgruppe mit den langen Namen "Me and my girl and my board", die einen angenehm nach Millencolin oder Blink 182 klingenden Melodiccore spielen, recht geruhsam in den hinteren Reihen mein Beckspils schlürfe und mit dem Fuß Wippe, fängt mich spätestens nach einer grandiosen Coverversion von "Walkin' on sunshine" ebenfalls die Tanzwut.
Die jungen Sprotten üben sich hingegegen schon recht füh im Stagediven, was beim späteren Auftritt von Rantanplan noch weiter zunimmt. Da ich zuvor noch kein Album der Hansepunker gehört habe, habe ich Schwierigkeiten den sonst (so habe ich mir sagen lassen) guten deutschen Texten zu folgen. Die Stimmung ist aber gut. Gitarrenbretter werden von den beiden Trompetern aufgelockert. Die Vielfalt der Band reicht in den Extremen von Fast-Heavymetal bis Reggae. Die "Sprunghaftigkeit" der vemeintlichen "Rock'n'Roll-Realschüler" nimmt derweil kein Ende, was mir später zum Verhängnis werden sollte.
Unter den Vielspringern fällt mir ein junges Mädel ganz besonders unangenehm auf. Ihre Erscheinung erinnert mich dabei ein wenig an die Biene Maja nach einen Überfall des örtlichen Imkervereins, was nur teilweise an ihrem Leopardenfellfarbigen Trägeroberteil liegt. Unnachgiebig wie ein Häschen aus der Duracellwerbung klettert der leicht pummelige, bebrillte Pseudo-BVB-Groupie immer und immer wieder auf die Bühne um sich kurz darauf wie der Orca Keiko aus Free Willy, sichtlich die vielen fremden Hände genießend, in die Fluten zu stürzen und sich durch die Menge suhlt. Den Vergleich zu Free Willy ziehe ich hier nicht unüberlegt heran. Denn Wahle stranden auch manchmal. Und der Orca tut dies, wenn wir den vielen Tierdokus glauben schenken können, auch schon mal mit Absicht, kommt dann aber doch recht gut alleine wieder ins Wasser zurück.
So auch unsere Leopardenoberteilhummel. Ein oder zweimal wird die gute auch in meine Richtung gespült. Beim letzten mal wird sie mehr oder weniger an mich weitergereicht, während die Meute hinter mir, so bemerke ich später, sich anscheinend schon generft von ihr aus dem Staub gemacht haben. Aber das bemerke ich nicht. Ich bin ja Tierlieb, Wale sind am austerben und so versuche ich den Brummer weiterzureichen, bis plötzlich ihr gesamtes, nicht unerhebliches Gewicht auf meiner rechten Schulter lasstet, ich mit ihr abschmiere und sie sehr unsanft halb auf meiner Schulter, halb auf dem staubigen Konzertboden landet. Immer noch leicht benommen, wird zuerst sie, dann ich von aufmerksamen Konzertbesuchern aufgehoben und ich trotte leicht benommen, mir die Schulter haltend aus der Menge um frische Luft zu holen.
"Hätte sich diese Szene im Film "Free Willy" ereignet und der Wal hätte beim Sprung aus dem Gehege das kleine Gör dermaßen mitgerissen, würden sich die kleinen Besucher der Seaworld Florida Orca Show etwas mehr vor den Viechern gruseln", denke ich mir. Die Biene Maja schien sich dabei keine größeren Blessuren zugezogen zu haben, denn sie sprang im Laufe des Abends noch des öfteren, nicht ohne sich weitere Male zu ledern. Also merkt Euch: Orcas sind nicht so niedlich und harmlos wie sie aussehen!!!

1 Comments:

Anonymous Tino said...

LOL
Wart Ihr danach noch los?

10 April, 2006 22:17

 

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