Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, April 29, 2006

Death Cab For Cutie – Plans



Etwas verspätet kommt meine versprochene Fortsetzung der Reihe der Emo-Plattenrezensionen. Ich kannte die Band aus Washington bisher nur durch einen Gastauftritt in der US-Soap OC California und hielt sie daraufhin für eine etwas softere Version von Jimmy Eat World.

Zu unrecht, denn was die Herren auf ihrem neuen Longplayer „Plans“ so hinlegen kann sich qualitativ mit Rocktitanen wie Radiohead oder Coldplay locker messen ohne die erschlagende Komplexität der Erstgenannten noch den übertriebenen Pathos der Zweitgenannten zu enthalten. Alles in allem wirkt das Werk fast britisch.

Die Songs gehen nicht alle sofort ins Ohr, sondern wachsen im Hörerbewusstsein mit jedem weiteren Lauschen der Platte. Wie bei einer guten Beziehung beschnuppert man die Songs zuerst, bevor man sich in ihnen richtig wohl fühlt. Ist dieser Punkt erreicht, verspricht es denn aber eine Lange Beziehung zu werden, denn ein Sättigungsgefühl will so schnell nicht eintreten.

Apropos Beziehung: Man hört die Scheibe am besten mit seiner/seinem Liebsten oder (falls selbige zurzeit nicht vorhanden sind) beim Träumen vom aktuellen Schwarm. Dabei entfalten die Lieder ihre Schönheit auf äußerst unterschiedliche Weise. „Soul meets body“ (einer der schnelleren Songs) z.B. kann selbst (oder gerade wegen) eines banalen „badabadbabda“-Refrains bestechen, den man beim ersten Mal miträllern will. „I will follow you into the dark“ hingegen überzeugt mit Akustikgitarre und Lagerfeuerromantik und einen genialen Refraintext: „If heaven and hell decide that they both are satisfied“. „Summer skin“ hingegen klingt bittersüß melancholisch wie ein warmer Sommerregen während „Crooked teeth“ wieder erfrischend positiv rockend daherkommt und ein bischen an Ash erinnert.

Eigentlich schon seit August draußen, ist dieses Album eigentlich mit seiner gefühlvollen Stimmung perfekt für den verspäteten Frühling. Wem Coldplay auf heavy rotation schon zum Hals raushängt und nicht ganz soviel Tränendrüseneffekt braucht, ist bei Death Cab genau richtig aufgehoben!

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