Seelen- und Hirnexhibitionismus

Freitag, Februar 10, 2006

Weisheiten einer Friseurin

I-Tunes spielt: Foo Fighters: Times like these (accoustic)

„Lass dich einfach fallen!“, sagte mir die junge Frau, während sie meinen Kopf zu sich zog. – Nein, nicht was ihr denkt. Mein Kopf landete nicht in ihrem, durchaus üppigen Dekollete, sondern im Waschbecken zwecks Haare waschen. Fallen lassen konnt ich mich auch im Gegensatzt zum letzten mal, denn dieses Mal war die Schürze, die ich bekam nicht mit Blutbeschmiert. Es war knapp zwei Monate her, dass ich mir zuletzt meine Kopfbehaarung scheren ließ. Irgendwie stand dieser Weg in meiner „Things to do“- Liste nicht besonders weit oben. Wie ihr wisst, gab es (gibt’s jetzt immer noch) ein Faultier zu pflegen, Referate zu halten, Klausuren zu schreiben und eigentlich ja auch nen Blog zu schreiben. Auch letzteres viel häufiger dem Rotstift des Herren Zeit (ja, ich glaube es muss Herr Zeit sein, nicht Frau Zeit) zum Opfer.

Aber hey, diese vier Worte der guten Schnippelfrau gaben mir plötzlich, wahrscheinlich hervorgerufen durch das als Kopfmassage durchgehende Haare trocken rubbeln, einen erweiterten Sinn. Geht es nicht im ganzen Leben darum? Sich fallen lassen. Warum eigentlich nicht? Einfach mal fünfe gerade sein lassen. „Don’t worry be happy!“ oder so. OK, auch Bobby Mcferrin’ wird heute, da seine Tantiemen mittlerweile ausgehen dürften, eher singen „Have worries, need money“. Aber soweit sind wir noch nicht. Und ich schweife ab, wir waren doch beim „sich fallen lassen“. Fallen hat im Allgemeinen eine recht negative Konnotation. Es fallen mitunter mal Bomben oder Menschen aus brennenden Twin Towers. Alltäglicher fallen die Börsenkurse oder es fällt der Regen (im Moment sehr alltäglich).

Fallen kann aber auch sehr angenehm sein. Zum Beispiel wenn man ins Bett fällt, besonders wenn man dieses nicht allein tut und man auch in absehbarer Zeit nicht mehr raus muss. Schön ist auch wenn man sich einfach fallen lassen kann, weil man aufgefangen wird. Die Caesars bringen es da schon auf dem Punkt: „It’s not the fall that hurts, it’s when you hit the ground“. Recht haben sie und schaffen es damit auf meinen “Jay’s Shared Folder-Sampler” (Tja, Herr Monovinyl, ich hab immer noch keine CD zurückbekommen). Bloß wer soll einen auffangen, wenn man nicht fällt? Sich fallen lassen bedeutet für mich auch einfach mal das Ruder aus der Hand zu geben und das Bedürfnis, alles kontrollieren zu wollen kurz mal in den Ablageordner zu verschieben.

Dann wird meine Kontrolle aber doch wieder gefragt, denn die Schnippelfrau fragt mich, wie kurz ich denn gerne die Koteletten hätte und weckt mich damit aus meinen, zwischen vor sich hin dämmern und nachdenken schwankenden, Zustand.

PS: Manchmal fällt mir auch nichts ein, was dazu führt, dass ich entweder nichts blogge oder so nen pseudoschöngeistigen kram wie jetzt. Aber ich werde ab heute meinen Blog wieder mehr Aufmerksamkeit gönnen, versprochen!

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