Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, Februar 14, 2006

Zurück zur Penne

(I-Tunes spielt: Die Schröders – Frau Schmidt)

Jetzt ist es soweit. Es geht wieder in eine Lehranstalt (der Begriff klingt so derbe nach Maßregelung, dass es schon wieder Spass macht). Nicht in irgendeine. Nein, dieselbe in der ich schon damals bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr Laugen-Käse-Baguettes mümmelte, Schulaufgaben in einer dunklen Ecke des Schulhofes abschrieb und mit Schmetterlingen im Bauch den Französischkurs besuchte. Jetzt habe ich tatsächlich die Seiten gewechselt, wenn auch nur für zwei Wochen (vorerst). Der Fußmarsch zur Schule blieb der gleiche: Vorbei an der AOK, an den Wettern entlang, die geheimen Raucherecken der Oberschüler passierend. Desto näher ich der alten Penne komme, desto mehr denke ich: „Wirke ich wirklich soviel reifer, als all die gören?“ Gut ich unterscheide mich durch die nicht vorhandene Baggypants und aus meinen Kopfhörern tönt weder Tokio Hotel noch die Pussycat Dolls. Aber sonst?

Als ich das Schultor heute betrete höre ich pubertäres, nervöses, weibliches Gekicher. „Also wirklich alles wie früher.“, denke ich mir, überlege aber gleichzeitig, ob ich nicht doch lieber den Bart hätte dran lassen sollen. Wenn nur heut zu Tage die Frauen über 14 Jahre auch so leicht zu beeindrucken wären. Zwei Siebtklässlerinnen wünschen mir alles gute zum Valentinstag. Ein knappes „Dankeschön“ murmelnd, ducke ich mich instinktiv in der Erwartung fliegenden Plüschtieren ausweichen zu müssen und laufe auf das Lehrerzimmer zu. *Nur noch wenige Meter… Mist, hab keinen Schlüssel… Gott, sei Dank die Tür geht auf… Puh, Geschafft…* Na, dass kann ja was werden!

Montag, Februar 13, 2006

Bitte nicht beim Selbstmitleid stören!

(I-Tunes spielt: Kettcar – Im Taxi Weinen)

Sonntagnachmittag, es geht nach Hause. Die Uni ist vorerst Passe, die meisten meiner Leute eh weg. Außer dem DSL- Anschluss und den größeren Fernseher hält mich hier nichts mehr. Der Alcohollyday vom Samstagabend wird an diesem Morgen mit Zins und Zinseszins (die Dinge, die ich verdrängen wollte sind wieder präsenter denn je und mein Kopf passt nicht mehr gerde durch die Tür) zurückgezahlt. Als ich endlich im Zug sitze eine ernüchternde Ruhe, mit der mein rastloses Gemüt genauso wenig klarkommt wie mit Lärm. Verzweifelt durchsuche ich meinen I-Pod nach Musik, die mich weder runter reißt die aber auch nicht zu euphorisch klingt. Nach dem Anspielen mehrerer Songs bleib ich schließlich bei den Wallflowers hängen. Jakob Dylan klingt angenehm neutral wie ein Vulkanier, als würde er dem Hörer sagen wollen: „Eure Neutralität, welchen Song beliebt es Ihnen zu lauschen?“. Später höre ich dann Kettcar, dessen Texte zwar sehr nachdenklich aber gleichzeitig manchmal zu kopflastig distanziert wirken als dass sie einen wirklich nahe gehen könnten.

Trotz der Ohrstöpsel höre ich noch wie der Lokführer mit einer ungespielten Heiterkeit und einen Dialekt, bei dem ich nicht unterscheiden kann, ob er irgendwo aus Dunkeldeutschland kommt oder einfach betrunken ist, die Fahrgäste begrüßt. Scheinbar will er mich aus meiner wohlverdienten Lethargie reißen, aber das lasse ich mir nicht gefallen! Als wäre sein (Wir sind alle fröhlich-) Gelaber nicht schon genug erklingt plötzlich das nervige Schnappi- Lied. Verwirrt schaue ich mich um, in Erwartung dass irgendein geisteskranker Fahrgast sich den Schund als Handyklingelton im Jamba- Spar- Abo (Spar- Abo heißt, dass man es sich sparen sollte!) runter geladen hat. Tatsächlich kommt es aus den Zuglautsprechern. „In Horrorfilmen wie Saw gehen doch auch immer Spieluhren an, bevor die morbide Falle zuschlägt…“, denke ich mir und drehe kopfschüttelnd die Lautstärke des MP3-Players auf bevor sich meine Nackenhaare völlig aufstellen und meine Hände zu schwitzen beginnen.

In Hamburg angekommen, warte ich auf meinen Anschlusszug und wundere mich, wo die ganzen Pärchen herkommen, die sich am Bahnsteig entweder nach langer Trennung glücklich in die Arme schließen oder sich Tränenreich voneinander verabschieden. Dem Schnorrer der 50 Cent von mir haben will begegne ich so gleichgültig wie dem vergeblichen Klingeln der Zeugen Jehovas. Naja, er kriegt von mir den Groschen, damit ich mich weiter wehleidig sein kann. Obwohl ich weiß nicht, wie er damit nach Bad Oldesloe kommen will.

Sonntag, Februar 12, 2006

Alles ganz spontan!

(I-Tunes spielt: Such a Surge: Im falschen Film)

Da laust mich doch der Affe! Lange nichts mehr von dem russischen „Schnitten-Pop-Duo“ t.A.Tu. gehört und plötzlich, rums di bums, schlägt man den Stern auf und siehe da: Unter der Rubrik „Was macht eigentlich…?“ (Ja, das habe ich mich auch schon gefragt.) klemmt das Bild samt Interview des beinahe One-Hit-Wonders (hätte beim Anblick des Bildes fast an Tic Tac Toe gedacht). - Ja hatten die jetzt nur einen oder zwei Hits?

Der Stern fragt und die beiden Hühnchen antworten so Motivations- wie Gedankenlos:

Vor zwei Jahren hat die ganze Welt das Pop-Duo Tatu noch für lesbisch gehalten.
ELENA: Wir haben nie gesagt, dass wir lesbisch sind. Wir hatten beide die ganze Zeit einen festen Freund. Aber uns hat niemand gefragt.
Dann war die wilde Knutscherei nur fürs Image?
ELENA: Das kam ganz spontan und emotional. Zum ersten Mal für ein Video. Das hatte nichts mit einer Imagekampagne zu tun.

Bitte was? Ganz spontan? Da sind zwei hetero sexuelle Mädels, die durch die knisternde Erotik, die von den surrenden Kameras und den Scheinwerfern ausgelöst wird, in die Stimmung kommen miteinander rumzulecken? – Also bitte! Die ganze Karriere der Beiden basiert doch auf diesem lesbischen Schulmädchen-Klischee. Ganz spontan bringen die halt so mir nichts dir nichts ihren Vibrator mit zum Konzert. So spontan wie Milli Vanilli in den Achtzigern knallbunt gekleidete, schwarze Kleiderständer mit Rastazöpfen zum Playback auf die Bühne schickten. So spontan wie Ozzy Osbourne zu seinen besten Black Sabbath-Zeiten, der beim Livekonzert einer Taube den Kopf abbiss. Auch Marilyn Mansion beweist ab und an was für ein verdammt spontaner Typ er ist, wenn er sich zum Beispiel, von seiner eigenen Musik verzückt, ganz spontan das Mikro nicht in der Anlage sondern in irgendwelchen Körperöffnungen einstöpselt. Noch spontaner ist er, wenn er sich schon in weiser Voraussicht er könne von der tollen Konzertatmosphäre so emotionally touched zu sein, dass er bei Auftritten das spontane Bedürfnis kriegen könnte sich selbst einen zu (*Beeeep*), ein Rippenpaar rausoperieren lässt.

Ja, so spontan wäre ich auch gern!

Samstag, Februar 11, 2006

Affentheater und Mannsbilder

(I-Tunes spielt: Gorillaz -19-2000)

Jetzt hab ich ihn auch endlich gesehen: Peter Jackson’s supi dupi, 200 quadrillionen-schlubbidiwup-milliarden-Dollar-Remake des 30er Jahre Affentheaters. Muss sagen, ich war tatsächlich genauso beeindruckt von den Motion-Capturing aufnahmen, sowie der Computernachbildung des New Yorks der 30er Jahre, wie wohl damals die Leute mit offenen Mündern die heute albern wirkenden Stop-Motion aufnahmen des Spielzeugäffchens ansahen. Ex-Gollum Andy Serkis hat für die „Rolle“ des Kong bestimmt ne Menge Zeit im Zoo verbracht. Hätte mir auch viel Spass gemacht wie ein Besengter durch den Dschungel zu tollen, Gummidinos zu vermöbeln und mir wie blöde auf die Brust zu trommeln. Aber vielleicht stell ich mir das ja zu romantisch vor.

Die Kinorezi überlasse ich an dieser Stelle lieber
  • Frau Gröner
  • oder
  • IMDB
  • .

    Viel mehr muss ich doch über die Faszination, die ja anscheinend bereits knapp über ein Jahrhundert von den übergroßen Lou Ferigno- (der Unglaubliche Hulk) Look-a-Like mit Affinität (ha, geiles Wortspiel wa?) zur vergleichsweise kleinen, weißen Frauen ausgeht, nachdenken. Was ist so faszinierend an der Banalen „Insel mit Riesenaffen, der sich in weiße Frau verliebt und am Ende tränenreich vom Empire-State-Building geballert wird“- Geschichte. Gibt es da irgendeine implizite Message in diesem Film wie „Buche nie ne Reise nach Skull Island, wenn die Riesengorillas brunftig sind!“? Ist es die Kindheitserinnerung des Kong-Erfinders, wie beim Ausziehen der Barbiepuppe seiner kleinen Schwester seinen ersten Ständer bekommen hat? – Ich würde ihn das gerne fragen.

    Heute könnte man Kong als Gegenstück zum Trend der Metrosexuellen Männer mit rasierter Brust und Eyeliner a la David Beckham sehen. Endlich mal wieder ein echtes Mannsbild als Filmheld, der grunzt, sich die Fußnägel nicht schneidet und nicht mal einen Lendenschurz trägt. (Bei Lendenschurz fällt mir ein, dass eigentlich längst mal wieder ein Tarzan-Remake dran wäre.) Ein Held, der nicht viel redet, sondern handelt, der aber auch mal mit seinem kleinen Goldstück von Frau Sonnenaufgänge beobachtet und rührend tapsig Eislaufen geht. *Süüüüüß*, höre ich das weibliche Publikum seufzen. Jaaa, so muss ein Mann sein.

    Das gilt aber nur für die neueren Verfilmungen. Denn in den 30ern gab es noch keine Metrosexuellen (zumindest nicht den Trend). Obwohl, David Beckham lässt sich auch heute noch häufig in Schwarz-Weiss für die Werbung ablichten. Hätte schon gepasst! Ist es vielleicht doch eher eine „Mensch gegen Natur-Metapher“? Oder will der Film gar aussagen, dass Beziehungen zu impulsiven, animalischen aber romantischen Männern/ Affen keine Zukunft haben und Frau lieber den bodenständigen, schmalbrüstigen und schöngeistigen Adrien Brody (alias Jack) nehmen sollen? Ich weiss es nicht!

    Oder es ist doch einfach nur Effektkino, völlig trivial. Da kann ich ja das nächste Mal den Tiefgang in „Power Rangers – The Movie“ oder „Die Biene Maja – Folge 6“ suchen.

    Freitag, Februar 10, 2006

    Weisheiten einer Friseurin

    I-Tunes spielt: Foo Fighters: Times like these (accoustic)

    „Lass dich einfach fallen!“, sagte mir die junge Frau, während sie meinen Kopf zu sich zog. – Nein, nicht was ihr denkt. Mein Kopf landete nicht in ihrem, durchaus üppigen Dekollete, sondern im Waschbecken zwecks Haare waschen. Fallen lassen konnt ich mich auch im Gegensatzt zum letzten mal, denn dieses Mal war die Schürze, die ich bekam nicht mit Blutbeschmiert. Es war knapp zwei Monate her, dass ich mir zuletzt meine Kopfbehaarung scheren ließ. Irgendwie stand dieser Weg in meiner „Things to do“- Liste nicht besonders weit oben. Wie ihr wisst, gab es (gibt’s jetzt immer noch) ein Faultier zu pflegen, Referate zu halten, Klausuren zu schreiben und eigentlich ja auch nen Blog zu schreiben. Auch letzteres viel häufiger dem Rotstift des Herren Zeit (ja, ich glaube es muss Herr Zeit sein, nicht Frau Zeit) zum Opfer.

    Aber hey, diese vier Worte der guten Schnippelfrau gaben mir plötzlich, wahrscheinlich hervorgerufen durch das als Kopfmassage durchgehende Haare trocken rubbeln, einen erweiterten Sinn. Geht es nicht im ganzen Leben darum? Sich fallen lassen. Warum eigentlich nicht? Einfach mal fünfe gerade sein lassen. „Don’t worry be happy!“ oder so. OK, auch Bobby Mcferrin’ wird heute, da seine Tantiemen mittlerweile ausgehen dürften, eher singen „Have worries, need money“. Aber soweit sind wir noch nicht. Und ich schweife ab, wir waren doch beim „sich fallen lassen“. Fallen hat im Allgemeinen eine recht negative Konnotation. Es fallen mitunter mal Bomben oder Menschen aus brennenden Twin Towers. Alltäglicher fallen die Börsenkurse oder es fällt der Regen (im Moment sehr alltäglich).

    Fallen kann aber auch sehr angenehm sein. Zum Beispiel wenn man ins Bett fällt, besonders wenn man dieses nicht allein tut und man auch in absehbarer Zeit nicht mehr raus muss. Schön ist auch wenn man sich einfach fallen lassen kann, weil man aufgefangen wird. Die Caesars bringen es da schon auf dem Punkt: „It’s not the fall that hurts, it’s when you hit the ground“. Recht haben sie und schaffen es damit auf meinen “Jay’s Shared Folder-Sampler” (Tja, Herr Monovinyl, ich hab immer noch keine CD zurückbekommen). Bloß wer soll einen auffangen, wenn man nicht fällt? Sich fallen lassen bedeutet für mich auch einfach mal das Ruder aus der Hand zu geben und das Bedürfnis, alles kontrollieren zu wollen kurz mal in den Ablageordner zu verschieben.

    Dann wird meine Kontrolle aber doch wieder gefragt, denn die Schnippelfrau fragt mich, wie kurz ich denn gerne die Koteletten hätte und weckt mich damit aus meinen, zwischen vor sich hin dämmern und nachdenken schwankenden, Zustand.

    PS: Manchmal fällt mir auch nichts ein, was dazu führt, dass ich entweder nichts blogge oder so nen pseudoschöngeistigen kram wie jetzt. Aber ich werde ab heute meinen Blog wieder mehr Aufmerksamkeit gönnen, versprochen!

    Mittwoch, Februar 01, 2006

    Die Nemesis der Kopierfee

    Kennt ihr das, wenn man einen so engen Lernzeitplan hat, das man beim Lesen des Stoffes schon die Zeit mitstoppt und im Kopf die "gelesenen Seiten pro Stunde" (gS/h) ausrechnet, weil die Zeit zur Klausur so knapp bemessen ist? - Ich schon seit gestern. Gerade wenn man am wenigsten Zeit hat, passieren die unpassendsten Dinge. Ich reihe mich mal wieder in der Schlange vor dem Kopierer in der Seminarsbibliothek ein. Der Typ, der zwei Schlangenplätze vor mir steht, blättert filmreif jede Seite seines zu kopierenden Buches einzeln um, in einer Zeit in der ich das Buch gelesen hätte (ich bin kein geübter Leser). Warum hat das scheiss Seminar auch nur einen Münzkopierer? Bei dem Tempo könnte ich nebenbei schon mal meine Rentenbescheinigung profilaktisch einreichen, so schnell komm ich hier nicht raus!

    Endlich ich bin dran. Sogar noch 15 Cent meiner Vorgängerin drin. Na das doch ein Angebot! Eine weibliche Stimme meldet sich von der Seite, einen Deut zu Tief um zu der Kopierfee zu gehören. Als ich mich ganz umdrehe merke ich, das es nicht nur ein Deut ist, der sie von einer Fee unterscheidet. Obwohl, wenn Feen einen Rüssel, graue Haut und Traummaße von 104, 105, 104 haben, könnte sie als eine durchgehen. Ob sie mal ganz schnell eine Seite kopieren dürfe, fragt sie. Mit einen grummeligen "Eigentlich hab ich es ja auch eilig. Aber mach mal schnell!", lass ich sie gewähren. Es ist tatsächlich nur eine Seite, nur diese in vielfältiger Ausfertigung. Querdruck, Längsdruck, vergrößert... - Es gibt halt viel Methoden wie man einer Katze das Fell abziehen kann. Aber so weit kommt sie nicht einmal. Der Kopierer lahmt. Lehr. Der Wechsel des Blattfaches hilft nur kurzfristig. Wären es nicht Blankoblätter, die aus sind sondern eine Sachertorte oder ein Kühlschrank, hätte ich es auf sie geschoben.

    Mit einen Hals bis nach Meppen verlasse ich, bereits 20 min nach verabredeter Zeit, die Biblo um selbigen mit Mensafressen zu füllen.