Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Januar 07, 2006

Eminem – Curtain Call (The Best of)














Macht es Sinn über eine Best of – CD eine Rezension zu schreiben? Eigentlich nicht, aber im Falle von Herrn Shady/ Mathers schon wie ich finde. Dokumentiert die Scheibe doch sehr aufschlussreich wie perfekt dieser Mann es beherrscht sich über eine Dekade zu inszenieren. Angefangen als musikalisches Ziehkind von Rap-Altmeister Dr. Dre, der ihn auch am Karrierebeginn noch fleißig featurete (z.B. bei „Guilty Conscience“), präsentierte sich Eminem zunächst mit der Single „My name is…“ als leicht albernes, rappendes Weißbrot, der es darauf verstand, dem „Parental Advisory Explicit Content“-Aufkleber“ auf der Plattenhülle alle Ehre zu machen und mit seinem Videos MTV zum häufigen Gebrauch des „Beep“-Tones zwang. Das Slim Shady Synonym benutzte er dann auch noch für weitere Hits in dem Stil wie „The real Slim Shady“ oder „Without Me“.

Dies sollte aber nur ein Gesicht des Eminem bleiben. Denn mit diesem Stil konnte man es nicht jedem Recht machen. So stand sein echter Name Marshall Mathers (die Initialien M & M ergeben schnell gesprochen Eminem) stand Pate für die autobiographischeren und ernsthafteren Songs wie „Cleaning out my closet“ oder „The way I am“. In diesen Songs brachte er sein Privatleben und seine Gefühle (zumindest seine Version davon) publikumswirksam an den Mann. Diese brachten ihm nicht nur Credibility unter den Fans sondern auch Rechtsstreits über deren Inhalte in denen sowohl seine Mutter als auch seine Exfrau nicht gerade gut wegkamen und sorgte damit für eine Menge zusätzlicher Publicity.
Es war immer wieder witzig zu beobachten wie er gezielt provoziert, sich dann zurücklehnte und mit einem Schmunzeln auf dem Lippen sich entspannt über die Schlagzeilen in der Klatschpresse amüsierte und diese wiederum in seinen Songs auf die Schippe nahm.

Dieser Mann machte sich selbst zur lebenden Kontroverse. Im pseudobiographischen Film „8 Mile“ spielte er einen weißen Rapper der es schwer hat sich in der von Schwarzen dominierten Szene durchzusetzen. Andererseits boykottiert er die MTV Music Awards mit der Aussage: „Ich habe schon so viele von den Awards hier stehen. Ihr überhäuft mich doch nur damit weil ich weiß bin. Gebt die in Zukunft jemand anderem!“ Ähnlich zwiespältig sieht es bei ihm mit der Einstellung zur Homosexualität aus. Mit den ein oder anderen homophoben Text greift er ein (vor allem in den prüden USA) Reizthema auf, provoziert einen Aufschrei in der Klatschpresse um ihn später mit einen Auftritt mit Elton John (an Stelle von Dido in „Stan“) wieder zu besänftigen.

Dies alles lässt sich eben auf „Curtain Call“ noch einmal im Zeitraffer nachresümieren. Die drei neuen Songs sind größtenteils eher Füller. Der Opener „Fack“ ist mehr eine überflüssige Aneinaderreihungen von verbalisierten Perversitäten. „Shake That (feat. Nate Dog)“ ist, wie der Titel vermuten lässt, eher sinnfreier und mäßiger Soundtrack zum bootie shaken, was nicht wirklich Eminem’s Stärke ist. „When I’m gone“ ist daher die einzige ernstzunehmende Neukomposition, die das Album bietet. Ein melancholischer, der Single „Mockingbird“ musikalisch und inhaltlich nicht unähnlicher, gesungener Abschiedsbrief. Der Song greift mit viel Tränendrüsenreiz seinen Konflikt zwischen Popstar und Vater sein auf.

Alles in allem gibst kaum was zu vermissen auf dieser Compilation. Lediglich die Single "Business" fehlt und anstelle der beiden erstgenannten neuen Songs hätte ich lieber älter features, wie zum Beispiel die mit D 12, gehört.

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