Seelen- und Hirnexhibitionismus

Mittwoch, Dezember 21, 2005

No sleep till Eichof

(I-Tunes spielt: Sportsfreunde Stiller: Laut Anhören)

„Endlich mal wieder eine WG-Party!“, dachte ich mir letzten Freitag. OK, es ist meine eigene WG. Aber egal. Schließlich ist es nicht mein Geld, es ist nicht meine Mühe und vor allem sind es nicht meine Freunde. Meine Mitbewohnerin S. erhielt schon früh vor Beginn der Party Unterstützung von ihrer Schwester und ihren Freund. Ich war also aus dem Schneider was die Partyvorbereitung anging und konnte bereits mein erstes Pils genießen. Allerdings genossen S. und ihre Schwester auch schon (es war 17.00 Uhr), was sich später als Problem herausstellen sollte.

Die Party verlief dann sehr rauschend. Singstar erwies wieder einmal nicht nur als hervorragender Partystarter, sondern auch als verlässlicher Nachbarnaufreger und die weiblichen Partygäste aus S.’s Freundeskreis sorgten für Hormonschwankungen bei der anwesenden Männerwelt. Bis ca. 11.00 Uhr blieb mein Zimmer von den Partygästen unberührt, bis eine Gruppe von Sportzigarettenfans sich dort niederließ. Ich stand gerade in der Küche, als ich plötzlich ein lautes Krachen inklusive schallenden, Alkohol beseelten Gelächter vernahm. Ich sah meinem Kumpel mit einen ähnlich begeisterten Gesichtsausdruck wie Joschka Fischer bei seinen Amtsrücktritt an: „Ich glaub das war mein Bett!“. Er: „Warte ich guck mal.“ – kurze Pause, Kopfschütteln – „Es sieht nicht gut aus!“

Ok, das war zu erwarten. Mein Bett war dieses Jahr noch nicht eingestürzt. Es war schon im vorneherein unter „Außerplanmäßige Abschreibungen“ abgebucht und hatte nicht nur mir, sondern auch zuvor meinen Bruder, Jahrelang gute Dienste geleistet. Den Ruhestand hat es sich also verdient und könnte bestimmt einige Geschichten erzählen. Kurzerhand wurde das Bettgestell an die Zimmerwand hochkant gestellt und das Lattenrost samt Matratze wieder als notdürftige Schlafgelegenheit hingelegt. Schlafen war sowieso noch nicht drin, denn man sah S. mittlerweile deutlich an, dass die Bohle zuvor gut angesetzt worden ist die Heimkaraoke neigte sich dem Alkohol geschwängerten Höhepunkt was wiederum die Nachbarn auf den Plan rief.

Nach dem dritten Rufen erreichte der Schall aus meinem Mund S.’s vom Alkohol stark in Mitleidenschaft gezogene Wahrnehmung, so dass die Singstar-Party (der größte Lautstärkepegel) ein Ende fand. Für mich war es jetzt an der Zeit sich unbeliebt zu machen. Denn wie gesagt, es waren ja nicht meine Freunde, die rausgeworfen (ähh, mit in die Disco geschleust) werden mussten. 30 min später waren alle Draußen, ich mit meinen Jungs im „Schuhe-kleben-am-Tanzpakett-fest-Laden“, eine weitere Gruppe in der benachbarten „Schicki-Disco“ und S. konnte ihren Rausch ausschlafen während ihr Freund und ihre Schwester bereits ein bisschen die Bude aufräumten.

Nachdem ich in der Zappelkiste mal wieder die seltene Erfahrung machte, wie es ist nicht auf der Suche nach der „next supposed former“ zu sein und ohne Rücksicht auf Verluste zum letzten Mist abspackte, kehrten wir um 4.00 Uhr übermüdet wieder in der WG ein. Gerade angekommen wurde ich mit folgenden Worten begrüßt: „Tja Jay, dein Zimmer ist wohl belegt!“ „Wie belegt?“, fragte ich. „Na guck doch selbst!“, erwiderte er was ich auch tat. In meinem Gästebett lagen zwei Personen. Die eine identifizierte ich als S.’s gute Freundin N. Die zweite Person war von der gemeinsamen Decke bedeckt, aber zweifelsfrei männlich. Das war das letzte worauf ich gewartet hatte. Meine Ruheoase wurde scheinbar zum Liebesnest transformiert und ich sah meine Chancen auf einen geruhsamen Schlaf dahin fließen.

Wenn es um Schlafentzug geht, bin ich ähnlich kompromissbereit wie Andreas Elzholz ausdrucksstark. So riss ich mein Kopfkissen, dass N. sich offenbar ungefragt gekrallt hatte unter ihrem Kopf weg, motze die Beiden an „WIE GEHT IHR DENN AB? MIT BUMSEN IS HIER ABER GAR NICHT, WISST BESCHEID!!!!“ Ein kurzes Grummeln war zu hören. Ich machte das Licht wieder aus, zog mich aus, legte mich hin und lauschte noch kurz (innerlich tobend), ob sie mir Gelegenheit dazu geben würden sie raus zu werfen. Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, war diese Angst vollkommen unberechtigt. Der männliche Mitschläfer war ebenfalls einer der Partygäste, gut mit N. befreundet und sie hatten beide Klamotten an. Schlaf gekriegt habe ich trotzdem kaum.

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home