Seelen- und Hirnexhibitionismus

Dienstag, Dezember 06, 2005

Malcom X/Y ungelöst

Heute mal nichts zum Schmunzeln. Für ein Referat habe ich mir soeben die von Spike Lee verfilmte Biographie des Afro- Amerikanischen Völkerrechtskämpfers Malcom Little angesehen. Ich muss sagen, dass mir es selten zuvor solche Schwierigkeiten gemacht hat eine Film- bzw. historische Figur als sympathisch oder unsympathisch einzustufen. In (für Hollywoodproduktionen) ungewöhnlich ausführlicher Weise wird Malcoms Werdegang vom kleinen Jungen dessen Familie mehrfach dem Rassismus der Weißen zum Opfer fällt, über seine Gangsterkarriere, seine Haftstrafe aufgrund Beischlafes mit einer weißen Frau, seine dortige Konvertierung zum Islam, sein daraufhin folgender Aufstieg zum populärsten Sprecher der Nation of Islam, der er später den Rücken zukehrt um seinen eigenen Freiheitskampf für die Schwarzen zu kämpfen bis zu seiner Ermordung.

Für Spike Lee, der bekannt dafür ist Filme mit Schwarzen über Schwarzen Schicksale zu drehen, ein Lebenstraum diese historische Person zu Portraitieren. Nur, wissen all die Hip- Hop- und Straßenkids, die es Stars wie Janet Jackson nachmachen und noch heute Caps mit dem X tragen, eigentlich wer dieser Mann war und wofür er stand? Sein Beitrag für die Gleichberechtigung der Schwarzen sei hier unbestritten. Aber ein Appell an die schwarze Bevölkerung sich zu Verteidigen kann natürlich auch fehl gedeutet werden. „I am not against violence in self defense. I don’t even call it violence when it’s self-defense. I call it intelligence.” Dem entgegen steht Martin Luther King’s Aussage, die deutlich macht, dass er Racheakte nicht als Lösung in Betracht zieht. „The old law of an eye for an eye leaves everyone blind.“ Während King Gleichberechtigung zwischen beiden Rassen voranbringen wollte, sprach X lieber von Separatismus. Er meint kein Amerikaner zu sein, da seine Vorfahren es sich nicht ausgesucht haben nach Amerika zukommen, sondern entführt und versklavt wurden. Daher auch das X in seinen Namen, da der Name Little offensichtlich nicht von seinen Afrikanischen Vorfahren stammt, sondern eher von dessen Sklavenbesitzer.

Normalerweise würde ich Integration und die Erhaltung der eigenen Kultur nicht unbedingt als unvereinbaren Gegensatz sehen. Sieht man jedoch die Instrumentalisierung des Christentums, sowie es zumindest im Film dargestellt wird, wird das Problem jedoch deutlicher. Denn die schwarzen sollen sich in einen Glauben fügen, der sie selbst (wie sich herausstellt künstlich, denn sowohl Moses als auch Jesus waren Hebräer und somit zu hoher Wahrscheinlichkeit nicht weiß!) als Untermenschen definiert und sich ihrem Schicksal fügen. Denn, so Gott will, werden sie gerettet werden. Und trotzdem bleibt in der weißen Bevölkerung eher Martin Luther King bewundert und unantastbar. Vielleicht liegt es daran, dass X doch zu radikal und vor allem zu absolutistisch in seinen Ansichten über die Weißen war. Und selbst die lobenswerten Bemühungen des Filmemachers Spike Lee, sowohl Geschichten der Afro- Amerikaner auf die Leinwand zu bringen, als auch die Schwarzen in der Filmindustrie voranzubringen, will für mich irgendwie nicht mit der stereotypen Darstellung der Frau in seinen Filmen zusammenpassen. Wie soll man Diskriminierung einer Gruppe aufheben, wenn man dabei eine andere verstärkt?

Was jedoch die Darstellung des Malcom X angeht, wirkt der Film (mit Ausnahme des Personenkults am Ende des Films in dem mehrere niedliche schwarze Schulkinder aufstehen und schreien: "Ich bin Malcom X!") doch sehr objektiv und stellt auch (zumindest für den aufmerksamen Beobachter) die Fehlleitungen des Charakters da.

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