Seelen- und Hirnexhibitionismus

Donnerstag, Dezember 01, 2005

Jahreswechsel mal anders











Was die Menschen so geil daran finden, dass man Ende Dezember mal nicht das Kalenderblatt abreißt, sondern der Tageszähler ganz weggeworfen wird hab ich nie Verstanden. Aber irgendwie darf man in dieser Nacht auf Teufel komm raus nicht alleine sein, früh ins Bett und schon gar nicht nüchtern sein. Die eine Partei, zu denen ich und mein Freundeskreis schon seit einigen Jahren zählen, beginnen ca. 8 Wochen vorher mit der Planung, welche in der Regel in 3 Stufen verläuft, und ein wenig der heißen Wahlkampfsphase der Bundestagswahl ähnelt: Die ersten 8 Wochen vorher wird lediglich angeregt, in welchem Ort gefeiert wird und die beteiligten Personen ins Auge gefasst. 5 Wochen vorher schlagen alle unterschiedliche (vor allem nicht das eigene Heim) Locations vor. 2 Wochen vorher findet einer keine passende Ausrede und es beginnt die Konkrete Vorbereitungsphase.

Die andere Partei besteht zum einen aus Leuten, die sich für so wichtig halten, dass sie bestimmt auf mehreren Parties eingeladen sind und solchen, die es wohl auch nie werden. Letztere kennen einen dann um drei Ecken, was für sie Begründung genug zu sein scheint um den Gastgeber anzusprechen: „Wir haben gehört ihr feiert bei dir. Können wir auch kommen?“ Genau die sind es denn, die auf der Feier die mit Liebe gemachten Blätterteigtaschen wegmümmeln, sich über die ja viel zu hohe Umlage zu erzürnen und ohne rot zu werden meckern: „Mmpf, schmeckt wie kalte Pizza!“ Ich antworte auf so was gerne: „Was hast du gesagt? Ich versteh dich nicht, wenn du die Backen voll hast!“

Nun ja, die Erwartungen an diesen Abend sind bei vielen hoch. Alle Freunde sollen da sein. Aber bitte auch ein paar nette Single- Mädels/ Jungs mit denen man an so einen Abend ja auch mal abstürzen darf. – Is ja Sylvester, gell? Stattdessen wundern sich dann viele am nächsten Morgen, dass man in einer völlig verrockten Bude alleine zwischen den Altglas aufwacht. Von 20 Uhr an, kann dann keiner den Countdown erwarten. Die Zeit wird mit neckischen Spielchen wie Bleigießen, nicht enden wollender Berlinerkonsum oder gerne auch Raclette/ Fondue totgeschlagen. Je nach Gediegenheitslevel sieht der Turmschlag in etwa so aus. Bei den bereits etwas gesetzteren Partygesellschaften (die „Brot statt Böller-Fraktion“) wird dann eine Rakete angezündet, die mit einen leisen zzzzzit-plop schneller in der Vergessenheit landet, als das Ergebnis des Bleigießens (zu 80 % eine Tropfenform), während der Rest der Gemeinde sich mit Wunderkerzen in der Hand den Arsch ab freut.

Die anderen (so wie wir des Öfteren) gehen um 12 auf den örtlichen Marktplatz, der zu dieser Zeit das Littleton-Massacker wie Kindergeburtstag aussehen lässt. Bei den Anblick möchte ich am liebsten „Apocalypse Now“ zitieren: „Es geht doch nichts über den Geruch von Napalm am Morgen!“ Mit riesigen Sektflaschen bewaffnet läuft man dann durch die Straßen, wirft jeden, den man sonst nicht mal mit dem Arsch angucken würde ein „Frohes neues!“ hinterher und passt auf, das der gegrüßte nicht gerade ein Neo-Nazi ist, der einen den Gruß mit einer Rakete oder Böller beantwortet (Kein Scherz ist echt passiert! Böller vertreiben nicht nur Geister!). Wenn man dann wieder zu Hause ist, ist der Spuk auch schon fast vorbei. Noch einmal den Nudelsalat ausgekratzt und den letzten Berliner ins Maul gedrückt. Aus! Gute Nacht 2005! Guten Morgen Kater!

Warum also läutet man nicht mal das neue Jahr entspannt ein anstelle mit einem Kopf so groß wie Indien, einer zerrockten Bude und Streitgespräch mit der Freundin, weil man um 12 die gute Freundin zu lange gedrückt hat. Ich schlage für den 31. eine lange Wellness- Session mit Sauna und Massage vor. Optimal sollte vorher der Schreibtisch lehr sein (keine Altlasten mit ins neue Jahr nehmen) und alle zwischenmenschlichen, unausgesprochenen Probleme beseitigt sein. Das wäre doch mal ein echter Jahresanfang! Prost!

3 Comments:

Anonymous Jessi said...

Ich dachte, die Chancen stünden gut, Dich/ Euch auf unserer Silvester-Party begrüßen zu können... ;-)

04 Dezember, 2005 16:43

 
Blogger Jay said...

Ja also ,meinen Wellness-Sylvesterplan kann ich ja auch wenn ich 30 bin noch in Angriff nehmen! ;-)

04 Dezember, 2005 17:18

 
Anonymous Kai said...

Hi Jay,
wirklich super lustig, besonder die Passage "Mit riesigen Sektflaschen bewaffnet läuft man dann durch die Straßen, wirft jeden, den man sonst nicht mal mit dem Arsch angucken würde ein „Frohes neues!“ hinterher..." hat mich sehr "belustigt"

Grüße aus Hannover, kai

05 Dezember, 2005 20:44

 

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