Seelen- und Hirnexhibitionismus

Mittwoch, Dezember 07, 2005

Gute Nacht Frohsinn! – Guten Morgen Trübsal

Es ist doch immer dasselbe bei Partys: Wenn sie im Gange sind, der Alkohol fließt und die Puppen tanzen scheint die Welt in Ordnung. Dem Absinth sagt man ja nach, dass man nach dem Genuss eines Glases die Welt noch sieht wie sie ist. Nach dem zweiten ist sie, wie man sie sich wünscht und nach dem dritten ist sie, wie man sie sich nicht wünscht. Hab ich noch nie ausprobiert, aber mit handelsüblichen Spirituosen geht es mir (abgesehen von der Dosis) manchmal recht ähnlich. In der Phase zwischen dem „leicht angetüdelt sein“ und dem „fast breit“ bin ich in meinem Kopf (je nach Tagesform vor der Party) plötzlich attraktiver, ungehemmter und sowieso der geilste. Wenn ich meinen „Alcoholiday“ feier, ist plötzlich jeder hochgezogene Mundwinkel einer weiblichen Person, der andeutungsweise als Lächeln interpretierbar ist, ein eindeutiges Zeichen meines überragenden Sexappeals.

Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung. Der Kopf ist so schwer, dass ich ihn nur mit Mühe von der einen Bettkante (welche komischerweise lehr geblieben ist) zur anderen hieven kann. Der Mann im Spiegel sieht entsetzlich krank aus und lässt nur wenig Hoffnung offen, dass er mit dem Womanizer der vorangegangenen Nacht zumindest verwandt ist. Beim Aufsetzen einer riesigen Kanne Kaffee, die sicherlich für das gesamte 3. Infanterie Regiment nach dem letzten Biwak* reichen würde, lässt man den Abend dann noch mal Revue passieren. „Scheisse, ich kann mich an nichts mehr erinnern.“, denkt man dann, „Warum hab ich eigentlich keine Fotos gemacht?“. „Wie, du hast doch voll viele Fotos gemacht!“, erwidern dann die lieben Mitbewohner. Memo an mich: Das nächste Mal die Beweise an solche Nächte vernichten. Manchmal (ähm, ganz selten, wirklich) offenbart sich hier wahrlich ein worst case- Scenario, dass mich mit zerzausten Haar, roten Augen und einer Haltung, bei der man schwer zwischen horizontal und vertikal unterscheiden kann, zeigt. Ein Anblick, der dann die Alkohol beeinflusste Selbsteinschätzung des Vorabends schlussendlich verneint und den Eindruck zu lässt, dass die Mädels mich nicht an sondern ausgelacht haben.

Doch zum Glück sind die Frauen offensichtlich durch diverse Volksfeste wie Kieler Woche, Kölner Karneval oder das gemeine örtliche Altstadtfest derart auf solche Anblicke desensibilisiert, so dass auch solche Fehltritte einen neuen Eintrag im Handyadressbuch mit sich bringen können.

*Biwak [frz. bivouac = Feldlager, Nachtlager] bezeichnet ein Lager im Freien, aber auch in Zelten oder Hütten vor allem durch Soldaten oder Bergsteiger.

Im Bundeswehrjargon wird BIWAK oft fälschlicherweise als Abkürzung für "Bundeswehr im Wald außer Kontrolle" oder auch "Bundeswehr im Wald am kotzen" verstanden.

4 Comments:

Anonymous kai said...

Tja, was soll ich da noch hinzufügen ??? (Kann der Mann gedanken lesen?!?)...

07 Dezember, 2005 19:30

 
Anonymous Tino said...

Ach Kai ich wette Du siehst auch am nächsten tag noch bezaubernd aus =)
Also ich find dieses verpennte hat so nen Charme, weil meine Frisur dann echt immer sitzt wie ich sie am Abend davor gern gehabt hätte.

07 Dezember, 2005 23:22

 
Anonymous mcwinkel said...

Aber soll das doch sein.
Reinlitern bis zum letzten Tag.

Oder 2 Gläser Absinth und Pegel halten; mal ausprobieren...

09 Dezember, 2005 17:23

 
Anonymous Aitsch said...

BIWAK = Bin im Wald am kampen...

06 Februar, 2006 23:19

 

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