Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Dezember 31, 2005

Das war 2005!

(I-Tunes spielt: Counting Crows: A long december)

Schon wieder ein Jahr rum und ich habe es Gott sei dank einmal geschafft, das TV-Gerät nicht zufällig anzuschalten, wenn gerade ein großer Jahresrückblick mit Günther Jauch oder ähnlichen In-die-Kamera-Grinsern läuft. Ziehe ich doch lieber selber Resümee. Wort des Jahres: Bundeskanzlerin. Ja wir haben jetzt eine Frau am Steuer. Wäre ja nicht weiter schlimm, wäre es nicht so ne Trümmergeburt gewesen. Schröder macht trotz knapper Niederlage (die allerdings nicht knapper ist, als sein damaliger Wahlsieg gegen Stoiber) die Siegerpose und rechnet peinlicher Weise eine Jahrzehnte bestehende Fraktion auseinander. – Sehr suboptimal halt! Unser neuer Bundespräsident zeigt sich in seiner ersten Amtsperiode nur undeutlich menschlicher als Herr Ackermann, bleibt emotional unverbindlich und vertritt in seinen Reden wenig einfallsreich die Stammtischargumente der Arbeitnehmerseite.

Im Irak werden Diktatoren aus Erdlöchern gebuddelt, der Folterskandal um die irakischen Häftlinge ist natürlich ein Einzelfall und der Kopf der dafür hinhalten muss, gehört einer einfachen Soldatin. New Orleans verwandelt sich nach Hurricane Kathrina in eine Sumpflandschaft und beweist, dass es nicht so schlau war, die finanzielle Unterstützung für den Katastrophenschutz zu Gunsten der Anti-Terror-Bekämpfung zu kappen. Ähnlich peinlich sind dann aber auch die „Geschieht den Amerikanern Recht-Kommentare“ von Jürgen Tritt Ihn. Immerhin wird Bush’s Patriot Act vom Senat nur noch befristet verlängert. Ansonsten geht’s in Deutschland aber Aufwärts. Wir sind dank „Ratze the real Benedikt“ wieder Papst, wir kriegen den Zuschlag für die Fußball WM und unsere 11 bolzt sich wieder munter unkoordiniert aber mit einen schießwütigen Podolski durch die Vorbereitungsspiele. Im Kino geht George Lucas’ Sternensaga laut zu Ende und Anakin Skywalker bemerkt, dass ihm Helme einfach gut stehen. Musikalisch nervt vor allem die Pre-Stimmbruch-Band Tokio Hotel sowie das Comeback der Zicknudeln von Tic Tac Toe. – Darauf haben wir gewartet!

Naja, Licht und Schatten halt. Hopalla fast vergessen: Im Oktober erblickt Jay’s shared folder das Licht der Welt. Vielleicht gibt’s im Neuen Jahr ja mal ein Re-Release bei einem anderen Bloganbieter, damit ich mich auch endlich Multimedial austoben kann. Bis dahin, ein Frohes Neues allen Lesern!

Freitag, Dezember 30, 2005

Invasion der Glückshormone

(I-Tunes spielt: Muse: Feeling good)

Nervige, absurde oder anstrengende Sachen lassen sich Prima bloggen. Sie sind unterhaltsam, man kann prima Ironie und Sarkasmus einbauen und das Schmunzeln des geneigten Publikums resultiert dann häufig nicht nur von einer amüsanten Wortwahl sondern auch von einer Prise Schadensfreude. – Nun, eigentlich geht es mir in dem Sinne fasst zu gut zum Bloggen (weshalb ich unter anderem auch die letzten Tagen ziemlich mit Contentabstinenz glänzte). So rege ich mich heute weder über nerfige Weihnachtslieder auf noch übe ich mittlerweile schon inflationär gewordene Konsumkritik.

Das vorangegangene Weihnachtsfest verlief entgegen meiner neutralen bis negativen Erwartungen doch äußerst positiv, was ich größtenteils dem Treffen mit Bruder Nummer 2 zuschreiben muss. Unser Draht zueinander wurde doch in den letzten Jahren sehr durch den Mangel an Begegnungen geschwächt. Diese Entwicklung schien jetzt nach dem Weihnachtlichen Treffen wieder vorüber zu sein. Auch die örtliche Distanz zwischen mir und meinen Homies (dieser Begriff triffts hier im wahrsten Sinne des Wortes) hat unserer Freundschaft nicht einen Kratzer verpasst. Es war mal wieder als währe man nie weg gewesen.

Und dann war da noch dieses Umhaukompliment von meiner neuen Schmuckfee. Es war eines dieser impliziten Kompliment, welche man sonst nur von Axe- Werbespots kennt. Ich schwelge in trauter Zweisamkeit mit ihr in Segelerinnerungen und erinnere mich plötzlich daran, dass das in der Vergangenheit immer prima als zuverlässiges Partygastschlafmittel funktionierte. Als ich mich gerade bereit machte das Gesprächsthema zu ändern bittet sie mich plötzlich sichtlich amüsiert über meine Geschichte und ihren strahlend blauen Augen, die mich Gut und Böse vergessen lassen: „Erzähl noch mehr Segelgeschichten!“ (Meine persönliche Version des Spots: „Los erzähl mir mehr über Fussball.“ – Das war zu viel, ich bin hin und weg von dieser Frau. Fehlt nur noch, dass sie auch gerne PC zockt.

Sonntag, Dezember 25, 2005

Jungs Sache!

(I-Tunes spielt: Millencolin: Penguins & Polarbears)

Was machen Jungs/ beste Freunde, wenn sie beide dasselbe wollen? Dies fragte ich mich vor einigen Wochen, als mein Kumpel L. und ich in dieser Situation waren. Unser beider Objekt der Begierde war Frau X (auch bekannt aus „Das wäre ihr Preis gewesen!“). Ich kannte sie schon länger aus der Uni, e lernte sie auf einer meiner Partys kennen, wo er sie prompt zu seiner einlud. Als ich mich ihm gegenüber äußerte, dass ich mich doch noch ein wenig um sie bemühen wolle, schwieg er mich über seine eigenen Absichten (zumindest vorher) lieber an.

Erst heute, wo das Problem für mich eigentlich schon verjährt war, viel mir wieder ein, wie wir damals mit 11 mit solchen Problemen umgegangen sind. Damals hieß der mit involvierte Kumpel nicht L. sondern D. und das Objekt der Begierde, war keine Frau sondern eine „F 114 Stealth-Fighter“ als Revelbausatzt (ja damals waren wir noch anders zu begeistern), welches im Karstadtregal leider nur einmal vorrätig war. Mit blutenden Herzen entschlossen wir uns damals beide das gute Stück liegen zu lassen und das hart ersparte lieber wieder in lustige Taschenbücher zu investieren. Eine faire Geste war das, wie ich finde.

In der Theorie. Denn in meinen Wahn dieses militante Ding zu besitzen, besuchte ich ganz hinterhältig jenes Kaufhaus ein weiteres Mal und erwarb das Drecksteil. „Ja so muss ein Cowboy sein: dreckig, feige und gemein!“ oder auch „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.“ Ich kann nur heute sagen: „Sorry D., der Geist war willig doch das Fleisch war schwach.“, oder so ähnlich. Ich weiss nicht genau, wie L. jetzt mit dem aktuellen Konflikt umgeht, aber in Anbetracht meiner früheren Fehltritte in Freundschaften und meiner aktuellen, durchaus kommoden Lage ohne Frau X. könnte ich ihm das ein oder andere Telefonat mit ihr verzeihen.

Vielleicht sollte ich ihm sagen, dass ich jetzt einen viel cooleren Bausatz gefunden habe und er den ollen, mittlerweile in die Jahre gekommen F 117 haben kann.

Samstag, Dezember 24, 2005

Toastbrot Baby

(I-Tunes spielt: Counting Crows: Hangin' Around)

Ich bewunderte heute den Mann, der vor mir in der Schlange der Bäckertheke im lokalen Supermarkt stand. Souverän von seinen Einkaufszettel linsend sagt er zu der Bäckereifachverkäuferin: „Ich hätte gerne einmal Golden Toast!“ Im Gegensatz zu mir kann sich die gute das Lachen verkneifen und ich bin kurz davor ihn voller Bewunderung zu Fragen, wie er es geschafft hat in über 20 Jahren Ehe sich immer vor dem Einkaufen zu drücken. Der Mann sollte einen Blog schreiben, finde ich.

Freitag, Dezember 23, 2005

Weihnachtstraditionen in Fishtown

(I-Tunes spielt: The Hives: Hate to say I told you so)

“Ich bin wieder hier in meinem Revier.” Sang einst Warius Wüller Mesternhagen (oder wie er heißt) einmal. Na gut, das bin ich jetzt auch. In der Stadt in der man schon eines respektvollen Blickes in der Dorfsdisko gewürdigt wird, wenn man Klamotten von H & M trägt. Mit offenen Mündern stehen sie dann da, die Musik wird leiser, ein Spot scheint auf einen und der DJ sagt ehrfurchtsvoll in sein Mikro: „Macht Platz für den Mann von Welt! “I’m the real Jay, please stand up!" Die Stadt in der eigentlich zum Ende der Touristensaison abends ab 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden bzw. nur noch für Elfriede und Horst, die gerade vom Kegelclub kommen in Betrieb sind. Die Stadt in der wir früher mit 16 ein Sixpack hinter der Disko platzierten und zum Trinken rausgingen. – Wir hatten ja nichts! Nun zu Weihnachten sind wir alle wieder hier und schwups ist man wieder in den alten Gewohnheiten drin.

Am 24. morgens ab 11 Uhr zum Glühweinmarkt, absolute Pflicht! Das Wort Weihnachtsmarkt wurde schon vor Jahren abgeschafft, denn außer dem Punsch, hat der Fleck schon lange keine weihnachtliche Anziehungskraft mehr für uns. Doch am 24. ist dies anders. An diesen Tag trifft man sie alle, die nicht in Fishtown geblieben sind um eine Karriere als Altenpfleger zu starten. Alle die man länger nicht mehr gesehen hat, einige die man an sich nie mehr sehen wollte aber auch die, mit denen man echt gerne mal wieder einen trinkt, weil man sie echt aus den Augen verloren hat. Ein Standardgespräch verläuft allerdings ungefähr so: Man dreht sich gerade um, stolpert im Gedränge über einen Fuß und schüttet den Bekannten, den man zuvor nicht bemerkte den frisch gekauften Punsch übers Lätzchen. Nach kurzem „Entschuldigung-Ach du bist es“-Geplänkel dann das eigentliche Gespräch:

Er: „Ach, Jay! Du auch hier? Wie geht’s denn so?“
Jay: „Ach ja, geht so. Und selbst?“
Er: „Gut, gut. Was machst du denn so gerade?“
Die logischste Antwort auf diese Frage wäre: „Glühweintrinken und mich mit Leuten Unterhalten, die ich (nicht gerade unbeabsichtigt) aus den Augen verloren habe.“
Folgende Variante werde ich dieses Mal ausprobieren müssen: „Das gleiche wie letztes Jahr, als du mich gefragt hast. Damals hat es dich anscheinend auch nicht interessiert, sonst hättest du es dir gemerkt!“
Bisher kam von mir zugegebenermaßen immer derselbe Sermon. Ich erzähle ihm was ich studiere, frage ihn selbiges und tue so, als wäre es nur die örtliche Entfernung und die Zeit, die seit damals vergangen ist, die zwischen uns steht. OK, vielleicht liegt es auch am Glühwein, dass ich dennoch nett zu ihm bin. Man kann sich nämlich nicht nur Frauen schön, sondern auch ehemalige Schulkameraden netttrinken.

Mittwoch, Dezember 21, 2005

No sleep till Eichof

(I-Tunes spielt: Sportsfreunde Stiller: Laut Anhören)

„Endlich mal wieder eine WG-Party!“, dachte ich mir letzten Freitag. OK, es ist meine eigene WG. Aber egal. Schließlich ist es nicht mein Geld, es ist nicht meine Mühe und vor allem sind es nicht meine Freunde. Meine Mitbewohnerin S. erhielt schon früh vor Beginn der Party Unterstützung von ihrer Schwester und ihren Freund. Ich war also aus dem Schneider was die Partyvorbereitung anging und konnte bereits mein erstes Pils genießen. Allerdings genossen S. und ihre Schwester auch schon (es war 17.00 Uhr), was sich später als Problem herausstellen sollte.

Die Party verlief dann sehr rauschend. Singstar erwies wieder einmal nicht nur als hervorragender Partystarter, sondern auch als verlässlicher Nachbarnaufreger und die weiblichen Partygäste aus S.’s Freundeskreis sorgten für Hormonschwankungen bei der anwesenden Männerwelt. Bis ca. 11.00 Uhr blieb mein Zimmer von den Partygästen unberührt, bis eine Gruppe von Sportzigarettenfans sich dort niederließ. Ich stand gerade in der Küche, als ich plötzlich ein lautes Krachen inklusive schallenden, Alkohol beseelten Gelächter vernahm. Ich sah meinem Kumpel mit einen ähnlich begeisterten Gesichtsausdruck wie Joschka Fischer bei seinen Amtsrücktritt an: „Ich glaub das war mein Bett!“. Er: „Warte ich guck mal.“ – kurze Pause, Kopfschütteln – „Es sieht nicht gut aus!“

Ok, das war zu erwarten. Mein Bett war dieses Jahr noch nicht eingestürzt. Es war schon im vorneherein unter „Außerplanmäßige Abschreibungen“ abgebucht und hatte nicht nur mir, sondern auch zuvor meinen Bruder, Jahrelang gute Dienste geleistet. Den Ruhestand hat es sich also verdient und könnte bestimmt einige Geschichten erzählen. Kurzerhand wurde das Bettgestell an die Zimmerwand hochkant gestellt und das Lattenrost samt Matratze wieder als notdürftige Schlafgelegenheit hingelegt. Schlafen war sowieso noch nicht drin, denn man sah S. mittlerweile deutlich an, dass die Bohle zuvor gut angesetzt worden ist die Heimkaraoke neigte sich dem Alkohol geschwängerten Höhepunkt was wiederum die Nachbarn auf den Plan rief.

Nach dem dritten Rufen erreichte der Schall aus meinem Mund S.’s vom Alkohol stark in Mitleidenschaft gezogene Wahrnehmung, so dass die Singstar-Party (der größte Lautstärkepegel) ein Ende fand. Für mich war es jetzt an der Zeit sich unbeliebt zu machen. Denn wie gesagt, es waren ja nicht meine Freunde, die rausgeworfen (ähh, mit in die Disco geschleust) werden mussten. 30 min später waren alle Draußen, ich mit meinen Jungs im „Schuhe-kleben-am-Tanzpakett-fest-Laden“, eine weitere Gruppe in der benachbarten „Schicki-Disco“ und S. konnte ihren Rausch ausschlafen während ihr Freund und ihre Schwester bereits ein bisschen die Bude aufräumten.

Nachdem ich in der Zappelkiste mal wieder die seltene Erfahrung machte, wie es ist nicht auf der Suche nach der „next supposed former“ zu sein und ohne Rücksicht auf Verluste zum letzten Mist abspackte, kehrten wir um 4.00 Uhr übermüdet wieder in der WG ein. Gerade angekommen wurde ich mit folgenden Worten begrüßt: „Tja Jay, dein Zimmer ist wohl belegt!“ „Wie belegt?“, fragte ich. „Na guck doch selbst!“, erwiderte er was ich auch tat. In meinem Gästebett lagen zwei Personen. Die eine identifizierte ich als S.’s gute Freundin N. Die zweite Person war von der gemeinsamen Decke bedeckt, aber zweifelsfrei männlich. Das war das letzte worauf ich gewartet hatte. Meine Ruheoase wurde scheinbar zum Liebesnest transformiert und ich sah meine Chancen auf einen geruhsamen Schlaf dahin fließen.

Wenn es um Schlafentzug geht, bin ich ähnlich kompromissbereit wie Andreas Elzholz ausdrucksstark. So riss ich mein Kopfkissen, dass N. sich offenbar ungefragt gekrallt hatte unter ihrem Kopf weg, motze die Beiden an „WIE GEHT IHR DENN AB? MIT BUMSEN IS HIER ABER GAR NICHT, WISST BESCHEID!!!!“ Ein kurzes Grummeln war zu hören. Ich machte das Licht wieder aus, zog mich aus, legte mich hin und lauschte noch kurz (innerlich tobend), ob sie mir Gelegenheit dazu geben würden sie raus zu werfen. Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, war diese Angst vollkommen unberechtigt. Der männliche Mitschläfer war ebenfalls einer der Partygäste, gut mit N. befreundet und sie hatten beide Klamotten an. Schlaf gekriegt habe ich trotzdem kaum.

Freitag, Dezember 16, 2005

Das wäre Ihr Preis gewesen!

(I-Tunes spielt: Madsen: Mein Therapeut und ich)

„Heut ist ein wundervoller Tag. Ich hab kein Problem früh aufzustehen.“ Es ist mir scheissegal, dass ich eine halbe Stunde früher aufstehen muss, da mein Fahrrad sich gestrige Nacht nun vollends zerledert hat. So gehe ich heute Per Pedes zur Uni. Statt dem für Dezember angemessenen Schneetreiben, steht heute eher Herbststurm auf der norddeutschen Wetterkarte. Im Mp3-Player laufen die Fantis, mein Gesicht wird von einem breiten Grinsen geziert und die Bäume scheinen sich (so wie ich innerlich) vor Lachen zu schütteln. Grund für diese ungezähmte Heiterkeit ist nicht der blöde TV-Werbespot mit den lebend gewordenen „Inneren Schweinehund“ (eine Art ALF für Arme; kann mich nicht mehr erinnern welches Produkt damit angepriesen worden ist), sondern die Vorfreude auf die Situation, die sich gleich im Kurs ergeben könnte.

Mit steigender Erheiterung stelle ich mir vor, wie ich meiner ehemaligen Flamme vom letzten Wochenende erzähle. In diesem Tagtraum wird sie immer blasser und blasser bzw. röter und röter vor Eifersucht, was mich nur noch mehr in Fahrt bringt. Strahlend würde ich ihr die Zunge rausstrecken und wie ein Dreijähriger (Erdmännchen meine ich. Die sind mit 3 Jahren Geschlechtsreif.) tanzend auf dem Tisch singen: „Ich habe Seeex! Ich habe Seeex!“ Dann würde ich ihr den Rücken zudrehen, mein Gesäß entblößen, darauf deuten und sagen: „Tja, Frau X, das wäre Ihr Preis gewesen!!“

Im Seminarraum angelangt dann wieder einmal die Ernüchterung. Ihre Freundin lässt ausrichten, dass sie heute auf Grund der Party am Vortag nicht kommt. Scheiss Tag!

Donnerstag, Dezember 15, 2005

MC, bitte rette “Wetten Dass?”!!!











(I-Tunes spielt: Fettes Brot: Fast 30)


Jemand die letzte Ausgabe von “Wetten Dass?“ gesehen? Nein? Warum das denn nicht? Der Thommy ist doch immer noch soooo jung geblieben, wenn man den Otto-Spot „Scheiße wohnen, scheiße aussehen, scheiße bleiben!“ (im stylischen, silbernen ramschigen Jacket und Möchtegern-Ghetto-Pose) glauben darf. Ständig versucht er sich (mit mäßigen Erfolg) durch „Balzverhalten Verfallsdaten vom Hals zu halten“ (O-Ton oben genannter Titel) und rückt weiblichen Stars wie Anastasia so derbe auf die Pelle, dass selbige sich schon bereitwillig in die Arme von Thommys Kollegen Günther Jauch flüchtet. – Peinlich. Reicht ja auch schon den goldbärenfarbenen Lockenkopf ständig in Verbraucherinformationen zu sehen.

Höchste Zeit also für eine Ablösung! Dies hat sich auch Vorzeigeblogger und Erfinder der „Faul und Spät“- Bewegung MC Winkel gedacht und ruft auf seiner „whudat!?“-Domain zur Unterstützung auf. Also einfach dem Link unten folgen und dem MC die Stimme geben! Wer noch nie „whudat?!“ gelesen hat, sollte sich beispielsweise folgenden n Film runterladen und reinziehen, um sich von seinen Entertainerqualitäten zu überzeugen:

  • „Apfelmuß/ Ausnullen“


  • Hier Mitvoten!
  • Mittwoch, Dezember 14, 2005

    Weihnachtsgrüße vom Planeten den sie Erde nennen

    (I-Tunes spielt: Such a Surge: Augenblick)

    Weihnachten, das Fest der Liebe. Es kommt immer näher und doch wird das einzig weihnachtliche Gefühl in mir durch eine einsame Kerze in meinem Zimmer bzw. den ein oder anderem Plätzchen, welches ich mir im Seminar von einer Kommilitonin schnorre, erzeugt. Woran das liegt? Ich weiß auch nicht. Eventuell jedoch dadurch, dass ich weiß, dass ich am Heiligabend wahrscheinlich wieder allein auf der Kirchenbank sitzen werde, während meine Mutter vorne sitzt (da sie im Gottesdienst mitwirkt), meine Brüder bei ihren eigenen Familien bzw. bei ihren Schwiegereltern sind und mein Vater… nun ja… ganz woanders. Tja, so spielt das Leben eben. Und so komisch es auch ist. Auch wenn ich gerade nach den letzten Ereignissen ziemlich glücklich bin, so muss ich doch gerade in solchen Momenten manchmal dran denken, dass doch etwas/ jemand fehlt.

    Paps, ich hoffe die haben im Himmel schon Internet und du liest Weblog! Du fehlst mir!


    (PS: Sorry, an alle Mitleser, die nicht mein Vater sind. Morgen ist hier wieder pathosfrei!)

    Dienstag, Dezember 13, 2005

    Cigarettes and Alcohol

    … heißt einer der älteren Oasis-Songs. Und so sehr Gesundheits- und Moralapostel auch meckern werden, ohne sie wäre so manche Kopulation nicht von statten gegangen. So unerotisch ich persönlich es auch finden mag, meinem Flirtopfer liebevoll zum Tod durch Lungenkrebs zu verhelfen in dem ich ihr Feuer oder Zigarette spende, dass typische „Haste mal Feuer?“ gilt immer noch als Klassiker unter den Anmachsprüchen. Umso mehr muss man aufpassen, wenn man wirklich nur dem Zigarettenkonsum frönen will. Auf diese Weise hatte zuletzt eine gute Bekannte einen Typen am Hals, den sie so schnell loswurde wie Peter Maffay seine Gesichtswarze (gar nicht). Tja, die Theorie dass Frauen immer das Gegenteil sagen was sie meinen haut halt nicht immer hin.

    Besonders nicht, wenn sie sich schon mehr Mut angetrunken haben als Kamikazeflieger über Pearl Harbor. Im Normalfall verkleidet am Ende der Party der Mann seine Kopulationsabsichten mit Ritterlichkeit: „Du solltest nicht alleine Nachhause gehen, ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich morgen früh in der Zeitung lese, dass dir was zugestoßen ist.“ – „Nee, ist klar!“, denkt sich die dem Beischlaf nicht abgeneigte Frau in sich hineinschmunzelnd und willigt ein. Vor der Haustür angekommen dann das obligatorische (je nachdem was gerade im Haus ist) „Kommst noch mit rauf auf ein Spiegelei/ einen Kaffe?“.

    Nur manchmal, in ganz seltenen Fällen geschieht es. Ich nenne ihn mal den „Pearl Harbor-Fall“. Der Fall, auf dem so gut wie kein Mann vorbereitet ist, weil Mann nicht damit rechnet. (Mal die Typen, die schon mit Zahnbürste und Wechselboxershorts in der Jackentasche losgehen ausgenommen.) Sie sagt, mit einer Selbstverständlichkeit die ihresgleichen sucht die magischen Worte: „Ich wollte bald nach Hause, kommste mit? Verabschiede dich eben von deinen Freunden und dann treffen wir uns draußen ja?“ Während man sich dann fast am Bier verschluckt, bleibt selbst bei schlagfertigen Mitgliedern nur noch ein „Ähm, OK. Bis gleich!“

    Halten wir also fest und rechnen mal nach: Eine Erhöhung der Tabaksteuer würde eine Senkung des Zigarettenkonsums und somit auch die Anzahl der Anmachsprüche reduzieren. Mit einer Erhöhung der Alkoholsteuer gäbe es zwar eventuell weniger Alkoholiker, aber eben auch so manch eine Paarbildung verhindern, was letztendlich so manch einen Menschen in die dauerhafte Einsamkeit und somit in die Depression führen würde. Die Krankenkassen würden somit nicht entlastet. Des Weiteren würde der Bedarf an Verhütungsmitteln, Kinderkleidung, Spielzeug, Einfamilienhäusern und was weiß ich sonst noch sinken. Die Konsumkurve würde immer weiter nach unten sinken, keine Investitionen mehr, Deutschland würde mehr und mehr veraltern. Ein Land als riesiges Altersheim, in dem Rentner aus allen Möglichen Zivilisationen harmonisch zusammen ihre Tabletten runterspülen.

    Um diesen Schreckensszenario entgegenzuwirken fordere ich von der Bundesregierung, die „Du bist Deutschland!“- Kampagne zu beenden und stattdessen die Litfasssäulen mit Plakaten wie „Beer, it’s your friend!“ oder „Beer, helps ugly people having sex!“ bekleben zu lassen.

    Montag, Dezember 12, 2005

    Just smile! V 2

    Und schon wieder Netzdreck zum Schmunzeln gefunden. Diesmal bediente man sich des Action-Spiel-Klassikers Counterstrike. Wie es aussieht, wenn die veraltete Physikengine von Laiendarstellern nachgespielt wird, zeigt dieses Video hier:

  • Real-Life-Counterstrike
  • Freitag, Dezember 09, 2005

    His name was Robert Paulson

    Kennt ihr das auch? (Ok wenn, dann kennen es nur die Studenten unter Euch.) Ihr sitz schon seit einem halben Semester in einem Kurs und plötzlich, wie Moses am Ostersonntag (ach nee das war der andere), ist da plötzlich so ein Typ. Ein Typ, der bisher in friedlicher Koexistenz mit Euch gelebt hat. Ein Typ der eigentlich nicht Eurer Aufmerksamkeit entgangen sein dürfte, weil er doch so gar nicht ins Gesamtbild, sprich den Prototypen des 0815-Studenten entspricht. So ging es mir gestern. Solche Erlebnisse kenne ich sonst höchstens aus Serien wie Lost oder diversen Star Trek- Spin Offs. Da wundert man sich: „Hey, den Fähnrich Hans Wurst an der Steuerkonsole oder den Sicherheitsoffizier Lieutenant Dings Bums hab ich noch nie in der Serie gesehen. Viel zu sagen hat der entsprechende Laiendarsteller, der gerade eine 3- jährige Ausbildung als professioneller Knöpfe-in-der-Kulisse-Drücker (ohne zu wissen wofür sie sind) abgeschlossen hat, auch nicht.“ Man hat den Gedanken noch nicht zu ende Gedacht, da macht es Bums, eine Protonenleitung explodiert, weil den Klingonen beim drei dimensionalen Schachspielen langweilig geworden ist und die Enterprise angreifen. Die Diagnose des Doktors (mit ganz, ganz betroffenen Blick: „Captain, wir haben Fähnrich Hans Wurst verloren.“, oder etwas unpersönlicher auf der alten Enterprise: „Er ist tot Jim.“

    Aber die Realität sieht anders aus. In der Realität stirbt der geheimnisvolle Fremde nicht. Er ist präsenter denn je. So zumindest in meinem Erlebnis gestern. Er fiel mir schon vor Beginn der Stunde auf, als er mit seinen Schnürsenkellosen Halbschuhslippern über den Seminarsboden zum Platz neben meiner Kopiererfee (ihr erinnert Euch: Wack Wednesday) schlurfte, dort stehen blieb und begann sich dort häuslich niederzulassen. Diesen Platz hätte selbst ich gemieden, der das Wort Beischlaf nicht nur aus einem Buch kennt. Doch bei diesem Kaliber von Frau, hätte ich doch zu große Befürchtungen gehabt, dass sich im Verlauf der Stunde meine Tischplatte, wie von Geisterhand anhebt. Er hat kein Problem damit, sie jedoch schon. Trotz seiner charmant wirkenden Zahnlücke, die ihm es ihm ermöglichen würde zu Pfeifen ohne den Mund zu öffnen, seines Al Borland-Gedächtnis-Holzfäller Hemd, seiner Wildlederweste und einer Doppelcord-Hose, die selbst mein Opa nicht mehr anziehen würde. Die Frauen sind auch wählerisch heut zu Tage, man kann den auch nichts Recht machen! Dezent macht sie ihm deutlich, dass ihre Freundin gleich noch kommen würde und er doch bitte entsprechend den Platz frei lassen möchte. Nun, die Mädels in der Reihe davor haben entweder kein Problem mit ihm oder ihnen fällt keine Ausrede mehr ein.

    Der Kurs beginnt. Es geht um afro- amerikanische Literatur. Der Dozent fragt, ob wir in irgendeiner Weise mit den Roman Helden, einen Schwarzen der im Affekt einen Mord begeht, sympathisieren würden. Er meldet sich, er kommt dran. „Jetzt kommts.“, denke ich mir als ich plötzlich seine Ähnlichkeit mit dem Killer im französischen Splatterfilm „Haute Tension“ (auch als „Switchblade Romance“ oder „High Tension“ bekannt) erkenne, der sich immer gerne sein blutiges Rasiermesser an seinem Arbeitsblaumann abzuwischen pflegte. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, was die Amerikaner mit den Begriff „Redneck“ meinen, aber der Begriff passte zu ihm wie Narzissmus zu Mariah Carey. Mit einem übel klingenden Südstaatenakzent, den man anscheinend auch sprechen kann ohne die Zähne auseinander zu bekommen sagte er: „Welll, I cän’t identify wiz thiz charekter. This story has notting to do wiz my life.“ Mehr als ein „OK, any other opinions?“, wusste der Dozent darauf nicht mehr zu sagen. Ich auch nicht. Aber ich warf in dem Moment mein letztes Mitleid an ihn (er kann ja nichts dafür, dass in seiner Heimatstadt alle die gleiche Haar- und Augenfarbe haben und weitestgehend den gleichen Nachnamen haben) über Bord.

    Donnerstag, Dezember 08, 2005

    Just smile!

    Es ist mal wieder kalt draussen und Jay sitzt nachmittags bei angezündeter Kerze (wirklich das einzige weihnachtliche in meinem Zimmer) unmotiviert vor dem Rechner und versucht sich vor der Arbeit zu drücken. Beim wahrlosen surfen stolpert man dann doch manchmal über Amüsanten Netzdreck, der mir diesen tristen Tag gerettet hat und mein Zimmer mit schallenden Gelächter ausgefüllt hat. Viel Spaß damit!!

    Noch nie einen so witzigen Spiele Trailer gesehen (aber nichts für leute mit schwachem Magen):
  • Jump and Run


  • Und so einen soll ich später mal unterrichten? - Unbedingt auschecken!

  • Aladdins -Story
  • Mittwoch, Dezember 07, 2005

    Gute Nacht Frohsinn! – Guten Morgen Trübsal

    Es ist doch immer dasselbe bei Partys: Wenn sie im Gange sind, der Alkohol fließt und die Puppen tanzen scheint die Welt in Ordnung. Dem Absinth sagt man ja nach, dass man nach dem Genuss eines Glases die Welt noch sieht wie sie ist. Nach dem zweiten ist sie, wie man sie sich wünscht und nach dem dritten ist sie, wie man sie sich nicht wünscht. Hab ich noch nie ausprobiert, aber mit handelsüblichen Spirituosen geht es mir (abgesehen von der Dosis) manchmal recht ähnlich. In der Phase zwischen dem „leicht angetüdelt sein“ und dem „fast breit“ bin ich in meinem Kopf (je nach Tagesform vor der Party) plötzlich attraktiver, ungehemmter und sowieso der geilste. Wenn ich meinen „Alcoholiday“ feier, ist plötzlich jeder hochgezogene Mundwinkel einer weiblichen Person, der andeutungsweise als Lächeln interpretierbar ist, ein eindeutiges Zeichen meines überragenden Sexappeals.

    Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung. Der Kopf ist so schwer, dass ich ihn nur mit Mühe von der einen Bettkante (welche komischerweise lehr geblieben ist) zur anderen hieven kann. Der Mann im Spiegel sieht entsetzlich krank aus und lässt nur wenig Hoffnung offen, dass er mit dem Womanizer der vorangegangenen Nacht zumindest verwandt ist. Beim Aufsetzen einer riesigen Kanne Kaffee, die sicherlich für das gesamte 3. Infanterie Regiment nach dem letzten Biwak* reichen würde, lässt man den Abend dann noch mal Revue passieren. „Scheisse, ich kann mich an nichts mehr erinnern.“, denkt man dann, „Warum hab ich eigentlich keine Fotos gemacht?“. „Wie, du hast doch voll viele Fotos gemacht!“, erwidern dann die lieben Mitbewohner. Memo an mich: Das nächste Mal die Beweise an solche Nächte vernichten. Manchmal (ähm, ganz selten, wirklich) offenbart sich hier wahrlich ein worst case- Scenario, dass mich mit zerzausten Haar, roten Augen und einer Haltung, bei der man schwer zwischen horizontal und vertikal unterscheiden kann, zeigt. Ein Anblick, der dann die Alkohol beeinflusste Selbsteinschätzung des Vorabends schlussendlich verneint und den Eindruck zu lässt, dass die Mädels mich nicht an sondern ausgelacht haben.

    Doch zum Glück sind die Frauen offensichtlich durch diverse Volksfeste wie Kieler Woche, Kölner Karneval oder das gemeine örtliche Altstadtfest derart auf solche Anblicke desensibilisiert, so dass auch solche Fehltritte einen neuen Eintrag im Handyadressbuch mit sich bringen können.

    *Biwak [frz. bivouac = Feldlager, Nachtlager] bezeichnet ein Lager im Freien, aber auch in Zelten oder Hütten vor allem durch Soldaten oder Bergsteiger.

    Im Bundeswehrjargon wird BIWAK oft fälschlicherweise als Abkürzung für "Bundeswehr im Wald außer Kontrolle" oder auch "Bundeswehr im Wald am kotzen" verstanden.

    Dienstag, Dezember 06, 2005

    Malcom X/Y ungelöst

    Heute mal nichts zum Schmunzeln. Für ein Referat habe ich mir soeben die von Spike Lee verfilmte Biographie des Afro- Amerikanischen Völkerrechtskämpfers Malcom Little angesehen. Ich muss sagen, dass mir es selten zuvor solche Schwierigkeiten gemacht hat eine Film- bzw. historische Figur als sympathisch oder unsympathisch einzustufen. In (für Hollywoodproduktionen) ungewöhnlich ausführlicher Weise wird Malcoms Werdegang vom kleinen Jungen dessen Familie mehrfach dem Rassismus der Weißen zum Opfer fällt, über seine Gangsterkarriere, seine Haftstrafe aufgrund Beischlafes mit einer weißen Frau, seine dortige Konvertierung zum Islam, sein daraufhin folgender Aufstieg zum populärsten Sprecher der Nation of Islam, der er später den Rücken zukehrt um seinen eigenen Freiheitskampf für die Schwarzen zu kämpfen bis zu seiner Ermordung.

    Für Spike Lee, der bekannt dafür ist Filme mit Schwarzen über Schwarzen Schicksale zu drehen, ein Lebenstraum diese historische Person zu Portraitieren. Nur, wissen all die Hip- Hop- und Straßenkids, die es Stars wie Janet Jackson nachmachen und noch heute Caps mit dem X tragen, eigentlich wer dieser Mann war und wofür er stand? Sein Beitrag für die Gleichberechtigung der Schwarzen sei hier unbestritten. Aber ein Appell an die schwarze Bevölkerung sich zu Verteidigen kann natürlich auch fehl gedeutet werden. „I am not against violence in self defense. I don’t even call it violence when it’s self-defense. I call it intelligence.” Dem entgegen steht Martin Luther King’s Aussage, die deutlich macht, dass er Racheakte nicht als Lösung in Betracht zieht. „The old law of an eye for an eye leaves everyone blind.“ Während King Gleichberechtigung zwischen beiden Rassen voranbringen wollte, sprach X lieber von Separatismus. Er meint kein Amerikaner zu sein, da seine Vorfahren es sich nicht ausgesucht haben nach Amerika zukommen, sondern entführt und versklavt wurden. Daher auch das X in seinen Namen, da der Name Little offensichtlich nicht von seinen Afrikanischen Vorfahren stammt, sondern eher von dessen Sklavenbesitzer.

    Normalerweise würde ich Integration und die Erhaltung der eigenen Kultur nicht unbedingt als unvereinbaren Gegensatz sehen. Sieht man jedoch die Instrumentalisierung des Christentums, sowie es zumindest im Film dargestellt wird, wird das Problem jedoch deutlicher. Denn die schwarzen sollen sich in einen Glauben fügen, der sie selbst (wie sich herausstellt künstlich, denn sowohl Moses als auch Jesus waren Hebräer und somit zu hoher Wahrscheinlichkeit nicht weiß!) als Untermenschen definiert und sich ihrem Schicksal fügen. Denn, so Gott will, werden sie gerettet werden. Und trotzdem bleibt in der weißen Bevölkerung eher Martin Luther King bewundert und unantastbar. Vielleicht liegt es daran, dass X doch zu radikal und vor allem zu absolutistisch in seinen Ansichten über die Weißen war. Und selbst die lobenswerten Bemühungen des Filmemachers Spike Lee, sowohl Geschichten der Afro- Amerikaner auf die Leinwand zu bringen, als auch die Schwarzen in der Filmindustrie voranzubringen, will für mich irgendwie nicht mit der stereotypen Darstellung der Frau in seinen Filmen zusammenpassen. Wie soll man Diskriminierung einer Gruppe aufheben, wenn man dabei eine andere verstärkt?

    Was jedoch die Darstellung des Malcom X angeht, wirkt der Film (mit Ausnahme des Personenkults am Ende des Films in dem mehrere niedliche schwarze Schulkinder aufstehen und schreien: "Ich bin Malcom X!") doch sehr objektiv und stellt auch (zumindest für den aufmerksamen Beobachter) die Fehlleitungen des Charakters da.

    Montag, Dezember 05, 2005

    Schöne Beschehrung für die Plattenindustrie

    Adventszeit: Eine herrliche Zeit! Kinder tummeln sich im Schnee (Matsch), Familien machen gemütliche Einkaufsbummel durch die Innenstadt (solange sie nicht unter Klaustrophobie leiden) und (endlich) läuft Harry Potter wieder im Kino. Ob der Stern über Bethlehem leuchtet, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber er leuchtet auf jedem Fall über Karstadt und Mediamarkt. Genau diese Zeit ist es, in der Musiker sich eine kleine kreative Schaffenspause gönnen und trotzdem mächtig Kohle scheffeln (auf jedem Fall die Plattenfirmen). Ja richtig: Best of- Platten! Wer noch nicht lange genug besteht darf auch gerne ein Remix- oder Livealbum veröffentlichen. Die letzten Jahre waren unter anderem Robbie Williams, REM und No Doubt dran. Schauen wir doch mal welche Platten sich dieses Jahr als potenzielle Gabentischfüller präsentieren.

    Die Fantastischen Vier: Best of 1990-2005
    Ja ja, wie könnte ich die kleinen Fantis vergessen, sie waren ja soooo süüüüß damals. Unbekümmert zuckten sie, Cappi und Baggipants tragender Weise, durch die Videoclips und rappten, damals für uns noch völlig ungewohnt und z.T. peinlich wirkend, über Samenergüsse und Verwechslungsgeschichten. Jedoch negierten sie schon damals erfolgreich jegliche bis dahin bestehenden Rap- Klischees. Nach 15 Jahren Entwicklungshilfe in Sachen Deutschrap und der Entwicklung von Teeniepop- Band zu einer Generationen übergreifend begeisternden Formation, die mit ihren Fans gewachsen ist. Nun zur Compilation: Die Doppelscheibe enthällt natürlich alle Singleauskopplungen der Vier inklusive der alten, nur den Fans bekannten, Peinlichkeiten a la „Hausmeister Thomas D.“ und „Mikrofonprofessor“ sowie ein Paar nicht ausgekoppelte Songs wie z.B. die grandiose Unplugged-Version von Millionen Legionen. Da es jedoch keine Neuveröffentlichungen auf den Scheiben gibt, wird sie für Fans nur in der Limited Edition interessant sein, da hier ein Tape mit den ersten Gehversuchen der Vier (damals noch als Terminal Team englisch rappend) beiliegt. Wer einen musikalisch stärkeren und beindruckeren Mitschnitt der Bandkarriere holen will, besorgt sich lieber entweder die „Live in Stuttgart“ Doppel CD, die „MTV Unplugged“ oder „Viel Unterwegs“!

    Blink 182: Greatest Hits
    Blink sind und waren in Deutschland wohl die einzige charttaugliche Ami-Punk-Band (außer Green Day und Offspring natürlich). Bei uns wurden sie unter anderem durch einen Kurzauftritt im Film „American Pie“ und maßgeblichen Beiträgen zur gleichen Filmserie bekannt. Der Name Greatest Hits ist aber ein bisschen irreführend, weil es eigentlich eine reine Singlesammlung ist. Macht bei einer Punkband wenig Sinn, da jeder Song eh maximal 3 Minuten dauert, also viel mehr auf eine Scheibe passen würde. Außerdem konnte ich bei den letzten 3 Alben (also seit „Enema of the State“) kaum eine Steigerung der Band verfolgen. Sprich: man braucht eh nicht zwingend alles von den Jungs. Immerhin gibt es eine kleine Bonus DVD mit 3 Konzertvideos und kleinen Making Offs.

    Nightwish: Highest Hopes - The Best of Nightwish
    Über diese Band kann ich nicht viel Erzählen, denn ich trage für gewöhlich kein schwarz und schminke mich nicht leichenblass. Witzig finde ich an diesen Release nur, dass er am scheinbaren Zenit der Bandkarriere stattfindet. Waren die Finnen zwar schon Jahrelang in der Gothikszene in aller Ohren aber erst seit dem Erfolg der Genreähnlichen Bands wie HIM oder Evanescence wirklich Massenkompatibel. Entweder dachten sich Nightwish „Man soll aufhören wenn’s am schönsten ist!“ oder „Wir machen das jetzt mit der Best of, solange wir in aller Munde sind. Und viele haben unsere alten Sachen eh noch nicht.“.



    Donnerstag, Dezember 01, 2005

    Jahreswechsel mal anders











    Was die Menschen so geil daran finden, dass man Ende Dezember mal nicht das Kalenderblatt abreißt, sondern der Tageszähler ganz weggeworfen wird hab ich nie Verstanden. Aber irgendwie darf man in dieser Nacht auf Teufel komm raus nicht alleine sein, früh ins Bett und schon gar nicht nüchtern sein. Die eine Partei, zu denen ich und mein Freundeskreis schon seit einigen Jahren zählen, beginnen ca. 8 Wochen vorher mit der Planung, welche in der Regel in 3 Stufen verläuft, und ein wenig der heißen Wahlkampfsphase der Bundestagswahl ähnelt: Die ersten 8 Wochen vorher wird lediglich angeregt, in welchem Ort gefeiert wird und die beteiligten Personen ins Auge gefasst. 5 Wochen vorher schlagen alle unterschiedliche (vor allem nicht das eigene Heim) Locations vor. 2 Wochen vorher findet einer keine passende Ausrede und es beginnt die Konkrete Vorbereitungsphase.

    Die andere Partei besteht zum einen aus Leuten, die sich für so wichtig halten, dass sie bestimmt auf mehreren Parties eingeladen sind und solchen, die es wohl auch nie werden. Letztere kennen einen dann um drei Ecken, was für sie Begründung genug zu sein scheint um den Gastgeber anzusprechen: „Wir haben gehört ihr feiert bei dir. Können wir auch kommen?“ Genau die sind es denn, die auf der Feier die mit Liebe gemachten Blätterteigtaschen wegmümmeln, sich über die ja viel zu hohe Umlage zu erzürnen und ohne rot zu werden meckern: „Mmpf, schmeckt wie kalte Pizza!“ Ich antworte auf so was gerne: „Was hast du gesagt? Ich versteh dich nicht, wenn du die Backen voll hast!“

    Nun ja, die Erwartungen an diesen Abend sind bei vielen hoch. Alle Freunde sollen da sein. Aber bitte auch ein paar nette Single- Mädels/ Jungs mit denen man an so einen Abend ja auch mal abstürzen darf. – Is ja Sylvester, gell? Stattdessen wundern sich dann viele am nächsten Morgen, dass man in einer völlig verrockten Bude alleine zwischen den Altglas aufwacht. Von 20 Uhr an, kann dann keiner den Countdown erwarten. Die Zeit wird mit neckischen Spielchen wie Bleigießen, nicht enden wollender Berlinerkonsum oder gerne auch Raclette/ Fondue totgeschlagen. Je nach Gediegenheitslevel sieht der Turmschlag in etwa so aus. Bei den bereits etwas gesetzteren Partygesellschaften (die „Brot statt Böller-Fraktion“) wird dann eine Rakete angezündet, die mit einen leisen zzzzzit-plop schneller in der Vergessenheit landet, als das Ergebnis des Bleigießens (zu 80 % eine Tropfenform), während der Rest der Gemeinde sich mit Wunderkerzen in der Hand den Arsch ab freut.

    Die anderen (so wie wir des Öfteren) gehen um 12 auf den örtlichen Marktplatz, der zu dieser Zeit das Littleton-Massacker wie Kindergeburtstag aussehen lässt. Bei den Anblick möchte ich am liebsten „Apocalypse Now“ zitieren: „Es geht doch nichts über den Geruch von Napalm am Morgen!“ Mit riesigen Sektflaschen bewaffnet läuft man dann durch die Straßen, wirft jeden, den man sonst nicht mal mit dem Arsch angucken würde ein „Frohes neues!“ hinterher und passt auf, das der gegrüßte nicht gerade ein Neo-Nazi ist, der einen den Gruß mit einer Rakete oder Böller beantwortet (Kein Scherz ist echt passiert! Böller vertreiben nicht nur Geister!). Wenn man dann wieder zu Hause ist, ist der Spuk auch schon fast vorbei. Noch einmal den Nudelsalat ausgekratzt und den letzten Berliner ins Maul gedrückt. Aus! Gute Nacht 2005! Guten Morgen Kater!

    Warum also läutet man nicht mal das neue Jahr entspannt ein anstelle mit einem Kopf so groß wie Indien, einer zerrockten Bude und Streitgespräch mit der Freundin, weil man um 12 die gute Freundin zu lange gedrückt hat. Ich schlage für den 31. eine lange Wellness- Session mit Sauna und Massage vor. Optimal sollte vorher der Schreibtisch lehr sein (keine Altlasten mit ins neue Jahr nehmen) und alle zwischenmenschlichen, unausgesprochenen Probleme beseitigt sein. Das wäre doch mal ein echter Jahresanfang! Prost!