Seelen- und Hirnexhibitionismus

Donnerstag, November 24, 2005

Hansen Band - Keine Lieder über Liebe














Supergroups (Bands die sich aus Mitgliedern verschiedener Gruppen zusammensetzen) sind in. Beispiele hierfür sind z.B. Audioslave (Rage against the machine/ Soundgarden) oder Velvet Revolver (Guns n’ Roses/ Stone Temple Pilots). Im deutschsprachigen Raum war dies bisher eher unüblich. Ebenso selten waren bisher Filmbands. Hier fallen mir im Moment nur die Bandits, vom gleichnamigen Roadmovie, ein.

Hansen (nicht zu verwechseln mit „Mmm bop, bab dab doo wop“-Hanson) sind Beides. Eigens für den albumtitelgebenden Kinofilm kamen hier Mitglieder der deutschen Indie-Bands Tomte und Kettcar zusammen. Damit aber nicht nur die Musik im Film stimmte, buchte man Schauspieler Jürgen Vogel als Frontmann der Gruppe, der erstmal Singen lernen musste. Wie der Film ist, weiß ich nicht. Das musikalische Ergebnis dieser Kollaboration kann sich aber wirklich sehen, äh hören lassen. Die Handschrift der beiden Ursprungsbands (besonders von Kettcar) ist dabei nicht zu überhören.

Bei Liedern wie „18. Stock“ meine ich sogar, die Kettcar- Stimme zu hören. Bei den Single-Auskopplungen „Kamera“ und „Baby Melancholie“ hingegen merkt man sofort den Unterschied den Vogels Gesang den Songs mitgibt: Sie wirken durch seine nicht ganz vollkommene, aber durchaus gute Stimme, ein wenig erdiger. Letztgenannter Song erinnert mich auch ein wenig an die frühen Travis, vor ihren „Why does it always rain on me?“- weinerlichen Zeiten. Ebenfalls Kettcar- typisch sind die Texte. Auf subtile, manchmal leicht ironische Weise schleicht sich zwischen den kleinen Gefühlsduseleien (eben doch ein paar Lieder über Liebe) eine Prise Sozialkritik ein.

Im Gegensatz zu den Tretmobilen sind die Hansenlyriks dann aber doch ein bisschen eingängiger, wenn auch unpoetischer. Zeilen wie: „Niemand ist gern allein, wenn mal ein Krieg ausbricht. Und Niemand ist gern zu dritt, wenn eine Träne fließt.“, haben eine Menge Identifikationspotenzial und wirken durch die rockige Verpackung (mal schrammelig, mal Britpop-like) eher ehrlich als schmalzig. – Tja, die Zeiten in denen Fans von deutschsprachiger Musik Echt kaufen mussten sind scheinbar vorbei!

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