Seelen- und Hirnexhibitionismus

Freitag, November 25, 2005

Besserwisserboy

Es gibt ihn scheinbar in jedem Kurs: Den Besserwisserboy. Meine persönliche Nemesis. Man erkennt ihn zum Beispiel am, von mir schon häufig gerügten, Fingerschnippen beim Melden, an einen Kilo Bücher zum daraus Zitieren bei Referaten und (so ungern ich dieses Klischee bestätige) er trägt zu 80 % eine Brille. Wäre er ein Fisch, so wäre ein Langweiler-Fisch. Ihr wisst schon, diese großen, schmalen mit den langen Gesichtern, die ca. 4 Stunden brauchen um einmal ein 50 cm Aquarium zu durchschwimmen und dabei ganz Langsam das Maul auf und zu Bewegen. Selbst bei den Langweiler Fischen kann man sich sicher sein: Die können nichts tolles, abgesehen von den tollen LAN- Parties, die sie einmal die Woche organisieren.

Aber zurück zum Besserwisserboy. Einer dieser Spezies sitzt in meinen Donnerstag 10 Uhr Kurs. Gewohnheitsgemäß trennen gerade mal 2 Sitzplätze ihn und mich, die von zwei Mädels belegt werden (mit einer von beiden bin ich recht gut befreundet). Normalerweise straft (oder soll ich lieber sagen „belohnt“) er mich mit Ignoranz um seine Aufmerksamkeit ganz den beiden Mädels zu schenken und ihnen seine Meinung über den aktuell zu lesenden Text mitzuteilen. Offensichtlich sucht er noch seine Rechthabewoman. Ich tue es ihm gleich (die Ignoranz meine ich, nicht die Aufmerksamkeit). Das erste was er in diesem Kurs zu mir sagte (immerhin in einen ironischen Unterton) war: „Was ist das denn für eine Arbeitsmoral?“

Nun widersprechen konnte ich ihn da ja nicht. Meine Arbeitsmoral war tatsächlich scheiße und ich war nicht vorbereitet. Eingebracht in die Gruppenarbeit hatte ich mich aber trotzdem. Gestern war es wieder soweit. Ich hatte mir diesmal sogar den Text kopiert. So glaubte ich zumindest, denn ich suchte mir ca. 20 Minuten vor Kursbeginn bei mir zu Hause die Finger Wund. „Ok“, dachte ich mir „man soll ja auch nicht mit alten Traditionen brechen.“, und fuhr los. Auf dem Weg zur Uni malte ich mir bereits die bevorstehende Situation aus. Ich wieder mit ihm und den Mädels in einer Gruppe. Er kritisiert wieder meine Arbeitsmoral. Das wäre der Zeitpunkt ihm mal die Meinung zu geigen: „Sei doch froh, dass ich dir wenigstens die eine Möglichkeit lasse dich zumindest in einer Disziplin zu profilieren. Glaubst du ich gehe nur zur Uni um dir die Mädels (die du eh nicht bekommst) abzuziehen? Hast du sonst noch irgendwelche Paranoia?“

Doch es kam anders: Sein Stammplatz war von einem anderen Mädel besetzt. Nach einem kurzen Blick (halb enttäuscht, halb vorwurfsvoll) auf die Mädels, dann auf mich, nahm er an meiner Rechten platz. „Wir können ja nach der hälfte der Stunde die Plätze tauschen.“, bot ich ihm mit einem süffisanten Lächeln an. Sein unsicheres Schmunzeln verriet mir, dass ich ihn durchschaut hatte. Im folgenden landete ich diesmal ohne den Mädels mit ihm in einer Gruppe, wobei es sich herausstellte, dass er ohne den Revierkampfzwang nur halb so scheiße war, wie er aussah. So viel Reife hatte ich von ihm zumindest nicht erwartet. Vielleicht steigt er ja noch in meiner Achtung vom Besserwisserboy zum Klugscheißerman auf. Fast enttäuscht, dass der Streit ausblieb ging ich ins Wochenende.

2 Comments:

Anonymous mcwinkel said...

Ich habe einmal ein halbes Jahr auf die Gelegenheit gewartet, einem meiner Hater-Arbeitskollegen meinen Lieblingsspruch vor den Latz zu knallen. Ich hatte schon Angst, ich würde nie mehr dazu kommen. Doch dann, in einem Meeting, er wollte mir gerade wieder ans Bein Pissen:

"Weisst Du eigentlich, was ich an Dir so mag, M."? Fragte ich Ihn.
"Äh, nö?"

"Gar nichts!" :)

Und die anderen Leute im Meeting lachten. Das tun Sie immer, darauf ist Verlass. Bring´ den mal, Jay!

25 November, 2005 21:16

 
Anonymous Tino said...

Oder den, welchen ich gerade gestern beim Turmspringen aufschnappte: "Warum schauste denn immer durch die Scheibe? Komm doch rein!

haste das gesehen? Der Sprung von Izzy war echt mal geil!!!

27 November, 2005 22:43

 

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