Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Oktober 01, 2005

…. Und weiter geht’s mit dem MTViva-Marathon!

Gorillaz: Dare – Damon Albarn’s Comic-Supergroup zeigt sich nach „Good feel inc.“ diesmal eher Discolastig. Das Video ist wieder gewohnt verstörend: In mitten der Comickulisse ist ein singender Kopf der mir wahrscheinlich bekannt vorkommen sollte. Erinnert mich an Pet Shop Boys.

Farin Urlaub: Sonne – Im Gegensatz zum ersten Soloalbum des Die Ärtzte-Guitaristen weicht der Stil des Zweitwerkes doch (wie das dunkle Album-Cover vermuten lässt) sehr vom Ärtzte-Stil ab. Auch „Sonne“ ist eher melancholisch, rockig. Das Coole Samurai-Video gibt dem Ganzen dann doch noch eine subtile Ironie.

Rammstein: Benzin – „brrrrauch keine Frrrrau nur Vaseliiiin“ (reimt sich auf Gasolin, Benzin, Heroin – stand wohl so im Reimlexikon) brüllt der Sänger während die Band in einen Feuerwehrlöschzug in Shareware-Computergrafik alles zu Schrott fährt. Dass diese Band Regelmäßig mit neuen Releases auf dem 1. Platz der Albumcharts steht ist mir ein Rätsel.

Die Firma: Die Eine – Ach du Scheisse. Schon wieder muss sich eine deutsche Rap-Combo prostituieren und zwanghaft einen Schmalzsong rauspressen, der trotzdem nicht mit Rapklischees („für keine andere Frau, geh’ ich wieder in den Bau“) geizt. So was brachte schon Cappucino einen Platz-1-„Hit“ ein, aber auch gleichzeitig den Suizid im Hip-Hop-Genre.

Tokio Hotel: Durch den Monsun – „Sie oder Er?“, frag ich mich beim Betrachten der Frontperson. Irgendwie wirken die, wie eine Neuauflage von Echt oder Hanson mit den unglaubwürdigen Versuch auf harte Lederjackenrocker zu machen. Auch die für Teenieband typischen „Ich bin erst 15, aber ich hab schon 25 Frauen gehabt!“-Gerüchte lassen die Nudelbeine nicht aus. Was heißt denn gehabt? Wo? Im Sandkasten? Im Baumhaus?

James Blunt: You’re Beautiful – Eine wirklich schöne Songwriterballade, wenn auch etwas Melodramatisch. James heult sich über eine Frau, die er in der U-Bahnstation ganz nett fand aber nie wieder sehen wird, die Augen aus. Dabei sitz er auf einer Eisplatte, entblößt seine Hühnerbrust, entleert seine Hosentaschen und springt letztendlich ins eiskalte Wasser. – Hmmh, mehr hat das Budget nicht hergegeben?

Achso und der komplettheit halber: Das Busta Rhymes-Feature war von den „Pussycat Dolls: Don’t Cha“. Ob Man sich den Namen merken muss?

Was wir beobachten können:

1.) Nur noch wenigen Künstlern werden teure Videos gegönnt. Ihr wisst ja, den Plattenbossen geht’s seid Kazaa und Co. So mies, dass sie sich vor lauter Verzweiflung mit Palm Tops und Apple Power Books bewerfen (vergl. Beginner: The Kake is at dampf). Allerdings scheinen die Internet-Musicstores wie I-Tunes den Musikmarkt langsam wieder aufzufangen (ich vermisse da lediglich noch die Möglichkeit ohne Kreditkarte kaufen zu können.

2.) Der positive Effekt der maroden Plattenindustrie ist der, dass wieder vermehrt nach Künstlern gesucht wird, deren Verfallsdatum nicht schon nach einem Album abgelaufen ist. Daher hören wir auch wieder erstaunlich viel deutschsprachiges im Radio und TV. Doch Tokio Hotel, Rammstein oder Die Firma zeigen mir, dass deutsche Texte noch lange kein Qualitätssigel sind. Auch Songwriter wie Adam Green, Rufus Wrainwright, Jack Johnson sind wieder stark im kommen.

3.) Als Musikexportländer kriegen England und die USA Konkurrenz. Vor allem die skandinavischen Länder haben in den letzten 5 Jahren eine Menge Rockgrößen hervorgebracht.

4.) Newcomer müssen auf Teufel komm raus gefeatured werden. Oder noch schlimmer: Die Jungstars featuren die Großen. Gerade Sänger wie Shaggy oder Sean Paul haben gerne mal talentierte Co-Artists von denen man danach meist allerdings nichts mehr hört.

5.)Alteingesessene dürfen bis in den Tod singen, während Newcomer auch schon mal mit Verfallsetikett geboren werden (siehe Retortenbands wie „Nu Pagadi“)

6.) Immerhin blieben uns letzter Zeit Popduos der Marke „Sie Vanille, Er Schogo, machen halbnackt auf Gogo“ weitestgehend ersparrt (Ausnahme: Blue Lagoon)

7.) Es regt sich bei mir die Hoffnung, dass nervige Klingeltonwerbespots weniger werden. schließlich hat ja schon so gut wie jedes Handy einen MP3-Player integriert. Da brauch man keine Realtöne mehr! Vielleicht geben die Kids dann ja wieder Geld für die echten Songs aus.

Soviel zu meinem kleinen Chartblitzlicht. Schreibt doch mal euren Eindruck vom momentanen Musikgeschehen!

2 Comments:

Anonymous besserwisser said...

Es heißt Ärzte und Gitarrist, nicht Ärtzte und auch nicht Guitarist.

03 Oktober, 2005 15:43

 
Blogger Jay said...

Ok, mit dem "guitarist" hast Recht. Da kommt der Anglist in mir durch. Gemeine "Die Ärzte"-Fan sagt allerdings durchaus mal "Die Ärtzte" um den Namen hervorzuheben!

03 Oktober, 2005 16:36

 

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