Seelen- und Hirnexhibitionismus

Samstag, Oktober 22, 2005

Herr Mehdorn sein Laden

„Ich fahre nie wieder Zug!“, denke ich mir jedes mal wieder. So auch freitagmorgens in Hannover. Da ich ja gerne mal spät bin oder im Stress alles vergesse, was nicht angewachsen ist, nehme ich mir für den Weg zum Bahnhof etwas mehr Zeit als nötig. Nur soviel im Voraus: Es hat sich nicht gelohnt. Folgende Ereignisse können auch die Erklärung für mein chronisches „zu Spät kommen“ sein. Denn wenn eine durchdringende Lautsprecherdurchsage ständig Sätze vor sich herplärrt, die mit „…hat 10 min (20 min, 30 min) Verspätung.“ enden, muss sich das ja ins Gehirn einbrennen.

Besonders beim einnicken, sollen solche hypnotischen Sätze eine besondere Wirkung haben (es gibt ja auch Tonbänder, die einen das Rauchen abgewöhnen sollen). Also fahren nett anzusehende Damen im Bahn- Röbchen kleine Wägelchen mit riesigen Kannen Kaffe über den Bahnsteig und versuchen damit das schlimmste zu verhindern. Ihnen allein ist es zu verdanken, dass morgen nicht hunderte Hirnentlehrter Zombies stumpf vor sich her stöhnen: „Mussss zu spääätttt kommen! Mussss zu spääätttt kommen!“

Ein Maschinenschaden ist es diesmal, der meine pünktliche Ankunft zuhause Verhindert. „Maschinenschaden“ liegt in meiner Top-Five der meistbenutzten Rechtfertigungen für Bahnverspätungen ganz vorne, knapp gefolgt von „Blitzschaden an der Oberleitung“, „Warten auf Fahrgäste für den Anschluss“, „Bahnhof gesperrt“ (Ist mir ehrlich passiert in Kiel!) oder sonst was wie „Der Schaffner hat ne Bänderdehnung in der Unterhose und ne viel zu große Nase.“

Da ich zudem schon seit 20 min starken Harndrang verspüre und die Verspätung mittlerweile auf 30 min angestiegen ist, wage ich es dann doch noch mal nach unten in die Keramikabteilung. Die nennt sich hier witziger Weise „Mc-Clean“. Wenn die Namensparallele zu anderen MC’s wie MC-Hammer, MC Winkel oder gar MC Donalds beabsichtigt ist, finde ich das ganz schön eklig. Der flüchtige Gedanke an vermeintliche „Imbissköstlichkeiten für den anderen Geschmack“ wie der „Mc-Kot“ oder der „Mc-Mittelstrahl-Shake“ wird aufgrund eines stark ansteigenden Übelkeitsgefühls schnell wieder verdrängt. Duschen kann man in diesen futuristischen Örtchen auch. – Wow!

Ein wenig erheitert und erleichtert kehre ich auf den Bahnsteig zurück. Gerade noch rechtzeitig, um die Durchsage mitzukriegen, die meine Erheiterung gleich wieder verfliegen lässt. Mein ICE fällt komplett aus. Eine Minute später finde ich mich in einer Traube von Menschen wieder (nur die fehlenden Mistgabeln unterscheidet sie noch von einem Mob, der auf dem besten Weg zur Lynchjustiz ist), die sich um 2 Mitleids erregende Bahnangestellten scharen.

Diese schaffen es dann löblicher Weise einen Intercity Richtung Bremen noch anzuhalten und uns rüber zu schicken. Nachdem ich in selbigen zum dritten Mal von meinem Platz verscheucht werde, muss ich doch über die mit dem Schild „Bahn Komfort“ betitelten Plätze schmunzeln. Vielleicht hat Herr Mehdorn ja ne andere Definition von Komfort als ich.

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home