Seelen- und Hirnexhibitionismus

Donnerstag, Oktober 13, 2005

Forget about Paris

Es gibt sie in jeder Stadt. Viertel und Vororte, die eher den Ruf eines Ghettos haben, dessen akuter Wohnugslehrstand die Mietpreise noch mehr sinken lässt und daher wiederum eher die sozialen Unterschichten Anzieht. – Ein Teufelskreis. Verständlich daher, wenn sich die betroffene Stadt um Imagepflege bemüht. Einen unfreiwilligen Humor hat das Ganze aber doch.

So traf ich neulich auf den Weg zur Nahrungsaufnahme vor der Mensa Studenten, die tapfer und emsig Pamphlete an die vorbeieilenden Passanten verteilten. „Warst du schon mal in Gaarden?“, fragt mich ein dynamisch, engagierter, junger Herr. Ich bin zu dem Zeitpunkt noch nie dort gewesen, aber die üblichen Gaarden-Klischee (Da tragen selbst die Kakerlaken Colts!) kann ich mir nicht verkneifen: „Nee, war ich noch nicht. Aber wenn ich mal Drogen oder ein neues Springermesser brauch, werde ich mal vorbeischauen.“ Empört als ob ich gesagt hätte, dass seine Mutter und sein Vater ein und dieselbe Person wären und große Füße hätten ereifert er sich: „Ach komm, das sind doch die üblichen Klischees!“ Gespannt auf seine, eines Reiseverkehrskaufmanns würdigen, Ausführungen beruhige ich ihn lachend: „Ja genau, ich wollte dich auch nur provozieren.“

Seinen malerischen Beschreibungen des Werftparks drängt sich bei mir die Vorstellung auf, dass er die Champs-Elysees alt aussehen lässt. Die Infrastruktur ließe keine Wünsche offen, massig Einkaufsmöglichkeiten und super niedrige Mietpreise. Für alle nicht Kieler: Gaarden liegt am Ostufer der Kieler Förde und ist für mich als Kein-Auto-Besitzer eine 30 min Busreise. „Bunt ist an Gaarden das viele Grün und die internationale Bevölkerung“, sagt ein gewisser Herr Dietrich Pöhls vom TuS Gaarden im Pamphlet und trifft damit meine Vorstellung der Stadt auf den Punkt.

Mittlerweile bin ich einmal dort gewesen um mit einen Kumpel an einer Feierei zu partizipieren. Ich dachte dabei noch an Otto im Film wo er in Amerika ankommt: „In Amerika soll jede Minute jemand ermordet werden. – Da muss ich mich ja beeilen!“ Doch während des kurzen Aufenthalts viel mir außer lauten Hundegebell und Kinderschreien lediglich die „Offenheit“ eines Gaardener Pärchens auf, die es nicht für nötig hielten beim Pimpern in ihrer Parterre-Wohnung die Vorhänge zuzuziehen. Überfallen wurden wir nicht, es lagen keine Spritzen herum und der Freund meines Kumpels konnte sich auch nicht über seine Wohngegend beklagen.

Ich glaub ich guck gleich mal zur Mensa und werde für nächsten Sommer mal ne Reise nach Gaarden buchen. Oder doch lieber Kiel-Mettenhof?

1 Comments:

Anonymous MC Winkel said...

Oh wie schön, da muss ich mal hin!

Mettenhof ist immer Sommer am Teich ganz schön! :)

14 Oktober, 2005 12:41

 

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