Seelen- und Hirnexhibitionismus

Sonntag, Oktober 16, 2005

Extreme Timewasting II

Na wenn das keine entspannten Helden sind! Mein MiBiWo und ich chillen nach anstrengender Jagd am Lagerfeuer. Für die Einen sehen sie aus wie ein Arsch mit Ohren, für die Anderen wie das Maskottchen einer okulten Sekte: Die Tauren in Blizzards Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (www.worldofwarcraft.com). Eigentlich ganz nette Typen die Tauren. Sie sind, genau wie ich, stark beharrt, kratzen sich ständig, haben ziemlich tiefe Stimmen, jagen gerne und nehmen neben bei gerne an "Chigago-Bulls"-Maskottchen-Look-a-Like-Contests teil.

Mein MiBiWo wurde selbst vom Spieledealer gewarnt: "Hast du dir das gut überlegt? Wenn du das Spiel erstmal hast kommst du zu nichts Anderen mehr." - Nun, nicht genug, dass er sich selbst ins WoW-Exil flüchtet. Er stürzt mich selbst auch noch mit ins Unglück (Und das so kurz vor Semesterbeginn. - Oh nein!!!). Denn die Vollversion enthält noch einen so genannten "10 Tage Gäste Pass Key" der es mir als Nicht-Besitzer erlaubt das Spiel mit eingeschränkten Rechten anzutesten. Cleverer Marketingschachzug der Entwickler. Denn wer erstmal einige Stunden in seinen Charakter investiert, will den ja nicht einfach nach 10 Tagen schon in den vorzeitigen Krieger-Ruhestand versetzen.

Wer dabei hängen bleibt zahlt, je nach Vertragslänge einen Monatsbetrag von 12,99 € für ein Visum in der Fantasywelt (mittlerweile üblich bei Spielen diese Genres). Für die Entwickler ist das Ding quasi, die "eier legende Woll-Milch-Sau". Denn das bedeutet tausende, monatliche Zahler denen lediglich der Programmieraufwand der "Weltenpfege" gegenübersteht. Allerdings hat es diese Welt auch in sich. Spieler können Allianzen bilden, zusammen Aufträge erledigen, sich duellieren, Berufe erlernen, sich einen Wohnort wählen und in einem Auktionshaus Gegenstände ersteigern (Realitätsverlust nicht ausgeschlossen!). Also fast wie bei "Big Brother- Das Dorf" nur in spannend und mit der Ausnahme, das da die Menschen lediglich durch Regieanweisungen gesteuert werden und es da (noch) keine Massenschlachten gibt. Seit neuesten darf man bei WoW sogar, gegen echte Patte von Reich zu Reich reisen, um z.B. mit Freunden zu spielen, die woanders gestartet sind.

Bisher kann ich mir noch fast vorstellen, dass ich den Absprung schaffen könnte. Aber warten wir erstmal noch ein paar Tage ab. Die Toten werden erst nach der Schlacht gezählt! - Da fällt mir ein: Ich hab noch ne Quest zu erledigen.

3 Comments:

Anonymous MC Winkel said...

Also ich fand Summergames I besser! :)

17 Oktober, 2005 13:09

 
Blogger Jay said...

Oh ja, und California Games nicht zu vergessen (Hackisack war mein favorit)!

17 Oktober, 2005 14:59

 
Anonymous Gerry said...

Oh oh, das Eintauchen in die Warcraft-Welt und die moderne Bewegung der "Faul und Spät"-isten ist ein gefährlicher Mix.

Das exzessive Spielen von World of Warcraft wird durch ein von dem gesellschaftichen und dem eigenen Anspruch an uns Sinnvolles zu tun gebremst. Die Gefahr ist, dass durch die "Faul und Spät"-Ideologie das unsinnige Tun legitimiert wird und es daher als Tugend anstatt als Laster angesehen wird. Eine fatale Entwicklung.
Da dies eine wissenschaftliche Abhandlung ist, darf man diese aus unserer sozialen Umgebung geprägten Ansicht natürlich nicht ohne weiteres stehen lassen.
Wer entscheidet, was vernünftig oder was unsinnig ist? Ist es nicht eine Anmaßung von Wissen und Weisheit zu behaupten das Spielen von World of Warcraft sei Zeitverschwendung?
Bei Lebenszielen muss man immer zwischen ultrakurzfristigen, kurzfristigen, mittelfristigen, langfristigen und ultralangfristigen Bedürfnissen unterscheiden. Ultrakurzfristig ist dabei morgens entgegen seiner Vernunft im Bett liegen zu bleibe. Kurzfristig ist das Bedürfnis seinen Tag zu genießen (z.B. World of Warcraft). Mittelfristig ist das Bedürfnis gesteckte Ziele zu erreichen (z.B. Klausuren zu bestehen).
Langfristig ist das Bedürfnis nach der Gründung einer Familie, einer ordentlichen Ausbildung, einem langfristig zufriedenstellenden Beruf und einer Altersabsicherung. Ultralangfristig ist das Bedürfnis etwas über sein Leben hinaus zu erreichen (seinen Kindern etwas vererben; die Welt verbessern).
Es muss immer betrachtet werden, was einem den größten Gesamtnutzen gibt und ob der Nutzen, den man durch mittel- lang und ultralangfristige Ziele verspürt, dessen Kosten (also Aufwand) rechtfertigt.
Man nehme nun das Beispiel "World of Warcraft" und das Beispiel "Studieren" und vergleiche diese.

World of Warcraft:
Kosten: 14,99 Euro/Monat, krummen Rücken vom am PC sitzen, weniger Zeit fürs Studieren und andere schöne Dinge.
Nutzen: viel Spaß und spannende Träume.

Studieren:
Kosten: Euro-mäßig variabel (je nach Lebenshaltungskosten, Preis für Bücher, Bafög, Unterstützung etc.), früh morgens aufstehen müssen, ärgerliches Lernen, aus dem Haus gehen müssen, krummen Rücken vom in der Uni sitzen, weniger Zeit für World of Warcraft und andere schöne Dinge.
Nutzen: Berufschancen, Wissen erwerben, Leute kennenlernen, Erfüllung des "vernünftigen Lebens" (im Sinne des mittelfristigen Prinzips).

Nun sollte sich jeder fragen, was einem den größten Gewinn (Nutzen-Kosten) einbringt.
Da dieser Text sich jedem Dogma widersetzt, gibt er keine Aufforderung dazu sich mehr oder weniger zu den jeweiligen Prinzipien zu bekennen, sondern soll nur ein kurze Einführung in die Theorie der Eggers´schen "Nutzenmaximierten Lebensweise" sein.

Literaturhinweis:
Eggers, G.: "Moderne Theorien im zeitlichem Kontext - unter Berücksichtigung konkreter Eigenarten in Natur und Technik" in "Wichtige Erkenntnisse des Lebens - zur Vorstellungskraft und ihrer Folgen", Seiten 2435-6342, Reclam, 299 Euro (in der Gold-Edition)

19 Oktober, 2005 00:17

 

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