Seelen- und Hirnexhibitionismus

Montag, Oktober 31, 2005

Die Bundesagentur für Langeweile

Heute in der Uni: Ein Berufsberater der Bundesagentur (Anstalt fand ich irgendwie passender, besonders die negative Konnotation des Wortes) für Arbeit versucht uns Lehramtsstudenten beizubringen, wie wir später Schüler auf die Berufswelt vorbereiten sollen. Also wenn ich mir ihn als Vorbild für die Berufsvorbereitung für Schüler nehmen müsste, würde ich wie ein seniler alter Zausel vor der Klasse stehen und mich freuen, wenn meine Fragen an die Schüler nicht beantwortet werden. So würde mein Monolog nicht unterbrochen werden und ich würde nicht zur Interaktion mit ihnen gezwungen werden.

Nicht, dass ich die Weiheit mit Löffeln gegessen hätte, aber er hält anscheinend das Wort Methodik für eine neue Zahnpasta. Traurigerweise war die Situation zu meiner Schulzeit nicht anders. Wie Schlachtvieh wurde man in einen Bus gepfercht und in einen Ort mit dem grandiosen Berufs-Informations-Zentrum ausgekippt. Dort tippte man seine Interessen durch beantworten von Fragen wie "Arbeiten sie gerne draussen?" in einen anscheinend seherisch begabten Computer. Mit der Antwort "ja", konnte man sich einer Berufsempfehlung als Gärtner sicher sein. - Is Richtig!

Das Traurige ist, dass die Schule rein rechtlich den Kontakt zwischen Schüler und Bundesagentur herstellen soll, sogar muss. Das muss doch irgendwie anders gehen. - Der alte Zausel stellt wieder eine Frage: "Wer, ausser der Schule und der Bundesagentur ist noch an der Berufsberatung beteiligt?" ....Teilnahmslose Stille. Er fährt fort: "Gut, ich wills nicht zu spannend machen..."

"Nee, da mach dir mal keine Sorgen drüber!", denke ich mir während ich versuche mein amüsiertes Prusten zu unterdrücken.

Sonntag, Oktober 30, 2005

Mp 3 killed the video star

Anlässlich einer aktuellen Spiegel-Online-Forumsdiskussion bezüglich der Frage "Hat sich die Rundfunk-Qualität jüngst verbessert?" lasse ich es mir nicht nehmen, hier mal meinen Fingern zum Thema Musikqualität freien Lauf zu lassen.

Hat sich die Rundfunkqualität verbessert? - Nun ja, es scheint mir nicht so, dass die Radiostationen die Musiktrends setzen. Eher lassen sie sich von den Trends diktieren, was gespielt wird. Die Musikindustrie hat sich scheinbar gerade wieder ein bisschen gefangen. Der Wunsch der Konsumenten, Musik aus dem Internet herunter zu laden wurde einfach zu spät entdeckt. Das kommerzielle Potential des MP3-Formats wurde unterschätzt und die erfolgreiche Umsetzung von Online-Vertrieben wie Musicload oder I-Tunes geschieht ca. 10 Jahre zu spät, so dass so manch ein armer Plattenboss seinen Jaguar verkaufen musste und Musikvideoproduktionen (selbst bei etablierten Künstlern) als Kunstform fast ausstarb.

In der jüngsten Vergangenheit machte die Plattenindustrie fast mehr Geld mit den nervigen Handy-Klingeltönen, als mit den regulären CD-Verkäufen. Doch so langsam scheint es mir, dass der positive Nebeneffekt dieser Krise eintritt. Denn neben den üblichen Retorten-Bands werden wieder vermehrt Songwriter, deutsche Bands und andere Musik ohne Verfallsdatum produziert und gehyped. Denn wenn ein Konsument schon 15 € für eine CD ausgibt, will er sie auch in 4 Jahren noch hören können.

Künstler wie „Farin Urlaub“ oder „Die Fantastischen Vier“ haben es daher auch nicht nötig ihre Alben mit Kopierschutz zu versehn. Denn ihre Fans wissen, dass sie bei CD’s solcher Interpreten mehr fürs Geld bekommen als bei polyphonen Klingeltönen im „Jamba-Spar-Abo“ (Warum eigentlich „Spar-Abo“? Spar nicht mehr, wenn ich ganz auf den Mist verzichte?). Die Radiostationen spiegeln diesen Trend nur wieder. Sie sind so wenig experimentierfreudig wie eh und je. Und der Plastikpop lebt in einer Co-Existenz (besonders auf den „Bravo-Hits“-
Samplern) weiter.

Also ich kann ganz gut mit den momentanen Radioprogramm leben. Und hey, keine Band auf dieser Welt spielt für dich alleine! Wir bestimmen das Programm!

Samstag, Oktober 29, 2005

Nicht noch ein Teeny-Horror-Schocker

Shit, warum muss man bei DVD-Abenden immer wieder bei diesen Horrorfilmen landen. Wahrscheinlich der kleinste gemeinsame Nenner, wenn die Runde aus Männlein und Weiblein besteht. Die jungs wollen partout keinen Liebesfilm, die Mädels keinen Actionmovie.

Nun gut, wir sind bei "House of Wax" gelandet. Ein Film von dem ich null erwartet habe, wurde er doch immer in den TV-Werbespots immer mit der reichen Bumsbirne und Restlichverstärker-Testerin Paris Hilton beworben. OK, es hätte schlimmer kommen können und sie hätten stattdessen die x-te Fortsetzung von "Ich weiss noch, was du letzten Sommer getan hast" ("Ich hab mir aufgeschrieben was du letzten Sommer getan hast") oder "Düstere Legenden" ("Ganz ganz super düstere Legenden") auf den Markt geschmissen.

Kommt aber fast auf dasselbe hinaus. Clique, bestehend aus zwei liebespärchen plus Anhängsel wollen eigendlich ein spaßiges Footballwochende genießen. Stattdessen verschlägt es sie (natürlich nacheinander, nicht zusammen) in eine Kleinstadt in der ganz klammheimlich und unbemerkt schon nahezu alle Bürger hingemeuchelt worden sind. Der Drehbuchautor hält sich dabei strikt an seine Anleitung für Filme diese Genres mit dem Titel "How protagonist have to act in a horror movie so that the audience is not too surprised".

So darf Elisha Cuthbert wieder das machen was sie auch in "24" ständig tat: Gut aussehen, wegrennen, schreien, weinen, strampeln. Ich musste während des Films ständig an die "goldenen Regeln" in Scream 2 denken: "In einen Horrorfilm darf man nie davon laufen.- Dann stirbst du. Du darfst dich nie trennen.", und ganz wichtig: "Du darfst nie Sex haben in einen Horrorfilm." Zur Freude aller fundamentalistischen Christen (bzw. zum Ärger aller Voyeuristen) werden Paris und ihr Lover dann auch kurz vor dem Akt gemeuchelt.

Wie, das war jetzt ein Spoiler? Ihr wolltet den Film noch gucken? Sorry, aber das war doch klar oder? Genauso wie dass die anderen goldenen Regeln auch nicht eingehalten werden. Das Motiv der Mörder ist dann genauso fadenscheinig: Weil die Mama so gerne Wachsfiguren bastelte wird jetzt die ganze Stadt gewachst. Und weil Wachs so toll ist besteht schwachsinniger Weise auch das ganze Haus aus diesem eben brennbaren Material (was dem Film noch ein paar extra Pyroeffekte bringt). Achso, a propos Mörder: So hocht die Sterblichkeit der Figuren in solchen Filmen auch ist, der Mörder ist immer so wiederstandsfähig, der würde auch mit zwei Macheten in der Lunge einen ganzen Waldbrand auspusten.

Vielleicht wer alles anders gelaufen, hätte man die beiden damals mit Norman Bates in eine Krabbelgruppe gepackt. Dann hätten die sich vielleicht gegenseitig ihren Mutterkomplex ausgetrieben. Aber immerhin haben Massenmörder in amerikanischen Filmen einen guten Musikgeschmack (Memo an mich: Muss unbedingt mal wieder "My Chemical Romance" hören!).

Das nächste mal stimme ich wohl dann doch mit für den Liebesfilm, dann hat die liebe Sehle ruh!

Freitag, Oktober 28, 2005

Lebensabschnittspartner

...ist ein Begriff, der meiner Meinung nach völlig falsch verwendet wird. Er beschreibt den Begriff Freunde viel besser, als die Personen, die man für gewöhnlich für die körperlichen sowie seelischen Streicheleinheiten hält. Gut gefällt mir auch der Begriff, den Tyler Durden in „Fight Club“ geprägt hat: portionierte Freunde.

Man hält sich Freunde für alle möglichen Lebenssituationen. Manche sind besonders gut zum weggehen. Andere sind einen vielleicht fast ein bisschen zu proletenhaft, dürfen aber auf keiner guten Party fehlen. Einige haben immer ein offenes Ohr plus guten Ratschlag für deine Probleme. Doch unter ihnen kann man noch mal unterscheiden. Denn oft ruft man genau den Freund an von dem man erwartet, dass einen seine Meinung oder Reaktion auf deine Probleme gefällt. In seltenen Optimalfall ist ein Freund für alle diese Situationen gut. Glücklicherweise habe ich von dieser Sorte einige.

Manche Freundschaften definieren sich fast ausschließlich über eine einzige Gemeinsamkeit. Das kann ein Hobby, der Beruf oder die Clique sein in der man sich trifft. Bei anderen ist es umgekehrt. Die Clique kann den einen nicht ausstehen, weshalb man betroffene Person selten sieht. Trotzdem hält es einen irgendwie zusammen. Manche Freundschaften sind so intensiv, dass man sich ein Jahr gar keinen Kontakt hat, wenn er aber wieder da ist, ist es als wär man nie getrennt gewesen. Wieder andere (weibliche) Personen nennen sich gern Freunde, weil es netter klingt als: „Ich hab kein Bock mehr auf dich!“ oder „Für mehr reicht es leider nicht, sorry.“ Selbige verabschieden sich dann gerne mit Sätzen, die sich für mich so anhören: „Wir sehen uns dann irgendwann, irgendwo an irgend einen Gott verdammten Ort.“ (natürlich nur zufällig, nie mit Absicht)

Ich komme gerade auf dieses Thema, da ich gerade für meine Party nächste Woche einlade. Da ist wirklich von jeder Sorte mindestens einer Vertreten. Diejenigen, mit denen ich schon mit Lego gespielt habe, aber auch die „einen Tag vor der Party Anrufer, fragen wer alles kommt und dann entscheiden, ob es sich für sie lohnt“ als auch die „wir müssen unbedingt mal…“ – Sager. Mir sind sie alle wichtig, nur halt zu unterschiedlich großen „Portionen“.

Donnerstag, Oktober 27, 2005

Yeah, Narzissmus!

Manchmal passiert es, dass einen die Geister der Vergangenheit einholen. Ganz unverhofft trifft man wieder auf Personen, die früher mal eine wichtige Rolle in unseren Leben spielten. Nie ganz vergessen, immer ein bischen präsent, auch wenn man es sich selbst vielleicht nicht ganz zugestehen will. Ob positiv oder negativ, sie sind häufig wie ein Fernseher, der einen zeigt, wer oder was man in der Vergangenheit war oder was seitdem aus einem geworden ist. Manchmal gefällt einen dieses Bild von damals nicht, weshalb man die Person, die damit in Verbindung steht auch ungern wieder in sein Leben reinlässt. Was mich betrifft, ich muss feststellen, dass ich auch den "Beteiligten" der schlechten Erfahrungen einiges zu verdanken habe. Man muss diese Erfahrungen nur richtig für sich nutzen.

Nunja, ich halte seit einiger Zeit wieder regelmäßigen Kontakt mit einen dieser "Geister" mit der ich vor einigen Jahren doch einen "recht engen" Kontakt hatte. Aus welchen Grund auch immer sprach sie mich auf etwas an, was ich damals mal gesagt hatte:"Du meintest mal, dass man nicht lieben könne, wenn man sich selbst liebt. Was genau meinst du damit?" Puh, da muss ich einmal einen völlig philosophischen Tag gehabt haben. Ich überlegte kurz und tippte folgende Antwort in den Instant Messanger: "Wenn man sich nicht selbst so akzeptiert wie man ist, sich also nicht liebt, dann kann man höchst wahrscheinlich auch nicht jemand anderen so akzeptieren. Bzw. wenn man seine eigenen Fehler als so groß erachtet, wird man nicht innerlich glauben können, dass jemand anderes über diese fehler hinweggucken kann und sich folglich nie wirklich bei seinen partner "sicher" fühlen."

Hoppala, wo hatte ich das denn her? Und war schon damals so schrecklich altklug, wenns um Zwischenmenschliches geht? Nach längeren Überlegungen kam ich auf meinen alten Werte und Normen-Lehrer auf der Realschule. Der brachte mal diese Kernphrase bei einen knubbelnasigen, leicht fettleibigen, aber durchaus sympatischen Mitschüler. Ich mochte diesen Lehrer nicht mal und damit auch nicht seine pathosgeschwängerte Phrase. Ich dachte mir damals: "Ja toll, Rex Gildo hat auch mal gesagt "Hossa! Hossa! Heh!", ich finde beide haben ein bischen Recht." Doch irgendwie ist sie mir hängengeblieben und ich hab sie mit meiner eigenen Interpretation stark verinnerlicht.

Naja, alles was ich mit der kleinen Anekdote feststellen wollte ist folgendes: Ich wundere mich einfach manchmal, wie man selbst unbewusst jemanden in seiner Weltanschauung beeinflusst und umgekehrt sogar von Leuten beinflusst wird, von denen man dachte, dass diese für einen völlig unwichtig sind. Wie Jake Blues sagen würde: "Die Wege des Herrn sind unergründlich!"

Mittwoch, Oktober 26, 2005

Nass, gelangweilt, hungrig

Eigentlich hab ich mich ja drauf gefreut, dass das Semester wieder anfängt. Aber nach so einen Tag wie heute, muss ich das revidieren. Der Mittwoch ist bei mir in diesem Semester sowiso der längste Tag. Beginnend um 10 Uhr, endend um 18 Uhr. Wäre halb so wild, habe ich doch zu Ausbildungszeiten täglich diese Zeit gearbeitet. Nur haben wir hier leider keine Campusuni und meine Kurse sind so doof gelegt, dass ich an diesem Wochentag den "Olshausenberg" (wer hätte gedacht, dass eine Nordstadt so hügelig sein kann) je zweimal mit meinen Drahtesel auf und ab fahren muss.

Dosenpfand sei dank, hat selbiger einen chronischen Platten, so dass es nicht selten vorkommt, dass ich schon mit schweißüberströmten Kopf und stehender Weise versuche den Hügel zu bezwingen, ein leises Fahrradklingeln höre. Ich drehe meinen Kopf dann langsam nach links, in der Erwartung eine Art Jan Ulrich inklusive T-Com-Wurstpelle zu sehen. Stattdessen ist es dann doch eine Alte Oma auf ihrem Hollandrad, die völlig relaxt ohne mit der Wimper zu zucken an mir vorbeicruist.

Ich komme heute mal wieder nicht richtig in die puschen, so dass ich zwar immerhin noch mein Frühstück runterwürgen kann. Der Kaffee bleibt aber unberührt und ich schaffe es auch nicht mehr mir einen Snack für den Tag zu machen. Nach 4 Seminarstunden und einen Fahrrad-Up-and-down komme ich wieder oben an. In meinem Klingelbeutel befinden sich nur noch Groschen, denn Gestern wurde die Telefonrechnung von meiner MiBiWo eingetrieben. Mit knurrendem Magen eile ich noch schnell vor der nächsten Veranstaltung ins Foyer des Audimax, wo ich mir hoffentlich noch einen Knoppers aus dem Automaten ziehen kann.

Fast hätte ich noch zwei Kommilitonen totgebissen, hätte ich nicht die alseits beliebten "Unicum-Tüten" in ihren Händen gesehen. Jene werden in unregelmäßigen Abständen ausgegeben um die junge Zielgruppe mit diversen Werbeproben zum Konsum zu bewegen. "Meine Rettung.", denke ich mir. Sofort nach erhalt stecke ich meinen Kopf in die Tüte um nach etwas essbaren zu stöbern. Neben den üblichen Deo-, Duschgel-, Zeitschrift-Paket gibt es einen Muffin-Teig-Mix (So hungrig bin ich dann doch nicht, dass ich mir rohen Teig reinhaue.), 3 Abgezählte Wick-Energy-Bonbons (Werden sofort im Seminar vertilgt. Schmecken scheisse wie Medizin, doch ich bin danach so wach, dass ich die noch folgenden Wege hätte laufen können.) und eine Tüte mit ca. 8 Flips (auch nur was für den hohlen Zahn.)

Zusätzlich zum Hunger-und-Nass-Problem nerfen mich noch die Kommilitonen. Denn in nahezu jeder Veranstaltung prügeln sich die Kollegen um Referatsthemen wie Kinder in Afghanistan um Carepakete. Wer weiss, vielleicht gibts ja morgen keine Themen mehr. Ein Glück ist morgen schon fast wieder Wochenende!

Dienstag, Oktober 25, 2005

Le Frisur

"Bis in die Spitzen" heißt die zweite ganz super dolle Telenovela bei Sat 1, die jeder ganz dufte finden soll, bevor sie überhaupt jemand sehen konnte. Der Trailer, der sowohl auf Sat 1 als auch auf Kabel 1 läuft, erweckt bei mir lediglich den Eindruck, dass in der Serie alle Friseurklischees bedient werden. Oberflächlichkeiten, Sex, Eifersucht. "Beste deutsche Serie seit lamgem...", sagt der Stern. - Mag ja sein. Ich guck mir das auf jeden Fall nicht an. Mir ist das Thema einfach zu gruselig.

Denn Hairstylisten und ich passen ungefähr so gut zusammen wie Oli P. und der Grimmepreis. Da meine Schwägerin auch einmal als Friseurin arbeitete (wir verstehen uns trotzdem prächtig), weiß ich, dass ich wohl der Graus jeder Friseurin bin. Denn entgegen meiner sonst recht aufgeschlossenen Art, werde ich auf den Friseurstuhl stumm wie "Die Maus" und meine Ausstrahlung liegt irgendwo zwischen der von Vin Diesel und Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben.

Irgendwie finde ich es nämlich beunruhigend einer Frau mit Schere bzw. Rasierklinge so hilflos ausgeliefert zu sein. Da gibst andere Situationen, die ich mir diesbezüglich besser vorstellen könnte. Beispielsweise mit Plüschhandschellen am Bett und Seidenschal um die Augen. (*Räusper*) Aber ich schweife ab.

Auch wenn die gute Scherenfee noch so zauberhaft aussehen mag, ich hab immer den Eindruck, dass die sich mit ihren netten Tüdeln und Lächeln nur um ein hohes Trinkgeld bewirbt. - Nicht falsch verstehen, das Trinkgeld sei ihr gegönnt und das kriegt sie auch. Nur mag ich in diesem Umfeld keine oberflächlichen Gespräche. Das erzähl ich dann doch lieber meinem Blog, denn hier entscheiden die Leute selbst, ob sie es hören wollen oder nicht.

Heute wird mein Unbehagen nicht nur durch die Lampe über meinen Kopf verstärkt, die mich beim Haarewaschen ähnlich blendet, wie die beim Zahnarzt, sondern auch durch die merkwürdigen roten Flecken auf meinen Kittel. Aus Selbstschutz denke ich mir: "Man muss dass ein erlauchter Kunde gewesen sein, der zu seinem Schnitt noch mit Rotwein rumspritzen durfte."

Montag, Oktober 24, 2005

Du bist was du guckst!

Neulich im Kino: Ich steh mit meinem Kumpel in der Schlange vor der Cinemaxx Kasse. In der Schlange neben uns steht ein Typ mitte 30, Spiesserbrille, Hasenscharte, kaum sichtbaren Flaum und Karosocken. Er war alleine. "Eine Karte für "Jungfrau, männlich,..", bitte!" Ich dachte nur: "Ja, so siehst du aus!" bzw. "Was heißt hier du willst? Du bist!" Entgegen meiner Erwartung, kam er als potenzieller Hauptdarsteller nicht umsonst rein. - "Sag mir was du guckst und ich sag dir, wie du aussiehst.", dachte ich mir.

Doch moment mal. Wenn die Theorie stimmt, was bin ich dann? Der Film, den wir uns zu Gemüte führten hatte den schier unausprechlichen Titel: "Nochnoi Dozor - Wächter der Nacht". Hieße er "Schwärmer der Nacht" hätte ich mich noch mit dem Film identifizieren können. Also wenn ich wie der Film wäre, dann würde einem beim Anschauen meinerseits schwindelig werden (verdammt viele Hardcuts). Ich wäre undurchsichtig, lückenhaft inszeniert, und vor allem ziemlich russisch. Letztere Eigenschaft ist dann wohl das, was den Film noch halbwegs interessant machte. Ein bischen exotisch halt. Ansonsten das typische Fantasy-Action einerlei ala "Underworld" oder "Constantine".

"Man, wieviel Level hätten wir in der Zeit bei WoW geschafft?", stöhnt mein Kumpel als wir das Kino verlassen.
(Mein comment bei IMDB)

Samstag, Oktober 22, 2005

Herr Mehdorn sein Laden

„Ich fahre nie wieder Zug!“, denke ich mir jedes mal wieder. So auch freitagmorgens in Hannover. Da ich ja gerne mal spät bin oder im Stress alles vergesse, was nicht angewachsen ist, nehme ich mir für den Weg zum Bahnhof etwas mehr Zeit als nötig. Nur soviel im Voraus: Es hat sich nicht gelohnt. Folgende Ereignisse können auch die Erklärung für mein chronisches „zu Spät kommen“ sein. Denn wenn eine durchdringende Lautsprecherdurchsage ständig Sätze vor sich herplärrt, die mit „…hat 10 min (20 min, 30 min) Verspätung.“ enden, muss sich das ja ins Gehirn einbrennen.

Besonders beim einnicken, sollen solche hypnotischen Sätze eine besondere Wirkung haben (es gibt ja auch Tonbänder, die einen das Rauchen abgewöhnen sollen). Also fahren nett anzusehende Damen im Bahn- Röbchen kleine Wägelchen mit riesigen Kannen Kaffe über den Bahnsteig und versuchen damit das schlimmste zu verhindern. Ihnen allein ist es zu verdanken, dass morgen nicht hunderte Hirnentlehrter Zombies stumpf vor sich her stöhnen: „Mussss zu spääätttt kommen! Mussss zu spääätttt kommen!“

Ein Maschinenschaden ist es diesmal, der meine pünktliche Ankunft zuhause Verhindert. „Maschinenschaden“ liegt in meiner Top-Five der meistbenutzten Rechtfertigungen für Bahnverspätungen ganz vorne, knapp gefolgt von „Blitzschaden an der Oberleitung“, „Warten auf Fahrgäste für den Anschluss“, „Bahnhof gesperrt“ (Ist mir ehrlich passiert in Kiel!) oder sonst was wie „Der Schaffner hat ne Bänderdehnung in der Unterhose und ne viel zu große Nase.“

Da ich zudem schon seit 20 min starken Harndrang verspüre und die Verspätung mittlerweile auf 30 min angestiegen ist, wage ich es dann doch noch mal nach unten in die Keramikabteilung. Die nennt sich hier witziger Weise „Mc-Clean“. Wenn die Namensparallele zu anderen MC’s wie MC-Hammer, MC Winkel oder gar MC Donalds beabsichtigt ist, finde ich das ganz schön eklig. Der flüchtige Gedanke an vermeintliche „Imbissköstlichkeiten für den anderen Geschmack“ wie der „Mc-Kot“ oder der „Mc-Mittelstrahl-Shake“ wird aufgrund eines stark ansteigenden Übelkeitsgefühls schnell wieder verdrängt. Duschen kann man in diesen futuristischen Örtchen auch. – Wow!

Ein wenig erheitert und erleichtert kehre ich auf den Bahnsteig zurück. Gerade noch rechtzeitig, um die Durchsage mitzukriegen, die meine Erheiterung gleich wieder verfliegen lässt. Mein ICE fällt komplett aus. Eine Minute später finde ich mich in einer Traube von Menschen wieder (nur die fehlenden Mistgabeln unterscheidet sie noch von einem Mob, der auf dem besten Weg zur Lynchjustiz ist), die sich um 2 Mitleids erregende Bahnangestellten scharen.

Diese schaffen es dann löblicher Weise einen Intercity Richtung Bremen noch anzuhalten und uns rüber zu schicken. Nachdem ich in selbigen zum dritten Mal von meinem Platz verscheucht werde, muss ich doch über die mit dem Schild „Bahn Komfort“ betitelten Plätze schmunzeln. Vielleicht hat Herr Mehdorn ja ne andere Definition von Komfort als ich.

Freitag, Oktober 21, 2005

MHH-Party in Hannover

Wie ich gestern schon angekündigt habe war ich am Mittwoch mit meinem Kumpel und seinen Kommilitonen in Hannover rocken. Die Vorglühzeit wurde für meinen Geschmack schmerzhaft beschnitten. Denn, laut Erfahrung der Jungs, ist es nach 12 aufgrund des hohen Besucheransturms kaum mehr möglich rein zu kommen. Also bis 21:30 ein paar Grüne geschlürft und ab in die S-Bahn. Ganz vorne einsteigen natürlich. Man will ja beim Aussteigen die Pole Position haben. Dem Altersdurchschnitt der Bahnmitbenutzer zu folgen, hatten alle das gleiche Ziel. Mit perfekt gespielter Gelassenheit torkelte die Karawane dann schnellen Schrittes zur Partylocation, wo sich auch schon eine lange Schlange in das Vorlesungsgebäude zog. Im inneren angekommen dann die Ernüchterung: Die Schlange zog sich noch durch das Treppenhaus und einen langen Flur. „So würde es beim Arbeitsamt aussehen, wenn Betriebe nur noch nach Bedarf ausbilden würden.", dachte ich mir.

Meine Zweifel, dass es um diese Zeit eher wie auf einem Kindergeburtstag zugehen könnte wurden schnell entwaffnet. Bereits um 22:00 Uhr waren die Flure gut und die Tanzfläche leicht gefüllt, Happy Hour sei Dank. Augenpflege gabs genug und der Alkoholkonsum finazierte sich bald durch Flaschenpfand einsammeln. Später am Abend gelang es mir auch mit einer niedlichen Medizinerin ins Gespräch zu kommen und ging mit ihr Biertrinken. Lief eigentlich ganz gut, bis die die unverweigerliche Frage nach meiner Tätigkeit kam. Ich antwortete Wahrheitsgemäß, dass ich in Kiel Lehramt studieren würde. Ihre darauf folgende Frage, ob ich denn öfter in Hannover sei, verlangte mir eine schnelle Entscheidung und hohe Menschenkenntnis ab.

Hätte der kleine Teufel auf meiner Schulter gesiegt (sehr unwahrscheinlich bei mir) hätte ich wohl geantwortet: "Nee, aber die Nacht ist ja noch jung und mein Kumpel hat ein Wasserbett. - Weißt bescheid! (Augenzwinkern)" Da ich sie aber für ein anständiges Mädel halte und mir das Proletenimage eh nicht so steht, entscheide ich mich für Variante 2: "Ja klar bin ich oft in Hannover. Also... ganz oft sogar. Mein bester Kumpel wohnt hier und meine beiden älteren Brüder ja auch. Und deren Kinder wollen ihren Onkel ja auch mal sehen. ... und sowieso ganz ganz oft." Als sie meine Nummer haben wollte, sah ich mich kurzzeitig schon auf der Gewinnerseite. Doch ihr Interesse galt wohl eher der Sportler Paardy in Kiel, die ich erwähnt hatte.

Einen meiner Reisebegleiter ging es ähnlich. Sein problem beim Balzen bestand allerdings nicht in seinem Studienort, sondern im Studiengang. "Du bist ne ehrliche Sehle.", waren ihre letzten Worte zu ihm, nachdem sie hörte, dass er Informatik studiert. Später auf der Tanzfläche hielten uns zwei Damen sogar für Maschinenbauer. "Wie? Trage ich ein Karohemd?", frag ich verwundert. "Nee, aber ihr lächelt wie welche." Daraufhin suchte ich erstmal mein Ego so verzweifelt, wie die Stoptaste beim I-Pod. - Nee, im Ernst. Entgegen dem Eindruck, den ich jetzt vielleicht vermittelt habe, war es ein sehr launiger Abend, der bis zur ersten S-Bahn am frühen morgen andauerte.

Donnerstag, Oktober 20, 2005

Bin mal wieder unterwegs....

...zu einer kleinen Feldstudie nach Hannover. Ein guter Freund lud mich zu der dort größten Unifeierei, der MHH-Party (der Mediziner), ein. Nach 3-tägigen Aufenthalt im Warcraft-Universum eine willkommene Abwechslung.Uni geht ja immer erst langsam los und ich bin ja gerne "Faul und Spät". Also Schmutzwäsche eingepackt, die letzten frischen Socken angezogen, Bahnticket ausgedruckt und ab die Post!

Nachdem ich auf dem Weg zum Bahnhof noch schnell ne Überweisung eingeworfen habe, steh ich auf dem Bahnsteig und suche verzweifelt nach dem Ticket. Entweder liegts noch auf dem Bussitz, ich habs in einem erneuten Anflug geistiger Umnachtung mit der Überweisung eingeworfen, oder sonst wo verloren. Aber es ist zu spät, da machste nichts. Aber ihr wisst ja, bei einem Bafög-Studenten spielt Geld ja eh keine Rolex (oder in meinen Fall eher I-Pod). Also nochmal 24 € in den gierigen Automatenrachen geworfen. Bei den Flaschenpfand den ich meiner Abstellkammer horte,ist das bestimmt noch drin. Scheiss die Wand an!

Der Typ, der später neben mir im Zug sitzt, hat solche Probleme wohl nicht. Während er Stevie Wonder-like, mit Handy zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt, nicht auf sein Klavier, sondern in die Tasten seines Powerbooks haut, pöbelt er seinen Kollegen an: "Hab ich dir gesagt, dass du den "Schultze-Termin" absagen sollst?" Mit eine lauten seufzen drehe ich meinen I-Pod lauter und hoffe beim eindösen, dass es heute Abend zur ausgleichenden Gerechtigkeit ein Paar nette Nachtelfinnen (äh, ich mein natürlich Medizinerinnen) im Angebot gibt.

Dienstag, Oktober 18, 2005

Das wahre Leben ist wie Achterbahn.....

Manchmal gibt es Zeiten, in denen ziemlich viel in meinem Leben abgeht (oder mich zumindest gedanklich sehr beschäftigt). Nur sind diese Sachen nicht unbedingt blogtauglich, da sie ja schließlich nicht nur mich, sondern auch andere Personen betreffen und ich deren Privatsphäre (Pseudonyme würden hier auch nicht helfen) natürlich achten will. In solchen Fällen werde ich mir ab und zu einen Sontext krallen, der zu meiner aktuellen Gemütslage passt. Hier ist einer vom Fettem Brot:

Das Wahre Leben, ja da können sich Sachen ergeben. - Mal tierisch gut und mal voll daneben.
Ebendrum ist das wahre Leben gerade nicht gerade sondern krumm. - Um zu verstehen muss man Lebenswege gehen. Lieben, Lachen, Kämpfen sich das Leben ansehen.
- Himmelhochjauchzend, zu tode betrübt. - Mal ziemlich tollpatschig und mal sehr geübt. - Im wahren Leben brauchst du keine Hexenkraft. Es ist wie es ist einfach wechselhaft. - Mal ist es langsam, dann wird es wieder schnell. -Mal ist es dunkel und dann wird es wieder hell. - Erst wird verweilt, dann wieder losgegegangen. - Mal weggeworfen, dann wieder eingefangen. - Mal wird genommen und mal wird gegeben. - (räusper)... Das wahre Leben.

Das Wahre Leben ist wie Achterbahn: Mal wird ein schlecht und mal will man nochmal fahr'n.

Manchmal streichelt dir das Leben ganz weich über die Wange, manchmal tritt es dir auch ziemlich barsch in den Allerwertesten. - Na wen wird es denn gleich aus der Bahn tragen. Du musst es dann halt abermals mit mehr Elan wagen. - Mal läuft alles glatt, dann geht alles schief. - Schnief, aua. Doch Trauer ist nicht von langer Dauer. - Denn das wahre Leben hat Ups and Downs. Manche Tage machen es heiter und andere versauen's dann wieder. - Gefieder lässt jeder ab und zu. Mal drückt er der Schuh, den ich an hab und du ebenfalls: Nimm das Leben als Wundertüte! Mal steckt darin der Hauptgewinn, mal ist es nur ne Niete. - Schiete, wieder Tip aufs falsche Pferd. - Der Weg ist mal steinig und mal ist er geteert. - Das wahre Leben läuft mal echt verkehrt. - Aber dafür ist es manchmal ziemlich.... geil!!

Das wahre Leben ist wie Achterbahn: Mal wird einen schlecht und mal will man nochmal fahr'n.

Sonntag, Oktober 16, 2005

Extreme Timewasting II

Na wenn das keine entspannten Helden sind! Mein MiBiWo und ich chillen nach anstrengender Jagd am Lagerfeuer. Für die Einen sehen sie aus wie ein Arsch mit Ohren, für die Anderen wie das Maskottchen einer okulten Sekte: Die Tauren in Blizzards Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (www.worldofwarcraft.com). Eigentlich ganz nette Typen die Tauren. Sie sind, genau wie ich, stark beharrt, kratzen sich ständig, haben ziemlich tiefe Stimmen, jagen gerne und nehmen neben bei gerne an "Chigago-Bulls"-Maskottchen-Look-a-Like-Contests teil.

Mein MiBiWo wurde selbst vom Spieledealer gewarnt: "Hast du dir das gut überlegt? Wenn du das Spiel erstmal hast kommst du zu nichts Anderen mehr." - Nun, nicht genug, dass er sich selbst ins WoW-Exil flüchtet. Er stürzt mich selbst auch noch mit ins Unglück (Und das so kurz vor Semesterbeginn. - Oh nein!!!). Denn die Vollversion enthält noch einen so genannten "10 Tage Gäste Pass Key" der es mir als Nicht-Besitzer erlaubt das Spiel mit eingeschränkten Rechten anzutesten. Cleverer Marketingschachzug der Entwickler. Denn wer erstmal einige Stunden in seinen Charakter investiert, will den ja nicht einfach nach 10 Tagen schon in den vorzeitigen Krieger-Ruhestand versetzen.

Wer dabei hängen bleibt zahlt, je nach Vertragslänge einen Monatsbetrag von 12,99 € für ein Visum in der Fantasywelt (mittlerweile üblich bei Spielen diese Genres). Für die Entwickler ist das Ding quasi, die "eier legende Woll-Milch-Sau". Denn das bedeutet tausende, monatliche Zahler denen lediglich der Programmieraufwand der "Weltenpfege" gegenübersteht. Allerdings hat es diese Welt auch in sich. Spieler können Allianzen bilden, zusammen Aufträge erledigen, sich duellieren, Berufe erlernen, sich einen Wohnort wählen und in einem Auktionshaus Gegenstände ersteigern (Realitätsverlust nicht ausgeschlossen!). Also fast wie bei "Big Brother- Das Dorf" nur in spannend und mit der Ausnahme, das da die Menschen lediglich durch Regieanweisungen gesteuert werden und es da (noch) keine Massenschlachten gibt. Seit neuesten darf man bei WoW sogar, gegen echte Patte von Reich zu Reich reisen, um z.B. mit Freunden zu spielen, die woanders gestartet sind.

Bisher kann ich mir noch fast vorstellen, dass ich den Absprung schaffen könnte. Aber warten wir erstmal noch ein paar Tage ab. Die Toten werden erst nach der Schlacht gezählt! - Da fällt mir ein: Ich hab noch ne Quest zu erledigen.

Samstag, Oktober 15, 2005

Eine Bewegung zum featuren

Holla die Waldfeh, so langsam ist auch erstmal gut mit der Feierei. Ich weiss jetzt schon, dass das heute ein absoluter Gammeltag wird und ich wahrscheinlich das Haus gar nicht verlassen werde. Doch Faulheit wird ja jetzt, Kollege MC Winkel sei Dank, salonfähig.

"Faul und Spät" heißt die unterstützungswürdige Bewegung, die unter anderem für so lebenswichtige Dinge wie...

- mehr Füße hoch
- täglich Ausschlafen
- mal Fünfe gerade sein lassen
- Pragmatismus
- lockere Terminvereinbarungen
- Fernbedienungen

propagiert und sich gegen...

- unentspanntes Stehen
- Wecker
- Haarspalterei
- Pedanterie
- straffe Termine/Organisation
- Aufstehen

ausspricht. Die Liste verselbstständigt sich mitlerweile und wird mit Dingen wie z.B. das, auch von mir bevorzugte, "beim Sex unten liegen" erweitert. In dem Zusammenhang: "Zu spät kommen" kann auch mal unvorteilhaft sein (harrr, harrr, harrrrrrr, Schenkelklopfer!).

Also, reinschauen und supporten!!!

Donnerstag, Oktober 13, 2005

Forget about Paris

Es gibt sie in jeder Stadt. Viertel und Vororte, die eher den Ruf eines Ghettos haben, dessen akuter Wohnugslehrstand die Mietpreise noch mehr sinken lässt und daher wiederum eher die sozialen Unterschichten Anzieht. – Ein Teufelskreis. Verständlich daher, wenn sich die betroffene Stadt um Imagepflege bemüht. Einen unfreiwilligen Humor hat das Ganze aber doch.

So traf ich neulich auf den Weg zur Nahrungsaufnahme vor der Mensa Studenten, die tapfer und emsig Pamphlete an die vorbeieilenden Passanten verteilten. „Warst du schon mal in Gaarden?“, fragt mich ein dynamisch, engagierter, junger Herr. Ich bin zu dem Zeitpunkt noch nie dort gewesen, aber die üblichen Gaarden-Klischee (Da tragen selbst die Kakerlaken Colts!) kann ich mir nicht verkneifen: „Nee, war ich noch nicht. Aber wenn ich mal Drogen oder ein neues Springermesser brauch, werde ich mal vorbeischauen.“ Empört als ob ich gesagt hätte, dass seine Mutter und sein Vater ein und dieselbe Person wären und große Füße hätten ereifert er sich: „Ach komm, das sind doch die üblichen Klischees!“ Gespannt auf seine, eines Reiseverkehrskaufmanns würdigen, Ausführungen beruhige ich ihn lachend: „Ja genau, ich wollte dich auch nur provozieren.“

Seinen malerischen Beschreibungen des Werftparks drängt sich bei mir die Vorstellung auf, dass er die Champs-Elysees alt aussehen lässt. Die Infrastruktur ließe keine Wünsche offen, massig Einkaufsmöglichkeiten und super niedrige Mietpreise. Für alle nicht Kieler: Gaarden liegt am Ostufer der Kieler Förde und ist für mich als Kein-Auto-Besitzer eine 30 min Busreise. „Bunt ist an Gaarden das viele Grün und die internationale Bevölkerung“, sagt ein gewisser Herr Dietrich Pöhls vom TuS Gaarden im Pamphlet und trifft damit meine Vorstellung der Stadt auf den Punkt.

Mittlerweile bin ich einmal dort gewesen um mit einen Kumpel an einer Feierei zu partizipieren. Ich dachte dabei noch an Otto im Film wo er in Amerika ankommt: „In Amerika soll jede Minute jemand ermordet werden. – Da muss ich mich ja beeilen!“ Doch während des kurzen Aufenthalts viel mir außer lauten Hundegebell und Kinderschreien lediglich die „Offenheit“ eines Gaardener Pärchens auf, die es nicht für nötig hielten beim Pimpern in ihrer Parterre-Wohnung die Vorhänge zuzuziehen. Überfallen wurden wir nicht, es lagen keine Spritzen herum und der Freund meines Kumpels konnte sich auch nicht über seine Wohngegend beklagen.

Ich glaub ich guck gleich mal zur Mensa und werde für nächsten Sommer mal ne Reise nach Gaarden buchen. Oder doch lieber Kiel-Mettenhof?

Mittwoch, Oktober 12, 2005

Ach wie schön ist E-Biz!

Ich würd mich selber nie als Pedant bezeichnen, nur bei meiner Musiksammlung ist es anders. Nicht das ich den ganzen Tag Musik hören würde, aber im CD-Regal und in den Musikfiles meines Rechners muss schon Ordnung sein. Wenn ich so viel Perfektionismus auch im Studium anstreben würde, hätte ich wohl keine Probleme mehr. Da ich immer noch ne Woche Urlaub habe lasse ich mich also dazu hinreißen meine Musiksammlung in I-Tunes zu bebildern. Dazu gehe ich auf Amazon.de und Kopiere mir einfach von da aus die Album-Covers in meine Musikbibliothek. Dabei fällt mir wieder mal auf das kein Click auf dieser Seite ungestraft bleibt.

Denn Amazon’s Marketing Strategie (ich nenn sie mal „Konsumenteninformation“) erinnert mich zunehmend an den Spielberg Film Minority Report. Die Konsumentenüberwachung scheint auf den ersten Blick perfekt. Ich weiß, das ist noch kein Science-Fiction-Hokus-Pokus a la Netzhautscan oder ähnliches was mich da erkennt, sondern ein gewöhnlicher Cookie. Und klar könnte ich das unterdrücken. Unterhaltsam ist es aber schon, was mir da als für mich perfekt zusammengestelltes Konsumbündel angepriesen wird.

Demnach sollte ich mir bei einer gemütlichen Partie Playstation-Geballere („SOCOM Navy Seals“ ) aus dem neuesten Harry Potter vorlesen lassen oder beim neusten Charlotte Link-Roman („Das Haus der Schwestern“ habe ich meiner Ma mal zum Muttertag geschenkt.) den geruhsamen Tönen der neuen Limp Bizkit-Scheibe lauschen.

Da kann man doch ausnahmsweise mal froh sein, dass die Verkäufer bei Mediamarkt und Karstadt keine Ahnung von den Produkten haben, die sie Verkaufen und einen nicht bei jedem gekauften Green Day-Album auch gleich noch ne Offspring-Scheibe mit andrehen wollen.

Dienstag, Oktober 11, 2005

Sorry Elfriede, war nicht so gemeint!

Jetzt ist es passiert! Ich stehe heute wieder einmal, nichts böses ahnend, an der Kasse bei Minimal. Während mein Rasierschaum fröhlich auf dem Laufband spazieren fährt, fällt mein Blick auf eine Ecke des Ladens, der Gestern noch von Elfriede's "Salat-Schnippel-und-Einschweißstand" ausgefüllt war. Der traurige Anblick wird von den Bemühungen des Handwerkers, der gerade damit beschäftigt ist, mit einem Handfeger die Spuren seiner Abbauarbeiten zu beseitigen, unterstrichen.

Ich fühle mich dadurch im negativem Sinne an den "Du bist Deutschland"-Spot errinnert. "Du bist Elfriede und DU bist arbeitslos". Wäre ich nicht so betroffen, würde ich die Verkäuferin nach dem Hintergrund fragen. Von den möglichen Antworten auf die Frage gefällt mir eine weniger als die andere.

Vielleicht ist diese Art von Arbeitsplatz einfach nicht mehr bezahlbar und wird Bundesweit in allen Minimal-Filialen eingestellt. Mit Glück darf Elfriede noch weiter arbeiten und darf jetzt Vollzeit durch den Laden hetzen, um Preise von TK-Produkten in Erfahrung zu bringen, die noch nicht im Kassensystem registriert sind.

Vielleicht wird auch einfach der Stand neu aufgebaut. Diesmal mit einer größeren Tür, damit Elfriede nicht (wie Gestern) fast eine Autoschere braucht um sich daraus zu befreien.

Die schlimmste Möglichkeit möchte ich gar nicht ausprechen. Elfriede könnte wiedererwartend Blogs lesen, sich bei meinen gestrigen Ausführungen angesprochen fühlen, wodurch alte Kindheitstraumata (wurde in der Schule schon immer gehänselt) wieder hoch gekommen sind, hat sich ein Psychatrisches Gutachten geholt und als Arbeitsunfähig erklären lassen.

Zugegeben, bei schätzungsweise deutlich unter 10 täglichen Lesern meines Blogs eine sehr unrealistische Variante. Trotzdem könnte ich mit den schlechten Gewissen nicht leben. Also, sorry Elfriede war nicht so gemeint.

Montag, Oktober 10, 2005

Bei Minimal rumlaufen um Nahrung zu kaufen

Während die Nahrungsaufnahme bei mir eine recht hohe Priorität im Tagesgeschehen einnimmt, widerstrebt es mir, das dass auch auf die Nahrungsbeschaffung (quasi die Jagd) zutrifft. Deshalb ist mir selbst der ca. 200 m kurze Weg zum Aldi häufig schon zu weit und gehe lieber, die Apothekenpreise in Kauf nehmend, einmal über die Straße zum Minimal.

Da ich das Feuer in meiner Höhle nur für mich und nicht für eine Höhlenfrau mache, kenne ich das Minimal-Fertiggerichtsortiment schon sehr gut. So stehe ich auch heute wieder mit allen an der Kasse, was die Italienischen Wochen komplett macht. Eine neue Kasse macht auf und ich kann mir das lange Warten sparen. "Yes!!!!"

Doch zu früh gefreut. Es muss wohl eine Ironie des Schicksals sein, dass das einzig deutsche Fertiggericht in meinem Shoppingcart mir den schnellen Abgang verhindert. Während die anderen Teile Problemlos über den Scanner gezogen werden, hält die Verkäuferin (ich nenn sie mal Sieglinde) bei einer Packung inne und hält selbige in die Luft: "Elfrieeeeede, haste mal den Preis für Rahmgeschnetzeltes TK?"

Mitlerweile hat sich hinter mir eine Schlange gebildet, wie ich sie mir sonst nur beim Backstreet Boys-Konzert hätte vorstellen können. Ich schicke ein Stoßgebet gen Himmel und danke Gott, dass das ausgerufene Produkt keine Zeitschrift mit nem Titel wie "Bikes and Bitches" oder gar ein Mittel gegen Filzläuse (nicht dass ich sowas brauchen würde...) ist.

Während Elfriede ihre Wampe aus der Glastür drückt, die ihren "Salate-Schnippel-Stand" vom Rest des Ladens trennt und mit ihren Krampfadern übersähten Keulen zur TK-Kost-Truhe (so heißt es wohl im Discountverkäufergargon) schlurft, spüre ich schon die Blicke meiner Miteinkäufer wie sich ihre Hälse "Go-Go-Gadgetto"-mäßig räcken um zu erspären welches Produkt nun daran Schuld ist, dass sie GZSZ verpassen.

Nach 4 Minuten und einigen verlegenen Sprüchen meinerseits an die Mitleidenden hinter mir wie "Na, da hät ich wohl besser die andere Marke genommen, was?"kommt endlich das "Zeiii Fuffzig" aus der hinteren Ladenhälfte gebellt und ich bin erlöst. Bei Aldi wär mir das nicht passiert. Die kennen ja bekanntlich jeden Code auswendig.

Sonntag, Oktober 09, 2005

Ich werd alt (mal wieder)

Bald ist es soweit: Jay erreicht das, zumindest für Studenten, fast rentnernahe Alter 25. So langsam machen sich schon einige Kennzeichen dafür bemerkbar:

1. Immer öfter erwische ich mich bei Gedanken wie: "Das war damals aber noch nicht so." bzw: "Waren wir in dem Alter auch so drauf?" (insbesondere beim Beobachten der aktuellen Dicokonsumenten) oder "Das gabs doch damals schon." (z.B. bei der Zwanghaften Neubennung von Musikstilen, wie aus Grunge und Crossover wird Nu Metal).

2. Während früher Kleinkinder einfach nur nerfig waren, spüre ich jetzt beim Anblick der lieben Blagen immer öfter das Bedürfnis sie mit Grimassen oder ähnlichen zum Lächeln zu bringen. - Sehr Besorgniserregend!

3. Wenn ich im Kaufhaus-CD-Regal "Peter Gabriel" sehe, denke ich schon mal an seinen Nachnamensvetter Gunther.

4. Der Ikea-Nestbautrieb setzt langsam ein. Nachdem ich beim Einzug und Einrichtung des Zimmers vor 2 Jahren lediglich pragmatisch dachte ("Teppich darf ruhig schmutzig sein, da kommt ein Läufer rüber!", "Hauptsache das Männerspielzeug, sprich TV, Playstation und PC, stehen.", wächst jetzt das Verlangen das WG Zimmer gehörig zu pimpen.

Mein Bett, früher mal Hochbett meines älteren Bruders wollte sich eigentlich bei meinen letzten beiden Geburtstagsfeiern schon aus dem Möbelleben verabschieden aber es wurde doch immer wieder noch mit der Hilfe von guten Freunden wiederbelebt. Selbiges Schicksal wird der Ausziehcoach zu Teil werden. Dafür muss eine echte Lümmelwiese und eine Sitzecke her.

Aber wie das dann bei Ikea so ist: Man geht mit zwei fest geplanten Einkaufswünschen hin und kommt mit einer Familienpackung Ikeapuzzle zurück. Mal sehen ob mein Bett, die kommende Party überlebt.

Donnerstag, Oktober 06, 2005

Wenn der Programmdirektor schlafen geht...

Wenn ich spät abends nach Hause komme und mich Bettfertig mache, habe ich die dumme Angewohnheit nochmal die Glotze anzumachen. Nicht dass ich erwarten würde, dass da noch was läuft (ab und an läuft gegen 1 Uhr noch ne Wiederholung von "Scrubs" oder anderen Serien). Nein, eigentlich brauch ich nur irgendwelche Hintergrundgeräusche damit es nicht so wiederlich ruhig ist. Gerade nach der Disco kommt mir das immer merkwürdig vor.

Schenke ich der Glotze aber dann doch Aufmerksamkeit, so bietet sich mir ein Bild des Wahnsinns. Selbst (oder gerade) Pro 7 hat es offensichtlich nötig durch billige Anrufsendungen ihre Portokasse aufzupolieren. Es soll ja Sender geben (wie z.B. Neun Live), die sich nur durch sowas finanzieren. Das gewöhnliche "Vergleiche die beiden Bilder und sag wo die Unterschiede sind"-Spielchen mag ja, zumindest wenn man angeschäkert ist, noch fordernd sein. Aber das obige Worträtsel dürfte sogar meine 4-Jährige Nichte lösen können. Zu ihrem Glück darf sie nicht so lange aufbleiben.

Mmmhhh, schwer zu erraten: Raktoffel? Leffoktar? Unbeirrt springt die, im Wahren Leben wohl als Schaufensterdekorateurin bei Aldi beschäftigte, Fernsehazubine herum als ob ihre Schwester auch gleichzeitig ihre Mutter wäre oder ihr gleich ihre Eingeweide platzen würden und versucht uns einzureden, dass es gleich zu spät wäre und wir sofort anrufen müssten. "In einer Minute ist es Eiiiiinnn UUHHHHRRR, ich bin nur bis Ein Uhr gebucht! Rufen Sie JETZT an! Hach, das macht mich total fertig diese Aufregung!"

Tja, sie scheint Pech zu haben. Oder vielmehr die Noch-TV-Gucker. Die wenigen, die den Beschiss nicht Checken gucken wohl lieber die "Sexy Clips" auf DSF, "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands", "Space Night" oder das Kaminfeuer auf RT2. (Hab mir sagen lassen, dass das leider nie ganz runterbrennt. Das nimmt den ganzen doch ein bischen die Spannung.)

Aber mein Gott, wenn der Sendung damit genug Kohle zusammenkriegt um ordentliche Serien und Filme aus Hollywood zu kaufen oder eigenes wie "Stromberg" zu produzieren soll mir jedes Mittel recht sein. Wenn dann noch sowas wie "Dübeln mit Sonja Kraus" abgesetzt werden würde....

Dienstag, Oktober 04, 2005

Extreme Timewasting



Oh Mann, ich kann mir jetzt mal wieder vorstellen warum Arbeitslose ihren Arsch nicht hoch kriegen! Sind zwar nur noch 2 Wochen Semesterferien, ich muss auch eigentlich noch was machen, nur: "Ist ja nicht wild, wenn ich dies und das heute nicht schaffe - mach ich dann Morgen!" Das Selbe denke ich mir dann Morgen aber auch wieder.

Schuld daran sind mal wieder die üblichen Verdächtigen: Die "sozialen Verpflichtungen" wie mit Freunden Trinkengehen (und was daraus so resultiert) aber auch, so schandhaft das jetzt auch klingen mag, der leidliche, ich sach mal Homeentertainmentbereich. Dieser füllt zugegebener Maßen beim Jay ohnehin nicht nur viel Platz im Zimmer sondern auch im Täglichen Zeitplan aus.

Vor einer Woche brachte mein MiBiWo dann zu allem Überfluss auch noch die Zweite Staffel von "24" auf DVD mit. - Da war alles vorbei. Es fing noch recht harmlos an. Zuerst verfolgte ich den Serien-Politthriller meist nur zu den Mahlzeiten. - Läuft ja eh nichts dolles im TV. Dann erwischte ich mich dabei, dass meine "Mahlzeiten" sich auf Mysteriöse Weise verlängerten. "Och komm, Jay. Nen Kaffee kannst ja noch Trinken!" Sag mir mein innerer Schweinehund.

Die letzten 8 Stunden des "24-Tages", sprich der Versuch des Helden den 3. Weltkrieg zu verhindern, verschlinge ich letztlich an einem Stück. Mein Zimmer wird nur fürs Badezimmer, zum Herdanschmeißen, Nudeln aufsetzten, später Nudeln aus den Wasser holen, mit ins Zimmer nehmen, verlassen. Wie ein Kaninchen vor der Schlange starre ich wie gebannt auf die Mattscheibe, bis der letzte Abspann flimmert.

Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass diese Serie mit ihrem "Echtzeit-Konzept" einzigartig ist und auch jeden genreähnlichen Hollywoodstreifen wie "Der Anschlag" oder "Die Bourne Verschwörung" einfach alt aussehen lässt. In Sachen Dramaturgie ist sie auf jeden Fall nicht zu toppen. Gleichzeitig geschehene Szenen werden per Splitscreen dargestellt, so dass man als Zuschauer den Eindruck bekommt, man könne jede Sekunde etwas entscheidendes Verpassen. Die ständig tickende Zeit (Jede Folge zeigt eine Stunde des dargestellten Tages.) bewirkt zudem, dass man sich genau wie die Charaktere gehetzt fühlt also jede Sehpause einen unbefriedigt und rastlos hält.

Ok, jetzt ist es vorbei und ich könnte wieder wie ein normaler Mensch leben. Aber ich hab ja noch 2 Wochen Zeit, da hab ich mir doch glatt nochmal die erste Staffel geholt. ;-)

Samstag, Oktober 01, 2005

…. Und weiter geht’s mit dem MTViva-Marathon!

Gorillaz: Dare – Damon Albarn’s Comic-Supergroup zeigt sich nach „Good feel inc.“ diesmal eher Discolastig. Das Video ist wieder gewohnt verstörend: In mitten der Comickulisse ist ein singender Kopf der mir wahrscheinlich bekannt vorkommen sollte. Erinnert mich an Pet Shop Boys.

Farin Urlaub: Sonne – Im Gegensatz zum ersten Soloalbum des Die Ärtzte-Guitaristen weicht der Stil des Zweitwerkes doch (wie das dunkle Album-Cover vermuten lässt) sehr vom Ärtzte-Stil ab. Auch „Sonne“ ist eher melancholisch, rockig. Das Coole Samurai-Video gibt dem Ganzen dann doch noch eine subtile Ironie.

Rammstein: Benzin – „brrrrauch keine Frrrrau nur Vaseliiiin“ (reimt sich auf Gasolin, Benzin, Heroin – stand wohl so im Reimlexikon) brüllt der Sänger während die Band in einen Feuerwehrlöschzug in Shareware-Computergrafik alles zu Schrott fährt. Dass diese Band Regelmäßig mit neuen Releases auf dem 1. Platz der Albumcharts steht ist mir ein Rätsel.

Die Firma: Die Eine – Ach du Scheisse. Schon wieder muss sich eine deutsche Rap-Combo prostituieren und zwanghaft einen Schmalzsong rauspressen, der trotzdem nicht mit Rapklischees („für keine andere Frau, geh’ ich wieder in den Bau“) geizt. So was brachte schon Cappucino einen Platz-1-„Hit“ ein, aber auch gleichzeitig den Suizid im Hip-Hop-Genre.

Tokio Hotel: Durch den Monsun – „Sie oder Er?“, frag ich mich beim Betrachten der Frontperson. Irgendwie wirken die, wie eine Neuauflage von Echt oder Hanson mit den unglaubwürdigen Versuch auf harte Lederjackenrocker zu machen. Auch die für Teenieband typischen „Ich bin erst 15, aber ich hab schon 25 Frauen gehabt!“-Gerüchte lassen die Nudelbeine nicht aus. Was heißt denn gehabt? Wo? Im Sandkasten? Im Baumhaus?

James Blunt: You’re Beautiful – Eine wirklich schöne Songwriterballade, wenn auch etwas Melodramatisch. James heult sich über eine Frau, die er in der U-Bahnstation ganz nett fand aber nie wieder sehen wird, die Augen aus. Dabei sitz er auf einer Eisplatte, entblößt seine Hühnerbrust, entleert seine Hosentaschen und springt letztendlich ins eiskalte Wasser. – Hmmh, mehr hat das Budget nicht hergegeben?

Achso und der komplettheit halber: Das Busta Rhymes-Feature war von den „Pussycat Dolls: Don’t Cha“. Ob Man sich den Namen merken muss?

Was wir beobachten können:

1.) Nur noch wenigen Künstlern werden teure Videos gegönnt. Ihr wisst ja, den Plattenbossen geht’s seid Kazaa und Co. So mies, dass sie sich vor lauter Verzweiflung mit Palm Tops und Apple Power Books bewerfen (vergl. Beginner: The Kake is at dampf). Allerdings scheinen die Internet-Musicstores wie I-Tunes den Musikmarkt langsam wieder aufzufangen (ich vermisse da lediglich noch die Möglichkeit ohne Kreditkarte kaufen zu können.

2.) Der positive Effekt der maroden Plattenindustrie ist der, dass wieder vermehrt nach Künstlern gesucht wird, deren Verfallsdatum nicht schon nach einem Album abgelaufen ist. Daher hören wir auch wieder erstaunlich viel deutschsprachiges im Radio und TV. Doch Tokio Hotel, Rammstein oder Die Firma zeigen mir, dass deutsche Texte noch lange kein Qualitätssigel sind. Auch Songwriter wie Adam Green, Rufus Wrainwright, Jack Johnson sind wieder stark im kommen.

3.) Als Musikexportländer kriegen England und die USA Konkurrenz. Vor allem die skandinavischen Länder haben in den letzten 5 Jahren eine Menge Rockgrößen hervorgebracht.

4.) Newcomer müssen auf Teufel komm raus gefeatured werden. Oder noch schlimmer: Die Jungstars featuren die Großen. Gerade Sänger wie Shaggy oder Sean Paul haben gerne mal talentierte Co-Artists von denen man danach meist allerdings nichts mehr hört.

5.)Alteingesessene dürfen bis in den Tod singen, während Newcomer auch schon mal mit Verfallsetikett geboren werden (siehe Retortenbands wie „Nu Pagadi“)

6.) Immerhin blieben uns letzter Zeit Popduos der Marke „Sie Vanille, Er Schogo, machen halbnackt auf Gogo“ weitestgehend ersparrt (Ausnahme: Blue Lagoon)

7.) Es regt sich bei mir die Hoffnung, dass nervige Klingeltonwerbespots weniger werden. schließlich hat ja schon so gut wie jedes Handy einen MP3-Player integriert. Da brauch man keine Realtöne mehr! Vielleicht geben die Kids dann ja wieder Geld für die echten Songs aus.

Soviel zu meinem kleinen Chartblitzlicht. Schreibt doch mal euren Eindruck vom momentanen Musikgeschehen!